Gesamtjahresplus trotz Einbrüchen in Arzl

TVB-Pitztal-Obmann, Rainer Schultes, freut sich über den prozentmäßig stärksten Ankünfte-Zuwachs im Tirol-Vergleich der Tourismusverbände im heurigen Sommer. RS-Fotos: Parth

TVB Pitztal mit zweitstärkstem Sommer seit 2007

Der TVB-Obmann im Pitztal, Rainer Schultes, war hin- und hergerissen. Er hatte während der abgelaufenen Saison auch ein wahres Wechselbad der Gefühle zu durchleben. Während der Winter mit einem Zähneknirschen und mit minus 2,2 Prozent zur Kenntnis genommen wurde, wurde die Jahresbilanz der Nächtigungen durch den Sommer mit Plus 6,85 Prozent auf ein zartes Gesamt-Plus von 1,2 Prozent herausgerissen.

„Das war der zweitstärkste Sommer nach 2007“, konnte sich TVB-Obmann Rainer Schultes zu einem Lächeln durchringen. Unterm Strich lag die Jahresbilanz im Pitztal bei 1028051 Nächtigungen. Besonders brutal zugeschlagen hat der Bettenschwund in Arzl, wo die Nächtigungen um fast 20 Prozent eingebrochen sind, während sie im restlichen Tal leicht ansteigen konnten. Für die Ankünfte in St. Leonhard, Jerzens und Wenns war es das „stärkste Jahr“, so Schultes in seinem Rechenschaftsbericht: „Hier lag das Pitztal prozentmäßig sogar an erster Stelle.“ Einen Seitenhieb Richtung „Chalet-Dorf-Wenns“ konnte sich der TVB-Obmann allerdings nicht verkneifen, so solle man froh sein, wenn es sich jemand antue, in den Tourismus zu investieren. Verständlich wird der Kummer, wenn man die Bettenentwicklung der letzten Jahre betrachtet. Im 15-Jahresvergleich brachen die Betten in Arzl um 33 Prozent und in Wenns/Piller um 25 Prozent ein. Das Budget könne sich zwar wieder sehen lassen und man freue sich im Pitztal über 3,1 Millionen an Einnahmen. „Wenn man ins Ötztal schaut, wird dort mit 21 Millionen abgeschlossen“, hält Obm. Schultes trotz dieser positiven Nachricht den Ball flach und sieht Potenzial nach oben.

Regionsgedanke gestärkt. TVB-Geschäftsführer Gerhard Gstettner dankte allen MitarbeiterInnen des TVB-Teams sowie den vollzählig erschienenen Tal-Bürgermeistern für ihre Unterstützung und ihren Einsatz. So hätten sich die gemeinsamen Marketing-Anstrengungen in Kooperation mit den beiden Bergbahnen durchaus bezahlt gemacht. Mittels „starker Events“ und deren medialer Begleitung könne der Name, die Marke „Pitztal“ weit über die Landesgrenzen hinaus getragen werden. „67000 User haben die Facebook-Site mit dem Frühlingsfoto vom Pitztal geteilt“, zeigt Gstettner nur eines von vielen Beispielen für gelungenes Online-Marketing auf. Der Gletschermarathon, das Schneefest, das Trail-Running-Event oder der Behinderten-Skisport und künftig im Sommer das Steinbock-Zentrum oder Boulder-Probleme für Kletterfans würden die gesamte Region pushen. Auch der „120-Millionen-Turbo“ eines möglichen Zusammenschlusses der beiden Gletscherskigebiete Ötztal-Pitztal und das vom Land Tirol in Aussicht gestellte Regionalentwicklungsprogramm von rund 10 Millionen Euro in zehn Jahren, würde dem Pitztal-Gedanken zuträglich sein, wie auch Obm. Rainer Schultes bekennt.

 

Zukunftsvisionen. „Input von außen“ lieferte Andreas Reiter, seines Zeichens Zukunftsforscher, gebürtiger Tiroler und erfolgreicher Abgänger eines Skilagers im Pitztal, in welchem er das Skifahren erlernen durfte, wie er bei seinen Einführungsworten stolz bekannte. Reiter warf die Frage nach dem „Urlaubsglück“ in den Raum: „Wenn Urlaub gleich mit einem Paradies auf Zeit ist: Was macht uns in dieser kurzen Zeit überhaupt glücklich?“ Der durchschnittliche Österreich-Urlauber sei ein „best-ager“ und rund 52 Jahre alt, wobei jeder Fünfte schon heute einen Migrationshintergrund aufweise. „Man jagt nach vielen Emotionen in sehr kurzer Zeit, um diese Erlebnisse, diese Geschichten erzählen zu können. Und das selbstverständlich via gratis W-Lan und sofort“, gibt Reiter preis und setzt provokant nach: „67 Prozent der Digital Natives gehen mit ihrem Handy ins Bett. Der Liebhaber geht, das Handy bleibt!“ Derart humorvoll informiert und inspiriert ging dann auch der Abend im Mehrzwecksaal in Arzl bei Nüssen und einer Jause zu Ende.

TVB-GF Gerhard Gstettner hat für 2017 noch einen Relaunch der Pitztal-Homepage in petto.