Gewalt an Frauen ist noch lange nicht vom Tisch

Angelika Hörmann, Regina Karlen und Evelyn Mages sind sich einig: Gewalt darf nicht totgeschwiegen werden. Sie stehen hinter der Bierdeckelaktion „Gewalt an Frauen ist noch nicht vom Tisch.“ RS-Fotos: Schretter

„Basis“-Aktion 16 Tage gegen Gewalt

Gewalt – vor allem Gewalt an Frauen – ist ein Thema, das in den letzten Jahrzehnten nicht an Vehemenz verloren hat. Wohl ist die Sensibilität heute höher, dennoch muss die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit weiter gesteigert werden. Gewalt darf kein Tabuthema sein.

Angelika Hörmann, ehemalige Landtagsabgeordnete, Vorstandsmitglied des Vereins „BASIS“ und des Gewaltschutzzentrums betont in einem Pressegespräch zu den 16 Tagen gegen Gewalt: „Wir gehen heuer an die Basis. Wir setzen dort an, wo Leute zusammenkommen und sich unterhalten. Gaststätten, Bars und Cafés erfüllen genau diese Funktion. Sie sind Orte des Miteinanders, des Austauschens, aber auch des Rückzugs und sich-eine-Auszeit-nehmens. So sind wir bei unseren Überlegungen auf die Bierdeckel gekommen.“

Bierdeckel vermitteln Botschaften, zeigen auf den Rückseiten harte Zahlen und Fakten und informieren, wo und wie Hilfe gerufen werden kann.

Auf Bierdeckeln, die in jeder Gaststätte zu finden sind, werden Botschaften transportiert, die darauf hinweisen, was im häuslichen und öffentlichen Bereich passiert. Diese Botschaften sollen die harten Fakten ins Bewusstsein rücken, wachrütteln und zum Gepräch anregen. „Bierdeckel schützen als Glasuntersetzer nicht nur die Wirtshaustische, sie sind auch hervorragende Werbeträger. Diese Tatsachen machen wir uns zunutze“, so Angelika Hörmann.

Hinschauen, Hilfe holen.

Eine zentrale Aussage ist, zu handeln und Hilfe zu holen, wenn Gewalt beobachtet wird. Auch, wenn man selbst meist nicht intervenieren kann, so sollte man wissen, wie und wo man Hilfe bekommen kann. Auf den Bierdeckeln sind nicht nur Bilder zu sehen und Botschaften zu lesen, auf den Bierdeckeln stehen auch die Telefonnummern, die im Notfall angerufen werden können.
„Jedes Nichthandeln unsererseits verlängert das Leid der Betroffenen und schwächt die Übereinkunft einer zivilisierten Gesellschaft, dass Gewalt keinen Platz haben darf“, appelliert Angelika Hörmann.

16 Tage gegen Gewalt.

Die Aktion „16 Tage gegen Gewalt“ leistet jedes Jahr wichtige Informations- und Aufklärungsarbeit. Die Wahrnehmung hat sich zwar, auch durch starke Medienpräsenz, gesteigert, dennoch gibt es immer noch Tabuisierung und Geheimniskrämerei.
Eine besondere Relevanz verleihen die Budgetkürzungen seitens der Bundesregierung für die versorgenden und intervenierenden Einrichtungen dieser Aktion im heurigen Jahr.

Fahnenaktion.

Die 16 Tage gegen Gewalt umfassen die Zeit zwischen dem 25. November, dem internationalen Gedenktag für alle Frauen und Mädchen, die Opfer von Gewalt wurden, und dem 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte.
Die Fahnenaktion „Frei leben ohne Gewalt“, an der sich auch die Reuttener Talkesselgemeinden beteiligen und mit dem Hissen der blauen Fahne ein deutliches Signal setzen, macht auf das Grundrecht aller Mädchen und Frauen aufmerksam, ein Leben ohne Gewalt führen zu dürfen.
Regina Karlen, Bezirkssprecherin der Grünen im Bezirk Reutte und Gemeindevorstand in Breitenwang freut sich, Bezirkshauptfrau Katharina Rumpf als Schirmherrin der Fahnenaktion im Bezirk Reutte gewonnen zu haben. „Das Gewaltthema muss sichtbar gemacht werden. Ich wünsche mir, dass irgenwann in jeder Außerferner Gemeinde diese Fahne weht. Für 2019 soll das Ziel erreicht werden, dass politisch tätige Frauen aller Fraktionen zusammenstehen.“

Feedback.

Die Bierdeckelaktion sei auf sehr positive Resonanz bei den Gastwirten gestoßen, erzählen Regina Karlen und Evelyn Mages, GF von BASIS Reutte. Die Wirte sind aufgefordert, ein Feedback zu geben, wie die Bierdeckelbotschaften bei den Gästen ankamen. In diesem Jahr wurden die Bierdeckel vor allem in Gaststätten im Talkessel von Reutte verteilt. Es ist geplant, diesen Kreis aber im Bezirk auszuweiten.