Gegenseitiges Verständnis wäre angebracht

Mit solch einer Menschenmenge hat keiner gerechnet. Nach drei Anläufen fand sie im Mehrzwecksaal Platz

Info-Veranstaltung zum Thema Flüchtlinge in Tarrenz

Aufklärungsarbeit in Sachen Flüchtlinge leistete die Tiroler Soziale Dienste GmbH, die Gemeinde und die Polizei im Tarrenzer Mehrzwecksaal. Der Veranstaltung „Z“åmm kemme“ vorausgegangen war eine entbehrliche Plakataktion „Asylmissbrauch ist kein Menschenrecht“ gegenüber elf Asylwerbern, die sich derzeit und vorübergehend in einer Privatunterkunft in Tarrenz aufhalten.

Ursprünglich im Sitzungssaal im Gemeindeamt anberaumt, musste die Veranstaltung kurzerhand in den Seminarraum der Bibliothek im Mehrzweckgebäude und schlussend-lich doch in den dortigen großen Saal verlegt werden. Aus den rund 60 erwarteten Bürgerinnen und Bürgern wurden rund 260 – und die kamen nicht nur aus Tarrenz.
Zunächst informierte Helmut Schöpf von den TSD über den Sachverhalt betreffend der Flüchtlingssituation im allgemeinen: Demnach erhalten AsylwerberInnen in Tirol als monatliche Grundversorgung eine Krankenversicherung, einen Platz in einem Flüchtlingsheim oder Mietzuschuss von 120 Euro für Einzelpersonen oder 240 pro Familie; weiters drei Mahlzeiten am Tag oder Essensgeld in der Höhe von max. 200 Euro für Erwachsene und 90 Euro für Minderjährige, 40 Euro Taschengeld pro Person im Heim, 12,50 Euro Bekleidungsgeld und 16,70 Euro Schulgeld für Schülerinnen und Schüler. Diese Auflistung war zugleich die Antwort auf eine der meistgestellten Fragen, wie es sich mit den Kosten verhält, für die der österreichische Staat aufzukommen hat – nachdem er laut EU-Aufnahmerichtlinien verpflichtet ist, AsylwerberInnen während des Asylverfahrens angemessene Unterkunft und Betreuung bereitzustellen. Das alles scheint für die Bevölkerung noch akzeptabel, in Teilen davon aber nicht der Besitz teuerer Handys. Dazu wartete eine Mitarbeiterin der Caritas statt mit einer einfachen Aufklärung gleich mit der Drohung auf, die Hilfsorganisation werde mit Verleumdungsklagen gegen jene vorgehen, die behaupten, die teuren Handys der Flüchtlinge würden von ihr bezahlt.
Von all dem betroffen sind laut „asylkoordination österreich“ AsylwerberInnen im Asylverfahren, Asylberechtigte während der ersten vier Monate nach Asylgewährung, nicht abschiebbare, abgelehnete Asylwerber und andere nicht abschiebbare Fremde.
Während des Verfahrens dürfen AsylwerberInnen grundsätzlich keiner beruflichen Tätigkeit nachkommen, lediglich Saisonbeschäftigung, Erntearbeit oder mit drei bis fünf Euro pro Stunde abgegoltene, gemeinnützige Arbeit sind erlaubt. Letzteres eröffnet die Möglichkeit, Kontakte mit der Bevölkerung zu knüpfen, was die Integration erleichtern soll. Schöpf beruhigte aber, indem er vorgab, dass es nicht für immer so bliebe und nannte als Vergleich den von 1992 bis 1995 herrschenden Bosnienkrieg, nach dessen Ende angeblich 80 Prozent der damals von dort Geflohenen wieder in ihre Heimat zurückgekehrt seien.
Auf die brisante Frage, wie es sich mit der Kriminalität generell verhält, speziell aber – angesichts der derzeit in Tarrenz untergebrachten elf männlichen Flüchtlinge aus den Kriegsgebieten in Afghanistan und dem Iran – mit Übergriffen auf Frauen, beschwichtigte Polizei-Bezirkskommandant Obstlt. Hubert Juen, dass diesbezüglich bislang noch nichts vorgefallen sei, es in der Kriminalstatistik keine nennenswerten Schwankung gibt, es seit Jänner lediglich 13 Einsätze in den bezirksweiten Unterkünften gegeben hat, bei denen Körperverletzungen ursächlich waren.
Sorge bereitet einigen heimischen BürgerInnen, ob noch weitere Flüchtlinge nach Tarrenz kommen sollen. Dazu hielt Bürgermeister Rudolf Köll fest, dass seitens der Gemeinde keine entsprechenden Unterkünfte zur Verfügung stehen, betonte aber, dass es allerdings auf privater Basis möglich wäre. Laut Helmut Schöpf und Georg Mackner von der Tiroler Soziale Dienste GmbH fehlen auf Landesebene noch 1000 Unterbringungsplätze. „Dafür gäbe es am Land die besten Möglichkeiten, da dort leichter zu händeln ist als in der Großstadt“, wie sich Schöpf ausdrückte, „das aber nur, ohne die Bevölkerung außen vor zu lassen“. Bilanz des Zusammentreffens: Teilweise Verständnis für die Ängste und Sorgen beider Seiten und dass Gewalt und unangebrachte Äußerungen und Aktionen künftig unterlassen werden sollten, stattdessen das Gespräch zu suchen die bessere Lösung ist.

Von Ewald Krismer

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