Geteiltes Lechtal um 1800

Christof Kammerlander, Celina Perl und Elias Walch (v.l.) sind die drei musikalischen Musketiere des Geierwally-Stücks „Lechufer Anno 1800“. RS-Foto: Zeller

Eröffnung der Wunderkammer-Sonderausstellung „Franzosen im Lechtal“

Es ist eine kaum bekannte historische Tatsache, dass das Lechtal vor rund 200 Jahren von den Franzosen besetzt und durch den Lech zweigeteilt wurde. Dieses Geschichtsjuwel diente der Elbigenalper Wunderkammer und der Geierwally Freilichtbühne als Anstoß, gemeinsam ein facettenreiches Großprojekt ins Leben zu rufen: eine Sonderausstellung zur knapp einjährigen Besatzungszeit und ein Theaterstück, das vor dieser historischen Kulisse die musikalische Liebesgeschichte eines gespaltenen Dorfs erzählt.

Von Jenni Zeller

Das Wunderkammer-Team erläutert die Bildtafeln Anton Falgers, die vom Lechtal um 1800 berichten. RS-Foto: Zeller

Im Sommer des Jahres 1800 zogen französische Bataillone Napoleons ins Lechtal, wo nach kurzer kriegerischer Auseinandersetzung ein Waffenstillstand geschlossen wurde. Daraufhin wurden Vorarlberg, Reutte und das halbe Lechtal an die Franzosen abgetreten und der Lech als natürliche Grenze von Reutte bis zur Quelle genutzt. Alle Lechbrücken wurden doppelt bewacht – auf der linken Uferseite von den Franzosen, auf der rechten von den Habsburgern. Mit Ende des 2. Napoleonischen Krieges im Frühling 1801 wurden die französischen Truppen abgezogen und die Tiroler Besitzungen wieder Österreich zugesprochen. Allgemein verlief die rund neunmonatige Besatzungszeit friedlich und brachte kulturelle und infrastrukturelle Umwälzungen mit sich. Die einzelnen Gemeindestraßen wurden zu einer Lechtaler „Konkurrenzstraße“ – Gemeinschaftsstraße – verbunden. Aufklärerisches Gedankengut der Französischen Revolution, wie etwa Atheismus oder humanistische Künste, hinterließen nachhaltige Eindrücke. Künstler Anton Falger, der „Vater des Lechtals“, dokumentierte: „Die Franzosen waren gut und man hat sie ganz gerngehabt. Ehe sie kamen, sahen die Thalbewohner häufig Pütze (Geister), aber mit Ankunft derselben vergaß man darauf und der Aberglaube nahm ab.“

BRÜCKENSCHLAG ZWISCHEN WUNDERSAMEM UND THEATER.

Die Recherchen zur Sonderausstellung gestalteten sich nicht ganz einfach, wusste Mag. Peter Friedle vom Wunderkammer-Team. Es bedurfte umfangreicher Korres-pondenzen und sogar Reisen nach Wien, Bayern und Innsbruck, um historische Berichte und Relikte zur Teilung des Lechtals um 1800 zutage zu fördern. In der Ausstellung werden Themen wie die Napoleonischen Kriege als gesamteuropäische Kulisse, Lechbrücken sowie die Beziehung zwischen den Franzosen und Österreichern auf vielfältige Weise behandelt; beispielsweise mit Originalwaffen und Ausrüstungsgegenständen, einem nachgebauten Brückenwachhäuschen, Bildtafeln und ein Modell zum Brückenbau, mit einem bewaffneten französischen Soldaten und Bildern von Anton Falger. Am dazugehörigen Geierwally-Theaterstück „Lechufer Anno 1800“ feilen Regisseur Hubert Spieß, künstlerischer Leiter Bernhard Wolf und die Komponisten Christof Kammerlander und Elias Walch ebenfalls schon monatelang. Mit zehn Liedern und vor geschnitztem Holzbühnenbild erzählen sie die Geschichte einer jungen Liebe und der Musik als Brücke. Mit einer Theaterkarte ist der Eintritt zur Wunderkammer-Ausstellung als geschichtlichem Hintergrund frei. Für einen lebhaften Eindruck zum Lechtaler Großprojekt sind auf YouTube Video-Blogs unter „Lechufer“ zu finden. In den Worten Markus Gerbers, Elbigenalps Bürgermeisters: „Mir taugt des alls brutal. Und i hon schu bei jeder Prob Hennehaut ket!“

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