„Ganz viel Herzblut drin“

Sie freuen sich schon auf die Premiere von „Proberaum“ in der Kellerei Reutte: Mimi Schmid, Diana Dobler, Sebastian Schweiger, Andy Steiner, Alexander Wagner und Hannah Scheidle (v.l.). RS-Foto: Gerrmann

Am Freitag feiert der „Proberaum“ in der Reuttener Kellerei Premiere

Der Weg zum Erwachsenwerden ist kein Kinderspiel. Sondern anstrengender – als sich das wohl die meisten vorstellen – bevor es losgeht. Aber dennoch hat man in der Regel im Nachhinein schöne Erinnerungen daran: Das ist der Dreh- und Angelpunkt des neuen Musicals von Johannes Leismüller (Text) sowie Sebastian Schweiger und Andy Steiner (Musik), das am Freitag, 26. Oktober, in der Kellerei in Reutte Premiere feiert: Um 20 Uhr hebt sich der Vorhang für den „Proberaum“.

Von Jürgen Gerrmann

Für die Akteure auf und hinter der Bühne bedeutet das ein höchst ambitioniertes Programm: Zwar standen Handlung und Text schon im Sommer des vergangenen Jahres, auch die Musik hatte eine längere Vorlaufzeit, doch für die Bühnenproben blieben gerade einmal zwei Wochen: „Das war schon ein knackiger Plan, voll intensiv“, sagt Leismüller. Die Besetzung ist ähnlich wie beim „Kleinen Horrorladen“, den man 2017 auf die Bretter, die die Welt bedeuten, brachte; mit Peter Wallgram und Gaby Schwarzkopf sind Regisseur und Produktionsassistentin dieselben geblieben. Und natürlich hätte man wohl nichts dagegen, wenn auch der grandiose Erfolg dieser Erstproduktion konstant bliebe.

Komplett selbst geschrieben.

Damals wurde schon der Ruf nach einem „da capo“ laut, aber einfach einen Neuaufguss wollte die Truppe dann doch nicht machen: „Wir wollten uns auch des Vergleichs entziehen. So etwas wie der ,Horrorladen’ ist einfach schwer zu toppen“, räumt Leismüller ein. Deshalb habe man etwas ganz anderes machen wollen: „Ein eigenes Stück, komplett selbstgeschrieben.“ Wobei eine Frage stets im Hintergrund mitgeschwungen habe: „Was kann man auf einer kleinen Bühne mit beschränkten Mitteln umsetzen? Das ist gar nicht so viel.“ Aber man schaffte es doch: Heraus kam eine Geschichte um „sechs junge Leute, die im Teenageralter eine Band gründen.“ (So der Autor). Einziger Schauplatz ist der Proberaum, die Handlung erstrecke sich vielmehr über „gefühlt zehn Jahre“. Zentrales Sujet: „Der Weg zum Erwachsenwerden mit seinen Erwartungen und Enttäuschungen“. Aber in allen Phasen könne man sich an der Musik festhalten. Der Proberaum sei da so etwas wie eine Leinwand, eine Projektionsfläche für alle (zuweilen geplatzten) Träume und Konflikte. Freilich gebe es auch Lustiges: etwa, wenn man die ganzen Klischees vom Rock’ n’ Roll und die Fantasien um den Ruhm als Musiker („was sich nicht bei jedem ausgeht“) abarbeite.

Von Wuppertal nach Reutte.

Die Musik dazu komme nicht aus der Konserve. Was bedeute: „Die Instrumente müssen live gespielt werden. Daher haben wir eher Musiker, die schauspielern, als Schauspieler, die Musik machen können, gesucht.“
Die konnten in den vergangenen zwei Wochen intensiv mit einem Profi trainieren: Der Breitenwanger Peter Wallgram arbeitet an den Wuppertaler Bühnen und zeichnet in der aktuellen Spielzeit unter anderem für die Dramaturgie beim „Räuber Hotzenplotz“ sowie dem Märchen „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, aber auch für Tennesse Williams’ „Glasmenagerie“ verantwortlich. Von seinem alten Kumpel Leismüller ließ er sich gern für einen erneuten Abstecher in die Heimat begeistern. Der hatte ihm nämlich schon 2007 bei seinem „Watzmann“ in Schwaz mit Bühnenbild und musikalischer Leitung geholfen. Also folgte er dessen Ruf (wie schon beim „Horrorladen“ vor eineinhalb Jahren) sehr gerne: „Für mich ist das eine ganz erfrischende Auszeit. Am Profitheater macht man halt manchmal seinen Job. Hier bei den jungen Leuten ist ganz viel Herzblut drin. Das spürt man ganz genau.“ Die Handlung des Stücks, das „für mich viel mehr Musiktheater als Musical ist, weil es zum Beispiel keine Tanznummern gibt und die Realitätsebene eindeutig im Vordergrund steht“, sei zwar fiktiv: „Aber jeder erzählt auch viel von sich selbst.“

Die großen Themen bleiben.

Ist es nicht schwierig, ein Stück über eine Lebensphase zu inszenieren, die man selbst schon lange hinter sich gelassen hat und in der auch die Rahmenbedingungen völlig andere sind? Nein, sagt der 40-Jährige. „Die großen Themen sind doch die gleichen: Vater-Sohn-Konflikt, wer spannt wem die Freundin aus, die Eltern stellen sich etwas ganz anderes vor und plötzlich wird man Papa.“
Auch Leismüller meint: „Die Geschichten sind doch immer die gleichen. Nur die Settings ändern sich. Das sind Dramen, die sich universell ereignen.“

Info.

Nach der Premiere wird das Stück noch sechs Mal gespielt: am 27., 28. und 31. Oktober sowie am 2., 4. und 8. November (jeweils um 20 Uhr). Der Vorverkauf läuft bei der HypoBank in Reutte.

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