Geben für Leben

Herlinde und Susanne Marosch (v.l.) freuten sich über 605 Außerferner, die zur Typisierungsaktion des Vereins „Geben für Leben” ins Rote Kreuz Reutte gekommen waren. RS-Foto: Schretter

605 Personen folgten dem Aufruf und kamen zur Typisierung

Der Verein Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich – wurde von Herlinde Marosch in  Vorarlberg gegründet, als ihre leukämiekranke Nichte dringend eine  Knochenmarkspende benötigte. Heute agiert der Verein  österreichweit.

Anlassfall für die Aktion in Reutte war das Schicksal des kleinen Max (die RUNDSCHAU berichtete), der dringend auf eine Stammzellenspende wartet. Schicksale berühren, und so wurde beim Roten Kreuz in Reut-te alles organisiert und zur Spende aufgerufen. Am Sonntag, dem 10. September, waren viele freiwillige Helfer gekommen, um aufzuklären, Daten aufzunehmen und Blut abzunehmen. Herlinde Marosch war mit ihrer Tochter, Vereinsobfrau Susanne Marosch und einem vierköpfigen Team ebenfalls nach Reutte gekommen, um vor Ort zu unterstützen.

Wie wird gespendet. Alle Spendenwilligen füllten einen Gesundheitsbogen aus und wurden über das Prozedere aufgeklärt. Mit einer Einverständniserklärung stimmt man der Aufnahme in eine weltweite Datenbank zu und erhält einen Spenderausweis. Sämtliche Daten wurden dann von vielen fleißigen Fingern in Laptops getippt. Für die Analyse muss lediglich eine kleine Blutprobe abgegeben werden, die in ein Labor nach München transportiert wird. Dort werden sechs HLA-Merkmale von der DNA bestimmt, die anonym in eine weltweite Datenbank eingepflegt werden. Jeder potentielle, passende Spender wird verständigt, erhält einen kompletten Gesundheitscheck und wird für drei Monate für die eine spezielle Person  – den genetischen Zwilling – reserviert. Die Spende findet in einer Klinik in Gauting bei München statt, von dort werden die Stammzellen direkt zum Patienten transportiert. Gauting ist Partner des Vereins und sehr erfahren im Bereich Stammzellen- und Knochenmarkspenden.

Was wird gespendet. 80% aller Spenden sind Stammzellenspenden. Der Spender bekommt über vier Tage ein Medikament gespritzt, das die Stammzellen vermehrt und ins Blut übergehen lässt. Am fünften Tag unterzieht man sich in der Klinik einer Art Blutwäsche, so werden die Stammzellen gewonnen.
Eine Knochenmarkspende wird meist bei Babys und Kleinkindern oder in besonders akuten Fällen benötigt. Hierbei wird dem Spender unter Vollnarkose aus dem Beckenknochen etwas Knochenmark entnommen. Diese Spende passiert so gut wie schmerzfrei, eventuell bleibt ein kleiner  blauer Fleck, der rasch wieder verschwindet.
In keinem Fall ergeben sich für den Spender Kosten.  Da jede Typisierung 50 Euro kos-tet, ist der Verein auf Spenden angewiesen. Mit der großzügigen Unterstützung durch die Bevölkerung konnten bis jetzt 35 000 Typisierungen durchgeführt werden.

Spender und Empfänger. Die ersten beiden Jahre nach einer Spende erfährt der Spender lediglich, wohin seine Spende gegangen ist und ob der Empfänger ein Erwachsener oder ein Kind war. Der Empfänger kann, wenn er das möchte, während dieser zwei Jahre seinem Spender anonyme Briefe schreiben. Nach zwei Jahren ist ein Kennenlernen der beiden möglich, allerdings nicht in allen Ländern. Frau Marosch dazu: „Das sind ganz berührende Momente. Man muss nur denken, dass der Empfänger ja jetzt die Blutgruppe des Spenders trägt. Die Verbindung zwischen beiden ist sehr besonders.“ Die Bereitschaft, Leben zu geben zeigten in Reutte 605 vorwiegend junge Leute. „Das ist ein phänomenales Ergebnis! Wir freuen uns sehr. Vielleicht haben wir ja in Reutte den Lottotreffer gemacht und den passenden Spender für Max gefunden“, konnte Susanne Marosch das erfreuliche Ergebnis bekanntgeben. Jeder der 605 wünscht sich, vielleicht einmal für eine ganz spezielle Person – hoffentlich auch für den kleinen Max – zum Lebensretter werden zu können.