Frauen! Wahl! Recht!

Sonja Kofelenz zitierte unter anderem aus einer aktuellen Rede von Christine Brugger, die Frauen zu mehr Mut aufruft. RS-Fotos: Winkler

Lesung und Ausstellungseröffnung zu 100 Jahren Frauenwahlrecht in der Bücherei Reutte

Anlässlich des 100-jährigen Geburtstags des Frauenwahlrechts wird derzeit eine Wanderausstellung in der Reuttener Bücherei gezeigt. Die Bücherei Reutte lud daher in Kooperation mit der Beratungsstelle BASIS am vergangenen Donnerstag zur Vernissage und Lesung mit Angelika Hörmann ein.

Von Magdalena Winkler

Das mit der Ausrufung der Republik „Deutsch-Österreich“ am 12. November 1918 in Kraft getretene Gesetz über die Staats- und Regierungsform definierte Österreich nicht nur als demokratische Republik, sondern schrieb auch das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer und Frauen fest. Anlässlich von 100 Jahren Frauenwahlrecht wurde im Rahmen einer Initiative der Länder Tirol und Vorarlberg zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern eine Wanderausstellung erarbeitet, die derzeit in der Bücherei Reutte gastiert.

Angelika Hörmann referierte zur Geschichte der politischen Teilhabe von Frauen.

Eröffnet wurde die Ausstellung am vergangenen Donnerstag mit einer Lesung, zu der Sonja Kofelenz, Leiterin der Bücherei Reutte, und Evelyn Mages, Leiterin der Beratungsstelle BASIS, die ehemalige Landtagsabgeordnete Angelika Hörman begrüßten. In einem aufschlussreichen Vortrag gab Hörmann einen Einblick in die bewegte Geschichte der politischen Beteiligung von Frauen. Hörmann zeichnete dabei die Höhenflüge und Rückschläge nach, welche die vielfältigen Bestrebungen um Emanzipation und Gleichstellung vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart durchliefen. Unterstützt wurde Angelika Hörmann bei ihren Ausführungen von Sonja Kofelenz und Andreas Schretter, die abwechselnd aus Textzeugnissen zu Schlüsselmomenten in der Historie der Frauenpolitik rezitierten.

Bewegte Geschichte.
Andreas Schretter las unter anderem aus einer Rede von Josefine von Sölder zum Thema „Lehrerinnenzölibat“.

Nachdem das im November 1918 beschlossene Frauenwahlrecht ein Jahr später bei der Wahl der konstituierenden Nationalversammlung erstmals zur Anwendung kam, zogen insgesamt acht Frauen ins österreichische Parlament ein. Auf die politischen und sozialen Errungenschaften der Frauenbewegungen in den 1920er Jahren folgte mit der Errichtung des Ständestaates in den 1930er Jahren, in dem die Rechte von Frauen wiederum eingeschränkt wurden, die Ernüchterung.
Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 dominierte dann das nationalsozialistische Ideal der „arischen“ Frau als Mutter den Diskurs. Auch wenn sich zahlreiche Frauen im Widerstand gegen die NS-Diktatur engagierten, hätten die Frauen während dieser Zeit „das Lautsein verlernt“, meint Hörmann. Daher formierten sich in den Nachkriegsjahren erst nach und nach wieder Interessensgemeinschaften, die sich um Verbesserungen in frauenpolitischen Belangen bemühten.
So konnte etwa 1976 die Durchsetzung der Familienrechtsreform erwirkt werden, welche die gleichen Rechte und Pflichten für Männer und Frauen in der Ehe sicherstellen sollte.
Als einen weiteren Meilenstein in der Geschichte der politischen Teilhabe von Frauen nennt Hörmann die Wahl der SPÖ-Politikerin Barbara Prammer zur Nationalratspräsidentin im Jahr 2006, die damit das höchste Amt, das eine Frau in Österreich bisher bekleidet hat, übernahm.

Mut.

In ihren Ausführungen widmete sich die aus Innsbruck stammende Angelika Hörmann besonderes den historischen Entwicklungen der Frauenpolitik in Tirol. Hörmann nahm dabei sowohl die „stillen“, als auch die „wilden und lauten“ Frauen in den Blick, die den Lauf der Frauengeschichte innerhalb des Bundeslandes maßgeblich prägten.
Angefangen mit Herzogin Margarete von Tirol (1318–1369), der großen Kunstförderin Claudia von Medici (1604–1648), bis hin zur Unternehmerin Therese Mölk (1872–1958), der Widerstandskämpferin Josefine Brunner (1909–1943) oder auch der Ärztin und Ordensfrau Anna Dengl (1892–1980) könne, davon ist auch Hörmann überzeugt, das Land Tirol in seiner Geschichte auf starke Frauen zurückblicken. Um aktuelle Problemlagen hinsichtlich der Gleichstellung von Frauen bewältigen zu können, gelte es sehr wohl, den Mut jener Frauen weiterzutragen, jedoch letztlich, „raus aus der Geschichte und rein in den Diskurs“ zu gehen, so Hörmann.
Gezeigt wird die Ausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht“ noch bis zum 29. November 2018 in der Bücherei in Reutte.

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