Fulminantes 69. Außerferner Bundesmusikfest in Lechaschau

Ramona Rief der MK Nesselwängle ist eine der nur fünf Kapellmeisterinnen, die sich beim Festumzug gegen die männliche Konkurrenz behaupteten.RS-Fotos: Zeller

Ein dreitägiges Fest der großen Zahlen und Töne

Das Wort Musikfest steht im Bezirk Reutte für ein Wochenende im Zeichen der Tradition, Geselligkeit sowie der Land- und Volksmusik. Zum tirolweit größten Musikfest seiner Art pilgerten heuer rund 6000 Gäste nach Lechaschau, dessen Harmoniemusik bereits Wochen im Voraus die Frage stellte: „Musigfescht in dr Ascha – kummsch o?“

Von Jenni Zeller

Der erste urkundliche Nachweis der Gemeinde Lechaschau liegt 800 Jahre, das letzte Musikfest in Lechaschau 32 Jahre zurück. Passend dazu eröffnete der Lechaschauer Bürgermeister Hansjörg Fuchs das Bundesmusikfest mit einem Festakt zum Jubiläum der „provincia aschowe“, die 1218 erstmals in Dokumenten des Stauferkönigs Friedrich II. belegt ist. Im Anschluss an die Festeröffnung am Freitag und im Laufe der nächsten Tage hüllten zehn verschiedene Konzerte „d‘Ascha“ in eine Klangwolke, die eine vielfältige Kombination aus Schlager, Blasmusik, DJ-Beats und Pop-Musik beinhaltete. In Ergänzung dazu sorgten über 600 Helfer für den reibungslosen Verlauf des Musikfests durch Verköstigung, Verkehrsregelung und mehr. In dem 3000 Personen fassenden Festzelt wurden dazu unter anderem 5000 Liter Bier, 1200 Grillhendl und 3600 Stück Kuchen geboten. Musikalischer und traditioneller Höhepunkt war wie immer der Sonntag: 39 Tiroler und Allgäuer Blasmusikkapellen mit rund 1700 Musikanten nahmen am feierlichen Festumzug mit Marschmusikbewertung teil. In der Kategorie B marschierten fünf Kapellen, in der Kategorie C 19 und in der schwierigen Kategorie D stellten 15 Musikkapellen ihr Können unter Beweis. Während bei den Kategorien B und C je das Halten mit klingendem Spiel und akustischem Aviso und das Abfallen sowie Aufmarschieren zwischen 5er- und 3er-Reihen die Hauptschwierigkeiten darstellen, verlangte die große Wende in der Kategorie D allen Marschierenden höchste Konzentration ab. Siegreich hervor ging in der Kategorie B die MK Häselgehr mit 91,59 Punkten, in der Kategorie C die MK Elbigenalp mit 93,06 Punkten und in der diesjährigen Königskategorie D die MK Grän mit 93,11 Punkten.

DIE AUSSERFERNER MUSIKGESCHICHTE IN RETROSPEKTIVE.

Als der Reuttener Kapellmeister Phillip Singer im Jahr 1929 den Außerferner Musikbund gründete, trieb ihn der Wunsch an, heimatliche Tradition, die Liebe zur Musik, Kameradschaft und Musikantenehrgeiz zu erhalten und zu fördern. In diesem Sinne veranstaltete die Bürgermusikkapelle Reutte 1930 das erste Außerferner Bundesmusikfest. Durch den Anschluss Österreichs im Jahr 1938 und die Auflösung aller Außerferner Kapellen dauerte es jedoch ein Jahrzehnt, bis der Musikbund seine Tätigkeit 1948 wieder aufnehmen konnte. Dabei veranstaltete die MK Lechaschau 1933 und 1936 als eine der ersten Kapellen überhaupt das Musikfest. Nach gelungenem „Musigfescht in dr Ascha“ im Jahr 2018 wird nun im nächsten Jahr das Musikfest „wieder amol z’Weißabach“ abgehalten, wo es bereits acht Mal stattgefunden hat. Dort wird das große 70. Jubiläum des Außerferner Bundesmusikfests im Sinne der Leidenschaft zu Musik, Geselligkeit und Brauchtum und gemäß Singers altem Wunsch begangen.

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