Frau Musica als Königin von Reutte

Einfach mitreißend: Schon die Kleinsten des Kinderchors hatten den Ohrwurm „Barbara Ann” von den Beach Boys perfekt drauf. RS-Foto: Gerrmann

Begeisterndes Open Air der Landesmusikschule Reutte-Außerfern

Reutte hat einen großen Schatz: seine Musikanten. Kleine und große, junge und alte, Anfänger und Könner verwandelten am Donnerstag beim Abschlussfest der Landesmusikschule Reutte-Außerfern Untermarkt und Park in eine riesige Konzert-Arena: Frau Musica war an diesem Abend ganz zweifelsohne die Königin von Reutte.

Von Jürgen Gerrmann

Wenn überhaupt etwas nicht perfekt war in diesen gut fünf Stunden, dann war es das Wetter. Die Abendkühle hielt vielleicht doch den einen oder die andere davon ab, sich ins Herz der Marktgemeinde zu begeben. Aber dennoch war der Andrang beachtlich: „Wir Außerferner sind die Kälte ja gewohnt“, schmunzelte Musikschul-Direktor Tobias Lämmle: „Das kann uns nicht erschüttern.“
Aber passend zur Abendtemperatur ließ er dann beim eigenen Auftritt mit dem Sinfonischen Orchester bei Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ dann doch den Sommer weg und beschränkte sich auf Frühling und Herbst. Das änderte jedoch nichts daran, dass sowohl Ensemble wie auch Solist Iason Tzanakos brillant aufspielten und den Park allem Frösteln zum Trotz mit mediterranem Flair erfüllten.
Schon gleich zu Beginn wurde ein musikalisches Füllhorn über den Untermarkt ausgegossen: Klavier und Querflöte, Oboe und Flöte, Violine und Violoncello, Klarinette und Saxophon, Fagott und Tenorhorn, Posaune und Tuba, Horn und Steirische Harmonika, Harfe und Hackbrett, Zither und Gitarre, Schlagwerk und E-Gitarre, Percussion und Blockflöte gaben in der Geschäftsstraße buchstäblich den Ton an und ließen einen spüren, auf welch enorme Bandbreite die Reuttener Musikschule stolz sein kann.
Und dies gilt auch für die Zahl der Akteure bei diesem musikalischen Ereignis unter freiem Himmel: Von den 1400 Schülern zeigten rund 1000 ihr Können auf den verschiedensten Stufen. Sie waren von 46 Lehrkräften auf diesen großen Tag vorbereitet worden und diese konnten sich zu Recht über die Leistung ihrer Schützlinge freuen. Schon die Proben, die sich über Wochen hinweg zogen, zeigten den enormen Einsatz der Musikanten: „Das ist einfach ein Super-Ziel zum Schulabschluss“, strahlte denn auch Tobias Lämmle, als er sein Fazit zog: „In großen Gruppen zu spielen, ist für Kinder eben einfach eine tolle Sache.“
Das spürte man auch auf den zwei Bühnen im Park, wo die Big Band unter Thomas Walcher für einen tollen Auftakt sorgte. Und daran knüpften Kinderchor, Musikschulchor und Vocalensemble, die von Albert Frey eingestellt worden waren, nahtlos an: mit dem Volkslied „In die Berg bin i gern“ ebenso wie mit Klassik, Elton Johns „Can you feel the love tonight?“ oder auch dem Beach Boys-Ohrwurm „Barbara Ann“, dem die Kleinsten so viel Leben einhauchten, als wäre er gerade erst geschrieben worden.

Gleich vier Talschaften umfasste das Große Schülerblasorchester: Tannheimertal, Reutte, Zwischentoren und Lechtaler. Und alle harmonierten ganz prima miteinander. RS-Foto: Gerrmann

Auch bei der Blasorchester-Time ließ es das aus gleich vier Talschaften (Reutte, Tannheimertal, Zwischentoren und Lechtal) gebildete Große Schülerblasorchester, unter der Leitung von Peter Besler, Attila Bubreg, Thomas Walcher und Lydia Huber, so richtig krachen – auch mit der Rock-Hymne vom „Final Countdown“.
Das hohe Niveau der musikalischen Ausbildung in Reutte wurde gleich mehrmals unter Beweis gestellt: Sakura („Kirschblüte“) Broll, die kleinste unter den Solisten, ließ mit einer für ihr Alter kaum glaublichen Meisterschaft am Klavier staunen. Das Ensemble Tricolore aus Sarah Bubreg (Querflöte), Viktoria Haas (Violine) und Maria Zangerl (Klavier) interpretierte zwei von Dmitri Schostakowitschs gewiss nicht einfachen „Five Pieces“ einfach grandios. Das Bubreg Time Quartett der Geschwister Sarah (Querflöte), Bence (Klarinette), Márton (Saxophon) und Levente (Fagott) Bubreg ließ die Finger so schnell über die Tasten ihrer Instrumente fliegen, dass man mit den Augen nicht nachkam.
Auch beim „Quartett à la carte” wunderte man sich nicht, dass die vier jungen Leute einen Preis nach dem anderen einsammeln: Márton und Bence Bubreg, Magnus Lempach (Violoncello) und Jonas Huber (Steirische Harmonika) brillierten unter anderem mit einem Stück, das der Pinswanger Martin Rainer (ein Wiener Symphoniker) eigens für die vier komponiert hatte.

Ein Meister an Violine und Viola: Jonas Alber. RS-Foto: Gerrmann

In jungen Jahren schon ein Meister an zwei Instrumenten (Violine und Viola): Das ist Jonas Alber, der mit seinem Einfühlungsvermögen in Instrument und Komposition auch an diesem Abend sein Publikum begeisterte. Und das galt auch für Jonas Huber, der spüren ließ, welch fantastischen Klänge die Steirische Harmonika hervorzubringen vermag.
In allen Sätteln gerecht war auch das Große Blechbläser Ensemble unter Georg Pranger und Martin Sillaber, das sowohl mit einem Choral als auch dem Queen-Hit „Bohemian Rhapsody“ bestens zurecht kam und verdientermaßen viel Applaus einheimste.
Den schwungvollen Schlusspunkt setzten dann die von Sead Trovac, Monika Staszak und Sybille Kofler-Gander bestens präparierten Rock- und Pop-Ensembles: Das viel beklatschte Solo bei „How hight the moon“ war da gewissermaßen Programm. Als das begeisternde Open Air zu Ende ging, stand der Mond schon hoch am Himmel.

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