Grüner Arlberg

Ortsbildausschuss-Obmann Markus Steinmüller, Matthias Karadar und Didi Clemens Enthofer (Tiroler Bildungsforum), Bgm. Helmut Mall, Geschäftsführer St. Antoner FVF GmbH Peter Mall (v. l.) Foto: Gemeinde St. Anton am Arlberg

St. Anton wird „Natur im Garten“-Gemeinde

 

Insektensterben, drastischer Rückgang vieler Vogelarten u.ä. – die vielfältige Natur scheint in Gefahr. St. Anton setzt deshalb erste Schritte, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.

 

Von Daniel Haueis

 

St. Anton macht sich auf den Weg zur „Natur im Garten“-Gemeinde – es wird also darauf hingearbeitet, bald weder Pestizide (Gesundheitsgefährdung) noch Kunstdünger (hoher Energieverbrauch bei der Produktion), noch Torf einzusetzen. „Wir in der Gemeinde möchten auf diese Mittel verzichten und so unseren Beitrag zum Natur- und Klimaschutz leisten“, sagt Bgm. Helmut Mall. Zudem wird für Schmetterlinge, Wildbienen u.ä. Lebensraum geschaffen: Staudenbeete werden mit ökologisch wertvollen Pflanzen für Insekten bepflanzt, die alpin gestalteten Kreisverkehre werden mit verschiedenen früh- und spätblühenden heimischen Pflanzen aufgewertet, und an einigen Stellen sollen im nächsten Jahr bunt blühende Blumenwiesen entstehen. Einige Böschungen in der Gemeinde werden schon jetzt nur noch zweimal im Jahr gemäht, damit Hummeln, Bienen und andere Insekten Nahrung finden. „Schon solche kleinen Schritte sind für die Natur überaus wertvoll“, sagt Matthias Karadar, Biologe und Projektleiter von „Natur im Garten“ im Tiroler Bildungsforum.

 

 

Bgm. Helmut Mall: „Das ist jetzt eine Abwägung.“ RS-Foto: Archiv

 

„Nach uns gibt es auch noch Leute“

Nach Problemen mit der Abfahrt durchs Steißbachtal (die RUNDSCHAU hat berichtet) gibt’s nun ein neues Pistenprojekt in St. Anton: „Abfahrt Waldschneise“ lautet der Arbeitstitel für die geplante blaue Piste (Skianfänger). Thema war das Vorhaben in der letzten St. Antoner Gemeinderatssitzung. Und die Wortmeldungen zeugen von nachhaltigem Denken der Kommunalpolitiker. Bgm. Helmut Mall eröffnete die Diskussion mit dem Hinweis, dass der Tourismus wichtig sei, es dürfe aber die Natur nicht vergessen werden – er sprach sich für eine sensible Vorgehensweise aus. Eine Hauptabfahrt vom Galzig wird als wichtig erachtet, naturschutzrechtliche, touristische, wirtschaftliche und jagdliche Belange seien aber abzuwägen. Mall bestärkt gegenüber der RUNDSCHAU den „nachhaltigen Ansatz“: „Eine Ressource ist weg, wenn man sie angreift“ – es sei also zuerst das auf Möglichkeiten zu überprüfen, was ohnehin schon „angegriffen“ wurde. Weitere Wortmeldungen laut Gemeinderatsprotokoll: Zuerst müsse alles unternommen werden, um das Steißbachtal sicher zu machen, „muss alles noch mehr sein?“ oder „die Natur kann man nicht mehr zurückbauen, nach uns gibt es auch noch Leute, es hat alles seine Grenzen und diesbezüglich gilt es abzuwägen“. Beschluss des Gemeinderates gibt es noch keinen – laut Bgm. Helmut Mall folgen nun weitere Gespräche, wobei alle Argumente abzuwägen seien. Nachhaltigkeit spielt jedenfalls weiterhin eine Rolle in St. Anton: die Nahwärme ist ein derartiges Projekt, auch E-Mobilität ist Thema. Und der Gemeinschaftsstall (aktuell gibt’s diesbezüglich aber wenig Bewegung) könnte ein weiteres solches werden.

 

St. Anton überlegt Skischuhverbot

Die „Strategie 2030“, in der sich St. Anton Perspektiven gegeben hat, wirkt sich bald konkret aus: Die Gruppe „Umfeld Après-Ski“, berichtet Bgm. Helmut Mall, habe drei, vier Projekte in Umsetzung. Ziel ist die Beruhigung im Dorf, auch Taxis seien Thema u.ä. Diskutiert wird etwa ein Skischuhverbot. Spätheimkehrer aus dem Skigebiet sollten aus dem Dorfkern ausgeschlossen werden. Allerdings sei die Frage in St. Anton komplizierter als anderswo, denn: In St. Anton findet das Après-Ski nicht im Ortszentrum, sondern am Berg statt. Ziel ist es jedenfalls, St. Anton diesbezüglich in ruhigere Bahnen zu lenken. Erste Maßnahmen sollen bereits diesen Winter umgesetzt werden, sagt der Ortschef.