„Habe meine Ziele nie aus den Augen verloren“

Unvergesslich: Die Meistermedaille und das meisterliche T-Shirt zeugen vom Aufstieg in die Bundesliga. RS-Foto: Unterpirker

Bundesliga-Recke Sandro Neurauter im Gespräch mit der RUNDSCHAU

Seit über dreieinhalb Jahren ist Sandro Neurauter nun bereits in Wattens. Bei der Werksportelf hat die Karriere des Imsters so richtig begonnen und als er heuer mit Wattens in die Bundesliga aufstieg, erfüllte sich für den Oberländer ein Traum. Zwei Jahre lang war der WSG-Abwehrrecke nebenbei beruflich in der Hauskrankenpflege tätig, seit einem Jahr hat er einen Profivertrag. Die RUNDSCHAU besuchte Sandro in Volders, wo der 27-Jährige derzeit mit seiner Freundin Caroline wohnt.

Von Albert Unterpirker

RUNDSCHAU: Sandro, du bist jetzt Bundesliga-Spieler, warst vor einem Jahr, als ihr noch in der 2. Liga gespielt habt, noch in der Hauskrankenpflege in Wattens tätig – wie kam es dazu?

Sandro Neurauter: Ich habe drei Jahre in Innsbruck die SOB (Schule für Sozialbetreuungsberufe, Anm.) besucht. Man darf nicht vergessen: Ich bin von der Tiroler Liga gekommen. Der Verein hat ja auch ein Risiko gehabt, weil man nicht gewusst hat, ob das mit der Zweiten Liga funktioniert. Ich bin deshalb nebenbei arbeiten gegangen, damit ich finanziell über die Runden komme. Diese Ausbildung in Innsbruck war aber natürlich schon auch für meine Zukunft – im Pflegebereich ist immer Bedarf.

RS: Pflege ist ein schwieriger Beruf, kostet innerlich viel, man braucht in gewissen Bereichen auch Kraft – und du brauchst ein Herz für diesen Beruf, oder?

Neurauter: Pflege kann man eigentlich nicht lernen. Diese soziale Ader habe ich von meiner Mama mitbekommen, sie hat selbst in diesem Bereich gearbeitet, hat in der Lebenshilfe Menschen mit Behinderung betreut. Die Arbeit im Sozialsprengel war für mich ein Erfolg – neben der fußballerischen Leistung – weil mir das einen brutalen Ausgleich gegeben hat. Die Arbeit hat mir extrem Spaß gemacht und hat mir, glaube ich, schon auch ein bisschen Kraft für den Fußball gegeben.

RS: Du lieferst das richtige Stichwort, Fußball: Du hast auf deiner Position in der Innenverteidigung einen Kollegen, mit dem du um diese Position fightest?

Neurauter: Ja, das ist Stefan Hager, auch ein Tiroler (kam von Wr. Neustadt). Am Anfang einer Saison ist das immer so, das ist normal. Ich weiß aber ganz genau, dass ich zu meinen Einsätzen komme, weil der Trainer weiß, was er an mir hat. Ich mache mir da keine Sorgen. Ich war gegen die Austria 20 Minuten drin, habe für Stabilität gesorgt, ich bin gegen den LASK reingekommen – in einer unruhigen Phase – und habe da für ein bisschen Stabilität gesorgt.

Sandro Neurauter informiert sich regelmäßig unter anderem über den Fußball im Bezirk Imst und liest auch immer die RUNDSCHAU. RS-Foto: Unterpirker

RS: Bei der Umstellung von der 2. Liga auf die Bundesliga, was ist da das Wesentliche, körperlich, athletisch, technisch?

Neurauter: Grundsätzlich gilt: Umso höher es hinauf geht, desto besser muss der Körper beinand sein. Es gibt wenige, die in dieser Liga nicht topfit sind – das ist eigentlich der größte Unterschied. Ich musste mich von der Tiroler Liga auf die Zweite Liga schon steigern und ich habe jetzt wieder meines dazu beigetragen, dass es noch besser geht. Wenn du es nicht mehr derbläst, dann kannst du Fußballspielen so gut wie du willst. Die Grundlage ist die Fitness, das ist in der Bundesliga das Um und Auf. Und: Wenn du müde bist, machst du Fehler!

RS: Du machst also noch mehr als früher?

