Gebete zwischen Himmel und Erde

Am Fuß von Roter Flüh und Gimpel versammelten sich Glaubensgemeinschaft und Bergretter am Gedenkkreuz auf der Nesselwängler „Emni“. RS-Fotos: Zeller

Andächtige Bergmesse der Nesselwängler Bergrettung

In der Religion nehmen Berge eine symbolträchtige Rolle als Verbindung zwischen Himmel und Erde ein, an der man in Gottes Nähe treten kann. Als Orte der Schönheit und Gefahr zugleich sind sie Monumente des Innehaltens und Gedenkens. So begeht die Bergrettung Nesselwängle jährlich am ersten Oktobersonntag eine Gedenkmesse zwischen Gipfeln.

Von Jenni Zeller

Allein im christlichen Glauben sind Berge der Mittelpunkt vieler Erzählungen über mystische Naturereignisse oder Begegnungen mit den Engeln und Gott. Im Alten Testament etwa erscheint Gott Mose im brennenden Dornbusch auf dem Berg Horeb und überreicht ihm später auf dem Berg Sinai die zehn Gebote. Und im Neuen Testament zieht Jesus vom Ölberg aus nach Jerusalem; und fährt nach seiner Auferstehung auch von dort in den Himmel auf. Nicht zuletzt die heute geläufige Redewendung: „Der Glaube kann Berge versetzen“ geht auf die Bibel – genauer auf das Evangelium des Matthäus – zurück, wo Jesus zum großen Glauben verkündet: „Wenn ihr zu diesem Berg sagt ‚Heb dich empor und stürz dich ins Meer!‘ – wird es geschehen.“ .

Geschaffen von Gott – erklommen von Menschen.
Mitglieder der MK Nesselwängle, Bgm. Klaus Hornstein und Bergretter Werner Singer hielten die Gedenkmesse ab. Im Hintergrund der Hochwiesler.

Eingebettet zwischen den imposanten Felswänden von Hochwiesler, Rote Flüh und Gimpel steht das prachtvolle Gedenkkreuz auf der Nesselwängler „Emni“. Dort hält die Bergrettung jedes Jahr ihre Messe im Gedenken an Verunglückte und zu Ehren der Retter ab. Bei frischen Herbsttemperaturen und unter mystischem Hochnebel fanden sich Gläubige und Bergliebhaber ein, um den andächtigen Worten von Werner Singer und Klaus Hornstein sowie den edlen Blasinstrumenten der „Gimpel Combo“ zu lauschen. Beim Wortgottesdienst erinnerte die Bergrettung an Wertschätzung, aber auch an Vorsicht in den Bergen. Zwar habe Gott die Welt und die Berge geschaffen, doch sei der Mensch es, der durch die eigenen Entscheidungen oder gar Fehltritte oft auf sich allein gestellt ist. Eine Erkenntnis, die nicht nur dann gilt, wenn man an der Felswand im Seil hängt und keinen Ausweg mehr findet. So sind es Glaube, Kameradschaft und Besonnenheit, mit denen Berge im wörtlichen und übertragenen Sinne bezwungen werden können.

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.