„Großes Unverständnis“

Bgm. Helmut Mall: „Man muss einfach die Flüchtlinge, die im Land und integriert sind, ordentlich behandeln – es kann auch nicht sein, dass Lehrlinge im Bezirk abgeschoben werden, zumal sich Betriebe um sie bemühen. Und gleiches gilt bei gut integrierten Familien.“ RS-Foto: Archiv

St. Anton: Afghanische Familie erhält negativen Asylbescheid

 

Bald nach Erscheinen des RUNDSCHAU-Artikels über die im St. Antoner Asylantenheim lebende afghanische Familie erhielt sie trotz guter Integration einen negativen Asylbescheid. Der stößt in der Gemeinde auf großes Unverständnis.

 

Von Elisabeth Zangerl

 

In Österreich gibt’s im Asylverfahren zwei Instanzen. Die erste, die über das Asylverfahren entscheidet, ist das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA). Bei einer negativen Entscheidung haben Asylwerber die Möglichkeit, eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht einzureichen. Sollte auch das BvwG negativ entscheiden, versucht Österreich diese Personen ins Heimatland abzuschieben. Das droht nun der afghanischen Familie, die im Asylantenheim St. Anton lebt, wie Kümmerin Manuela Falch-Ruetz weiß. Zwei der drei Kinder sind schulpflichtig, die Klassenlehrerin eines der Kinder, Monika Rossetti, zeigt sich entsetzt: „Die Familie ist so gut integriert, der Junge ist ein fröhliches Kind – er ist sozial integriert und spielt mit anderen Kindern, spricht sehr gut deutsch und noch dazu ist er das einzige Kind, das keine Ferien möchte, weil er so gern in die Schule geht.“ Auch Eltern von Schulkollegen zeigten sich enttäuscht: „Es tut uns im Herzen weh, wenn diese Familie abgeschoben werden würde“, ist das Echo von Pädagogen und Müttern von Schulkollegen. „Er kommt jeden Morgen mit einem Lächeln zur Schule, er ist ein sehr zufriedenes Kind“, fügt die Pädagogin hinzu.

 

MUSS DIE LEUTE ORDENTLICH BEHANDELN“. Unterstützt wird die Familie auch von Veronika Althun-Wasle, die der Familie ehrenamtlich Deutschkurse gibt – sie erzählt: „Die Frau spricht derart gut Deutsch, letztens hat sie angemerkt, dass für sie Konjunktiv II für ein wenig Unverständnis sorgen würde“, erzählt Althun-Wasle sichtlich erstaunt. Die Tatsache, dass nun ehrenamtliche Helfer Deutschkurse für Asylwerber geben müssen (aufgrund gestrichener Deutschkurse), stößt auch Dorfchef Helmut Mall sauer auf: „Es ist unverständlich, dass Deutschkurse für Asylwerber gestrichen werden.“ Die ganze Vorgangsweise ärgert den Dorfchef: „Man muss einfach die Flüchtlinge, die im Land und integriert sind, ordentlich behandeln – es kann auch nicht sein, dass Lehrlinge im Bezirk abgeschoben werden, zumal sich Betriebe um sie bemühen. Und gleiches gilt bei gut integrierten Familien“, so Mall. Veronika Althun-Wasle jedenfalls ist Mitglied bei „Omas gegen Rechts“, einer Plattform für zivilgesellschaftlichen Protest. „Ich bin dabei, mich über diese Plattform zu erkundigen“, erklärt Althun-Wasle, die bemüht ist, der Familie zu helfen. Die Familie selbst hat in einem ersten Schritt Beschwerde gegen den negativen Bescheid eingereicht. Die RUNDSCHAU hat beim Bundesministerium für Inneres nachgefragt, ob grundsätzlich alle Asylwerber aus Afghanistan negative Bescheide erhalten und ob dieser Staat tatsächlich als „sicheres Herkunftsland“ eingestuft wird. Bis Redaktionsschluss ist keine Rückmeldung eingetroffen. Laut einer Liste, veröffentlicht auf der Homepage des Bundeskanzleramts, scheint Afghanistan unter den 17 angeführten „sicheren“ Staaten nicht auf.

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