Neurauter: Es kommen auch andere Details dazu, zum Beispiel die Ernährung oder wie du deine Freizeit gestaltest. Was jetzt zum Beispiel ein großer Unterschied ist: Wenn wir drei Wochen frei haben, bekommt jeder seinen Plan mit, das heißt: Du kommst schon mit einer guten Grundlage zu einer Vorbereitung. Der Rest kommt von alleine, wenn du jeden Tag am Fußballplatz stehst. Oft ist weniger aber auch mehr, weil die Regeneration fast wichtiger ist, als die Belastung. Jetzt ist die Trainingssteuerung sehr gut.

RS: Die Fußball-Entwicklung weltweit, wie siehts du diese?

Neurauter: Ich denke, es muss zwischen Regeneration und Belastung etwas gefunden werden, weil irgendwann ist es in Sachen Fitness vorbei. Da ist dann der Verein, der Trainerstaff oder aber auch der Verband gefragt.

RS: Es ist teilweise in der Tirol Liga, mit fünf Spielen in zwei Wochen – das gibt es kaum mal in der Premiere League …

Neurauter: Das ist echt zach. Du darfts ja nicht vergessen: Diese Spieler arbeiten alle. Ich war kürzlich in Kufstein zuschauen, als Imst gespielt hat. Manche kommen am Nachmittag aus der Firma raus, spielen am Abend in Kufstein, kommen um 12 Uhr abends heim. Da ist sicherlich auch der Verband gefragt, dem Verein sind da eh die Hände gebunden. Irgendwo geht sich das nicht mehr aus, man befindet sich ja im Amateursport.

RS: Was wäre notwendig, damit im Tiroler Oberland ein Verein in der Zweiten Bundesliga spielt?

Neurauter: Geld wäre notwendig und unter einer Million Euro geht glaub’ ich gar nichts. Außerdem: Wenn du in Tirol Meister in der Eliteliga werden würdest, musst du dich dann immer noch (im Play-Off) mit den Vorarlbergern und Salzburgern um den Aufstieg matchen. Man sollte da schon die Kirche im Dorf lassen. Wenn du eine durchschnittliche Eliteliga-Mannschaft hast und Zuschauer mit einem guten Kick in die Stadion holst, dann ist das schon ein super Erfolg. Aber mich freut es total, dass mit dem SC Imst endlich wieder ein richtiger Oberländer Verein in der Regionalliga beziehungsweise der Eliteliga Tirol spielt, das war höchste Eisenbahn. Ich hoffe, dass sie eine gute Plattform schaffen, auch für junge Spieler, damit Spieler mit Potential wieder zum SC Imst wollen.

RS: Aber ist es nicht besser zu sagen: Wenn du keine Visionen hast, musst du zum Arzt, als wie manche sagen: Wenn du Visionen hast, musst du zum Arzt?

Neurauter: Ich gebe dir da vollkommen recht! Als ich in der Tirol Liga bei Imst gespielt habe, habe ich meine Ziele nie aus den Augen verloren – und diese Ziele erreicht. Aber ich bin einer, der sich lieber kleine Etappenziele steckt.

Sandro Neurauter: „Ich habe meine Ziele nie aus den Augen verloren.“ RS-Foto: Unterpirker

RS: Pläne über Wattens hinaus?

Neurauter: Jetzt habe ich mal einen Vertrag in Wattens über ein Jahr und ich fühl mich hier pudelwohl. Ich warte jetzt mal ab, wie sich der Herbst entwickelt. Ich versuche weiter, konstant meine Leistungen zu bringen und ich schaue da jetzt nicht groß voraus. Das erste Jahr hier in Wattens in der Zweiten Liga war für mich fast schon überragend. Ich schaue Woche für Woche, schaue, dass ich mich körperlich top vorbereite.

RS: Irgendwann wird’s dann nach Imst zurückgehen oder eher doch nicht?

Neurauter: Ich und Caro möchten jetzt schon den nächsten Schritt machen, sind in der Familienplanung. Fakt ist, dass in Imst und Umgebung das Wohnen leistbarer ist. Mir taugt das Leben hier aber besser, weil ich die Nähe zu Innsbruck genieße. Aber im Endeffekt muss ich schauen, was sich finanziell ausgeht. Wir reden hier von ganz normalen Wohnungen, waren eine anschauen: Zum Beispiel 75 Quadratmeter um 500.000 Euro. Das ist hier ganz normal. Da musst du schon gut verdienen, um das zahlen zu können.

RS: Was wäre ein Traum für dich?

Neurauter: Eine glückliche Familie und ein nettes Häuschen zu haben. Ich bin ein Familienmensch, das habe ich ein bisschen von meinem Vater. Und gesund bleiben! 

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.