Grüne Schulschwänzer

Liebe Freunde jugendlicher Rebellion!

So manche von uns Alten erinnern sich noch gerne an die 68er-Bewegung. Damals haben wir mit langen Haaren und lauter Rockmusik ein wenig die Welt verändert. Oder zumindest unsere Eltern geärgert. Ein bisschen mehr Freiheit im Alltag hat dabei letztendlich für uns herausgeschaut. Danach hat der Konsum die Weltherrschaft übernommen. Nicht Ideologien und politische Überzeugungen bestimmten unsere Gesellschaft, sondern der Wohlstand um jeden Preis. Viele der einstigen Hippies und „Gammler“ sind längst Anzug- und Krawattenträger mit schicken Wohnungen und Autos. Wo der Kontoauszug den Selbstwert bestimmt, haben seelische Befindlichkeiten kaum noch Bedeutung. Und so hat mir unsere Jugend in den vergangenen Jahrzehnten regelrecht leid getan. Aufschreie via pinke Haare, Glatzen, Nägel in Nase, Mund und Zunge und Tattoos von Hals bis Knöchel haben kaum Wirkung gezeigt. Die gewünschte Aufmerksamkeit hat eine desorientierte Generation für alle diese optischen Zeichen nicht bekommen. Das hat sich jetzt schlagartig geändert. Ein unscheinbares 16-jähriges Mädchen mit einem äußeren Erscheinungsbild wie ein Mauerblümchen erobert derzeit die Schlagzeilen der Medien. Und die Herzen der Jugend. Greta Thunberg, ein Teenie aus Schweden, hat sich als Klimaaktivistin einen Namen gemacht. Sie mobilisiert Anhänger wie ein Popstar. In vielen europäischen Städten locken ihre Auftritte tausende Zuhörer. Ihr Aufruf, die Welt endlich zu verändern, damit sie nicht am Klimawandel zugrunde geht, fasziniert täglich mehr Menschen. Ihre Popularität folgt vom Marketing her dem Prinzip der 68er-Bewegung. Sie stützt sich auf Provokation. Ihr Motto „Schulschwänzen für die Umwelt“ stößt gleichermaßen auf abgrundtiefe Ablehnung und stürmische Zustimmung. Was den Grünen einen ungeahnten Aufschwung beschert. Die Partei, die beinahe vor dem Abgrund stand, ist in Deutschland jetzt bereits Nummer eins!

Meinhard Eiter