Frauenversteher

Liebe Freunde des ewigen Lernens!

Als Journalist bin ich es gewohnt, mich ständig Neuem zu stellen. Das hält irgendwie jung. Doch immer, wenn ich glaube, eh schon viel zu wissen, tun sich neue Fragen auf. Heute noch ein großes Rätsel ist für mich die Beziehung zwischen Mann und Frau. Jüngst gab es dafür ein delikates Beispiel. Ich saß im Wohnzimmer vor dem Fernseher und schaute mir die Nachrichten an. Plötzlich stürmte meine Frau aufgeregt von der Küche in die Stube und fragte mich: Wer schreit denn da so laut? Es war unsere neue SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner bei ihrer Parteitagsrede. Das sei bei derartigen Veranstaltungen so üblich, man nenne das Kampfrhetorik, versuchte ich meine Liebste zu beruhigen. Margit blieb verstört und fragte weiter: Und damit will sie Kanzlerin werden? Und dann ließ meine Angetraute noch eine seltsame Feststellung folgen: „Schau‘ dir ihren Hosenanzug an, die gebärdet sich doch wie ein Mann!“ Ich war seltsam berührt. Und ordnete meine Gedanken neu. Eigentlich hatte ich Pam, wie die neue Hoffnungsträgerin der Roten kurz genannt wird, positiv in meinem Hirn abgespeichert. Attraktiv, gebildet und entschlossen. Eine studierte Ärztin, die gewillt ist, der Politik mit gezielten Diagnosen gesunde Rezepte zu verabreichen. Aber jetzt? Wie eine Furie schreiend? Was ist da los? Dann las ich, dass beim selben Treffen Politiker wie Hans-Peter Doskozil, der künftige Landeshauptmann vom Burgenland, bei der Wahl ein mieses Ergebnis einfuhren. Er und weitere gestandene Männer wurden bei der geheimen Wahl regelrecht abgewatscht. Und das, obwohl sie bei Umfragen im Volk beste Sympathiewerte aufweisen. So wie der designierte Tiroler SPÖ-Chef Georg Dornauer, der nach einem deplatzierten Sager im Landtag beim Wiener Urnengang gänzlich von allen Wahlzetteln gestrichen wurde. Ich, der so gerne ein Frauenversteher wäre, bleibe ratlos. Niemand will bellende Hunde. Ich aber auch keine bissigen Stuten!Meinhard Eiter

E-Mail an den Verfasser? Ihre Meinung ist gefragt!