Haute couture à la Außerfern

Mannequins mit außergewöhnlicher Mode: Corinna Huber, Leonie Tschol und Anna Maria Cacic (von links) bei der Eröffnung der Kulturzeit. RS-Foto: Gerrmann

Reuttener Gymnasiasten als Modeschöpfer bei der Kulturzeit

Außergewöhnliche Schulstunden erlebten Mädchen und Buben des Gymnasiums Reutte im Kunstunterricht vor den Sommerferien: Sie durften einfach mal drauflos spinnen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Das Resultat konnte man am Sonntag bei der Eröffnung der 29. Kulturzeit der Kulturinitiative Huanza in Breitenwang bewundern.

Von Jürgen Gerrmann

Die Idee dazu stammte von Christine Schneider: „Die jungen Leute sollten einfach ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Und zwar bei einem Kleidungsstück, das so schrill ist, dass man es im richtigen Leben wohl nie anziehen würde.“ Weit weg von Gedanken, wie „Oh, Gott, wie schau ich denn aus?!“ – sollten sich die Schülerinnen und Schüler trauen, die verrücktesten Ideen umzusetzen – und zwar mit Recyclingmaterial. Daraus seien Einzelstücke entstanden, die es sonst kein zweites Mal gibt, freut sich die Künstlerin aus Reutte.
Umgesetzt wurde das Projekt im Gymnasium von Kunstlehrerin Daniela Pahle, die sich beim Künstlerstammtisch mit Christine Schneider darüber ausgetauscht hatte. „Ich finde es schön, im Unterricht auch einmal etwas zu gestalten, das nicht in der Schule bleibt, sondern auch nach außen geht.“
Da habe sie auf ihre Schüler nicht lange einreden müssen. Die seien sofort dabei gewesen und hätten voller Lust ihre Kreativität ausgelebt. Die Gestaltung in der Klasse sei in einer sehr fröhlichen, lustigen Atmosphäre abgelaufen: „Schon der Entstehungsprozess hat riesigen Spaß gemacht.“
Das spürte man auch am Sonntag, als die jetzigen Sechstklässler ihre Kreationen beim Mambo der Musikkapelle Elmen und der anschließenden Parade vom alten zum neuen Breitenwanger Gemeindeamt präsentierten.
Corinna Huber aus Lechaschau (noch 15/bald 16) hatte sich dabei unter Zuhilfenahme von Müllsäcken und Altpapier in eine Meerjungfrau verwandelt – eine Idee, die sie gemeinsam mit ihrer Freundin Leonie und ihrem Bruder Patrick ausgetüftelt hatte. Zu dritt entwarfen sie das Kleid und drapierten dann ein Muster drauf: „Das war eine spontane Entscheidung. Im Kunstunterricht konnten wir sie dann über einige Wochen hinweg im Detail ausarbeiten. Das war schon eine coole Aktion.“
Das fand auch ihre Freundin Leonie Tschol aus Musau. Sie trug eine Kreation von Theresia Wohlgenannt aus Biberwier sowie Laura Melekusch und Lena Guppenberger, die beide aus Vils kommen.
Ihnen gebührt eigentlich ein Sonderpreis des Tourismusverbands, denn der Faltenrock bestand aus einer Wanderkarte der Region Reutte/Außerfern: vorn und hinten prangten da Reutte und Ehenbichl, an den Seiten Leilach- und Köllenspitze aus dem Tannheimertal. Eigentlich wollten die Nachwuchs-Couturiers ja etwas aus Papierblumen basteln: „Aber dann wollten wir doch etwas typisch Außerfernerisches machen.“ Und diese Entscheidung war goldrichtig.
Ihr ursprüngliches Konzept veränderten auch Celina Winkler aus Höfen, Eva Pacher aus Reutte, Evelyn Herzinger aus Weißenbach, Tristan Walch aus Lechaschau und Anna Maria Cacic aus Pflach (die als Mannequin über den Breitenwanger Huanza-Laufsteg ging): Zunächst sollte das Motto „Süßer Traum“ lauten, dann aber fand man es interessanter, Dinge zu verwenden, die schon zuhause vorhanden waren: Ausgediente PET-Wasserflaschen zum Beispiel – und dann natürlich Verpackungen diverser Süßigkeiten von der Schokolade bis zum Durchbeißer.
Danach hieß das Modell „Kaufen müssen“. Egal nun, welcher Name – am Ende waren sich alle einig: „Es hat riesigen Spaß gemacht.“

 

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