Gamsblindheit breitet sich rasant aus

Eine an der Gamsblindheit erkrankte Gams: Die von der Infektion befallenen Tiere müssen höllische Qualen durchstehen. Foto: René Gadient

Infektion kann ganze Populationen befallen – Auch in den Revieren im Sellraintal gibt es das Problem

Aufregung in der Tiroler Jägerschaft. Aktuell verzeichnet man nämlich vermehrt Fälle von Gamsblindheit. Die höchst infektiöse Krankheit kann innerhalb von kürzester Zeit eine ganze Population befallen und Sterberaten von bis zu 40 Prozent verursachen. „Die beste Medizin ist absolute Ruhe“, erklärt Landesjägermeister Anton Larcher. 

Die Gamsblindheit oder auch Infektiöse Keratokonjunktivitis (IKK)  genannt, ist eine höchst ansteckende Augenkrankheit von der Gämsen und Steinböcke, mitunter aber auch Schafe und Ziegen befallen werden.  Die Inkubationszeit ist mit wenigen Tagen sehr kurz. Möglicherweise spielen Fliegen als Überträger eine Rolle bei der Ausbreitung der Krankheit. Bei den betroffenen Tieren wird eine Entzündung und Läsion der Bindehäute und der Hornhaut (Keratokonjunktivitis) mit Augenausfluss beobachtet. Es kommt in Folge zur Trübung der Hornhaut, die zu einer Erblindung führt, die jedoch reversibel sein kann. Es kann auch zu Löchern in der Hornhaut kommen. Durch den Verlust der Sehkraft kommt es häufig zu Stürzen und Todesfällen unter den infizierten Wildtieren, etwa 30 Prozent der infizierten Tiere verenden (Quelle: Wikipedia). Laut Tiroler Jägerverband wurden heuer im Herbst von Tirols Jägern zahlreiche Fälle von Gamsblindheit-Erkrankungen bei Gamswild und teilweise auch bei Steinwild gemeldet. Die für den Menschen ungefährliche Krankheit kann sich selbst bei geringen Bestandsdichten sehr rasch weit verbreiten und hohe Ausfälle in den heimischen Beständen von Gams- und Steinwild hervorrufen.

RÜCKSICHTNAHME ERWÜNSCHT. „Oft stürzen die erkrankten Tiere über Felswände ab oder sind geschwächt, da sie keine Nahrung finden. Absolute Rücksichtnahme und Vermeidung von Störungen sind die einzige Medizin, welche wir den Wildtieren bieten können“, betont Landesjägermeister Anton Larcher. Man soll sich daher erkrankten Tieren auf keinen Fall nähern, denn für befallene Tiere gibt es dank ihrer natürlichen Abwehrkräfte, je nach Verlauf der Krankheit, relativ gute Überlebenschancen. Voraussetzung dafür sind ruhige Rückzugsorte, an denen die Gämsen verweilen können bis die Krankheit im besten Fall vollständig ausheilt. Fühlt sich die Gams bedroht, flieht sie naturgemäß ins steile Gelände, wo sie durch die verminderte Sehfähigkeit einem hohen Verletzungsrisiko ausgesetzt ist. „Die Jägerschaft ist gemeinsam mit den Behörden für die Überwachung von Wildtierkrankheiten in Tirol zuständig. Ein Hegeabschuss ist erst bei verletzten oder dauerhaft, vollständig erblindeten Tieren sinnvoll und vor allem aus Tierschutzgründen notwendig“, so der Tiroler Landesjägermeister Anton Larcher. Bezirksjägermeister Thomas Messner erklärt gegenüber der RUNDSCHAU, dass  die Gamsblindheit in den Revieren im Bezirk Innsbruck-Land vor allem im Sellraintal, Wipptal und Stubaital ein Problem sei. Auch er appelliert, den erkrankten Tieren Ruhezonen zu ermöglichen.