Fronten weiter verhärtet

Thomas Schranz geht nach dem Anwaltsbrief keinen Schritt mehr zurück: "Die Schafe und Ziegen werden nicht abgetrieben. Ich lasse es darauf ankommen." (Symbolbild) RS-Foto: Tiefenbacher

Tösens: Anwaltsbrief verärgert Schafbauern zusätzlich

Der Streit um den Auftrieb von Schafen und Ziegen auf Rieder und Tösner Almen wird vor dem Richter landen.

Vier Schaf- und Ziegenhalter und die Gemeindegutsagrargemeinschaft Tösens und Gemeinde Tösens sowie die Gemeindegutsagrargemeinschaft Ried und Gemeinde Ried liegen sich in den Haaren. Auslöser des Streits: Sowohl bei beiden Agrargemeinschaften als auch bei beiden Gemeinden besteht weitgehend Einigkeit, in den Alpgebieten „Schöner Boden – Gampen“ in Tösens wie auch „Schöner Boden – Gampen“ in Ried keine Schafe und Ziegen mehr alpen zu lassen, sondern nur mehr Rinder und Kälber, wobei auch um die Erlassung eines Almwirtschaftsplanes angesucht wurde. Wie berichtet, trieben vier Schaf- und Ziegenbauern ihre Tiere trotzdem auf. Sie berufen sich auf altes Recht. Die Agrargemeinschaften und Gemeinden forderten die besagten Schaf- und Ziegenbauern auf, ihre Tiere bis 3. Juli abzutreiben, ansonsten sehe man sich gezwungen, rechtliche Schritte einzuleiten. Diese reagierten auf die Aufforderung nicht.

RUTE INS FENSTER. Daraufhin stellte der Tösner Gemeinderat in seiner Juli-Sitzung den Schaf- und Ziegenbauern die Rute ins Fenster, und zwar auf folgende Art und Weise: Zunächst wird man sich mit den Schaf- und Ziegenbauern bei einem Runden Tisch zusammensitzen und dabei einen Vergleich anvisieren. Bleibt dieser Versuch ergebnislos, werde man mit einem Anwalt den Rechtsweg beschreiten. Thomas Schranz, einer der ambitioniertesten des Quartetts, versicherte, dass er bereit gewesen wäre, das „Kriegsbeil“ zu begraben. Mit dieser Erwartungshaltung habe er auch auf die Einladung zum Runden Tisch gewartet. Stattdessen sei ein Anwaltsschreiben ins Haus geflattert.

ANWALTSBRIEF. Darin werden die vier Schaf- und Ziegenbauern aufgefordert, „die Schafe und Ziegen sofort von den betreffenden Bereichen zu entfernen, anderenfalls meine Mandanten gegen Sie behördliche bzw. gerichtliche Schritte einleiten werden“, heißt es im Anwaltsschreiben. Den angekündigten Einlenkungswillen kann Thomas Schranz auch aus zwei weiteren Sätzen nicht herauslesen. Der Anwalt formulierte: „Da durch das Ihrerseits erfolgte widerrechtliche Auftreiben von Schafen und/oder Ziegen die Weideäsung der Rinder und Kälber gemindert und beeinträchtigt wurde, wird zudem vorbehalten, gegen Sie schadenersatzrechtlich vorzugehen. Zugleich wird hiermit seitens meiner Mandanten gegen Sie dem Grunde nach der Geldersatz für die von Ihren Tieren verbrauchte Nahrung, also die den konsensgemäß gealpten Rindern fehlende Äsung, ausdrücklich geltend gemacht“. Das Gemüt von Thomas Schranz brachte zusätzlich die dem Anwaltsbrief beiliegende Rechnung in Wallung. Der Anwalt stellt dem Quartett Kosten für Grundbuchabfragen, interne Erörterungen sowie die Erstellung des Schreibens in Rechnung – macht in Summe 956,82 Euro aus.

VERÄRGERT. „Bezahlen sollen den Anwalt jene, die ihn beauftragt haben. Wir Schaf- und Ziegenbauern waren es jedenfalls nicht, darum bezahlen wir auch nicht“, ärgert sich Thomas Schranz. Er wäre bereit gewesen, dem Frieden zuliebe Kompromisse einzugehen, wenn es die Zusicherung gegeben hätte, ab 2017 auch Schafe und Ziegen auftreiben zu können. „Aber nach diesem Anwaltsbrief gehe ich keinen Schritt mehr zurück. Die Schafe und Ziegen werden nicht abgetrieben. Ich lasse es darauf ankommen. Es sind immer Ziegen und Schafe aufgetrieben worden. Die Urkunden sind vorhanden“, betonte Schranz nachdrücklich und fügte hinzu, er werde den Volksanwalt einschalten und denke ans Aufhören. „Aber ich höre so auf, dass eine breite Öffentlichkeit davon und darüber erfährt.“

HOFFNUNG AUF VERNUNFT. Der Rieder Bürgermeister Elmar Handle gibt trotzdem die Hoffnung auf Vernunft nicht auf. Das Schreiben des Anwaltes soll den Schaf- und Ziegenbauern klar machen, dass der Hut brennt und dass sie mit rechtlichen Schritten zu rechnen haben, wenn sie nicht reagieren würden. Handle nannte einige Gründe, warum die Schaf- und Ziegenbauern einsichtig sein sollen: „Es muss korrekterweise eine ordnungsgemäße Anmeldung der Stückzahl der Tiere erfolgen. Weiters müssen die Auftriebszeiten mit den Almen abgestimmt werden. Zudem muss die Abwicklung der Beweidung einen offiziellen Charakter haben. Diese muss nachvollziehbar und mit den Grundeigentümern abgesprochen sein. Es geht nicht, dass vier Schaf- und Ziegenbauern hier gemeindeübergreifend die Sache spielen, wie sie es brauchen.“ Handles Amtskollege in Tösens, Bernhard Achenrainer, war für die RUNDSCHAU für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Von Herbert Tiefenbacher

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