Hans Jäger und die Werdung eines Museums

Dieter Tausch, Herlinde Menardi, Herta Arnold und Nino Malfatti (v.l.) blickten in sehr persönlichen Anekdoten und Geschichten auf die Person und das Schaffen des Turmmuseumsgründers Hans Jäger zurück. RS-Fotos: Hirsch

Oder: Von Sammelleidenschaft zur Galerie ins Museum

Das Turmmuseum ist eng verknüpft mit der Biografie und Sammlung des Oetzer Kunstliebhabers und Kunstsammlers Hans Jäger. Im Rahmen der Winterausstellung „Turm reloaded“ blickten Dieter Tausch, Herlinde Menardi, Herta Arnold und Nino Malfatti auf die Person und das Schaffen des Turmmuseumsgründers Hans Jäger zurück. Ein Abend im Turmmuseum Oetz, welcher den begeisterten Museumsmann, den unkonventionellen Sammler und den manchmal unbequemen Kämpfer Hans Jäger  in seinen vielen Facetten zeigte.

Von Friederike Hirsch

Bereits in seiner Kindheit begann der 1937 in Oetz geborene Hans Jäger, Dokumente der Tiroler Alltagskultur zu sammeln: Möbel und Marterln, Votivbilder und Grabkreuze, Fotoalben und Briefe, Zeichnungen und Bilder. So wurde die Sammlung Jäger eine der bedeutendsten volkskundlichen und kunstgeschichtlichen Privatsammlungen des Alpenraums. Seine einzigartige Kunstsammlung von knapp 5000 Objekten reicht von mittelalterlicher sakraler Kunst über die Entwicklung alpiner Landschaftsmalerei bis hin zu großen Bildhauern, zeitgenössischer Kunst und Fotografie. Dieter Tausch (Antiquariat und Galerie-Betreiber) sagt über Hans Jäger: „Er war ein Allrounder. Er hat immer ganz genau gewusst, was er wollte. Eigentlich habe ich mehr von ihm gelernt als er von mir.“

Hans Jäger und der Turm

Kulturlandesrätin Beate Palfrader über Hans Jäger 2012: „Er war ein bedeutender Museumsmacher, der zahlreiche Perlen der Kultur- und Kunstgeschichte zu Tage gefördert hat.“ Trotz Kritik, finanziellen Schwierigkeiten und der Gleichgültigkeit vieler hat Hans Jäger zunächst auf seinem Bauernhof ein kleines Museum unter dem Titel „Galerie zum Alten Ötztal“ eingerichtet. Langfristig war es allerdings seit den 1980er Jahren sein erklärtes Ziel, das historische Turmgebäude als Museum neu zu beleben. Ungeschminkt und als ideellen Gegensatz zum Strom der Zeit der 1980er und 1990er eröffnete er alle Jahre eine Ausstellung. Beharrlich und fokussiert wirkte er der Gleichgültigkeit für das Alte aus dem Ötztal entgegen. In einem RUNDSCHAU-Interview 1990 anlässlich seiner Ausstellung „Passion in der Landschaft“ meinte er: „Ich will ein anderes, vielleicht echteres Bild vom Ötztal zeigen. Ich will den Gästen und auch den Einheimischen eine bessere Seite vom Ötztal zeigen und eine Lücke schließen, die nach dem Krieg durch Gleichgültigkeit entstanden ist.“ Seine Ambivalenz zum Tourismus und seine Abneigung gegen den Massentourismus machten ihn zu einem Unbequemen für die Mächtigen im Land. Mit seinem profunden Wissen und seiner Persönlichkeit schaffte er sich Anerkennung in Kunstkreisen – schließlich auch im Land und in Oetz. „Er hatte nie kleine Ziele“, sagte Herlinde Menardi (ehemalige Direktorin des Volkskunstmuseums) und weiter: „Bereits 1985 beschreibt er für sich, dass der Turm das ideale Museum für Oetz wäre.“ Seiner Kompromisslosigkeit, seiner Ausschließlichkeit und seinem spürbaren Enthusiasmus ist es zu verdanken, dass der Turm 2004 als Museum eröffnet werden konnte. „Hans Jäger hat für die Sache gebrannt und das hat sich übertragen“, meint Herta Arnold (stellvertretende Leiterin der Abteilung Kultur des Land Tirol).

„Turm reloaded“

Im Jahr 2011 zog die Sammlung Hans Jäger in das Turmmuseum Oetz ein. Seine beindruckend vielfältige Kunstsammlung ist seither abwechselnd immer wieder im Turmmuseum zu sehen. Das Gebäude selbst überrascht mit baulichen Details der Romanik bis hin zur Gegenwart und bringt die vielfältigen Gemälde, Bilder und Fotografien ideal zur Geltung. Hans Jäger legte – 1990 im Rundschau-Interview – seine Vorstellung von einem Museum klar dar: „Ein Museum muss etwas Lebendiges sein. Es müssen immer neue Gesichtspunkte herausgearbeitet werden. Ein Museum, das immer dasselbe zeigt, dient nur zur Belustigung von Touristen.“ Ganz im Sinne von Hans Jäger haben die Ötztaler Museen eine Winterausstellung kreiert, die die historischen Kunstwerke mit jugendkulturellen Interpretationen verknüpft. Des kloane Mandl, mit Schnauz, Hut und einer etwas hohen Stimme hätte sicher seiner Freude an der Ausstellung, ist sie doch so unverwechselbar, prägnant und ehrlich, wie Hans Jäger selbst.

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