Gut leben können bis zuletzt

Im Haus Ehrenberg wird Hospizkultur bereits gelebt. In einem zweijährigen begleiteten Projekt wird jetzt noch am Feinschliff gefeilt. Das motivierte Palliativteam stellt sich dieser Herausforderung. RS-Foto: Schretter

Wohn- und Pflegeheim „Haus Ehrenberg“ nimmt am Projekt Hospizkultur und Palliative Care im Pflegeheim teil

Für viele Menschen wird ein Pflegeheim zu ihrem letzten Zuhause. Nicht wenige von ihnen werden zu Palliativpatienten, deren Betreuung und Begleitung besondere Aufgaben für das Team eines Pflegeheims mit sich bringen. Die Qualifizierung der Mitarbeiter und vor allem auch die Entwicklung einer entsprechenden Organisationskultur werden notwendig.

Pflegedienstleiter Alois Gratl ist sich sicher, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. RS-Foto: Schretter

Das Projekt „Hospizkultur und Palliative Care im Pflegeheim“ unterstützt Heime dabei, eine Organisationskultur zu entwickeln, die für die Betreuung und Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase förderlich ist. Dies geschieht im Rahmen eines zweijährig begleiteten Prozesses.
Alois Gratl, Pflegedienstleiter im Wohn- und Pflegeheim „Haus Ehrenberg”, wünschte sich auch die Teilnahme am Projekt „HPCPH“ und freute sich, zahlreiche Interessierte, Mitarbeiter, Heimbewohner und Angehörige zur Auftaktveranstaltung begrüßen zu können.
„Das „Haus Ehrenberg” ist das vierte Heim in Tirol, das sich diesem wertvollen Projekt anschließt. Wir werden in den kommenden zwei Jahren vom Tiroler Hospizdienst begleitet. Besonders gefreut hat mich die große Bereitschaft aller Mitarbeiter, teilzunehmen und den Mehraufwand nicht zu scheuen“, erklärt Alois Gratl.

Ziel des Projekts.

Heimbewohner sollen ihre letzte Lebensphase in Würde verbringen und dort auch in Würde sterben können. Angehörige werden bei diesem Abschied und in ihrer Trauer kompetent unterstützt  und begleitet.
Das Besondere an diesem Projekt ist, dass es sich an alle Mitarbeiter, das heißt, an alle Berufsgruppen im Heim richtet. Von allen gemeinsam wird die Begleitungskompetenz im Sinne von Hospizkultur und Palliative Care erarbeitet. Das Pflegepersonal soll durch den Ausbau spezieller Kenntnisse und die Schaffung hilfreicher Strukturen gestärkt und motiviert werden. Diese berufsgruppenübergreifende Projektausrichtung fördert die ganzheitliche Sorge für die Heimbewohner. Auch ehrenamtliche Mitarbeiter werden sinnvoll und rechtzeitig mit eingebunden.
Ein weiterer Inhalt des Projektes ist der Ausbau bzw. die Stärkung der Zusammenarbeit und der Kommunikation innerhalb des Heimes und mit den Partnern außerhalb. Vom Erfahrungsaustausch und Vernetzen mit anderen Heimen, die am Projekt teilnehmen, profitieren alle.
Heimleiterin Christiane Huter betont in ihren sehr beeindruckenden Worten, dass die Lebens- und Sterbekultur das übergeordnete Ziel des Projektes sind. „Gut leben können bis zuletzt und dann in Würde sterben können – das ist es, was wir erreichen wollen. Das wollen wir hier im „Haus Ehrenberg” bieten“, unterstreicht sie die Devise. Die Heimbewohner sollen eine schöne, reiche Zeit haben dürfen, betont die Heimleiterin.
Für das „Haus Ehrenberg” hat sich ein engagiertes Palliativteam gebildet. Gemeinsam mit den drei Palliativbeauftragten ist bereits ein sehr guter Start gelungen.
In den kommenden zwei Jahren wird das Team in Reutte von Silvia Jöbstl und Barbara Kleissl begleitet. „Ich bin  überzeugt, dass man sich immer nach oben entwickeln kann. Wir schauen, wo wir hier im „Haus Ehrenberg” ansetzen und begleiten können. Im Fokus steht die Qualität. Das Projekt soll aber auch nachhaltig sein, das heißt, es soll weiterlaufen, auch wenn wir uns nach zwei Jahren zurückziehen“, sagt Projektkoordinatorin Silvia Jöbstl. Sie konnte sich vor Ort überzeugen, dass im „Haus Ehrenberg” bereits eine sehr gute Hospizkultur gelebt wird.
Für Barbara Kleissl ist das Besondere des Projekts HPCPH, dass es berufsgruppenübergreifend läuft. „Das ist eine der Kernqualitäten. Dieses Zusammenspiel zwischen den einzelnen Berufsgruppen soll lebendig gehalten werden“, so Barbara Kleissl.
Abschließend bedankte sich Pflegedienstleiter Alois Gratl bei Verbandsobmann Aurel Schmidhofer für die Finanzierung des Projekts, beim Tiroler Hospizdienst für die Begleitung durch die kommenden beiden Jahre und bei allen beteiligten Mitarbeitern. „Was ihr hier gemeinsam schafft, leistet ihr zum Wohle der Bewohner des „Hauses Ehrenberg”. Ich bin mir sicher, dass dieses Projekt ein sehr erfolgreiches werden wird“, so Alois Gratl zum Abschluss der Veranstaltung.
Niemand hat unendlich viele gute Stunden zur Verfügung. Die Urangst vor dem Tod und dem, was danach kommt, ist dem Menschen eigen. Wer sich aber gut begleitet und aufgehoben fühlt, kann das Ende seines Weges in Würde gehen. Im „Haus Ehrenberg” sind die Weichen dafür gestellt.