Heimlich, still und leise

Vom Biber gefälltes und benagtes Gehölz in Pians. RS-Foto: Tiefenbacher

In Pians hat sich an der Sanna ein Jungbiber angesiedelt

 

Am Ufer der Sanna in Pians hat sich ein Biber sein neues Zuhause eingerichtet.

 

„In Prutz, in Zams, in Telfs und im Bezirk Imst gibt es Biber, in Pians ist das aber neu“, bestätigt Monika Eder, Biberbeauftragte im Auftrag der Tiroler Landesregierung. Woher der Nager eingewandert ist, ließe sich schwer sagen. „Die Biber wandern nämlich weit“, weiß Eder. Sie vermutet, dass es sich um einen Jungbiber handelt, der alleine gekommen sein dürfte und auf der Suche nach einer Winterbleibe war. Gekommen ist er im sprichwörtlichen Sinn heimlich, still und leise. Er nutzt beide Uferseiten, beginnend am Pianner Gemeindeamt flussaufwärts. Er haust in einem Bau, den er unterhalb der Flussverbauung in die Böschung gegraben hat. Der Bau ist nur schwer auszumachen. Wie lange der Biber unbemerkt geblieben ist, weiß niemand. Verraten haben ihn seine nächtlichen Aktivitäten, denn der Neuankömmling folgte selbstverständlich auch in seiner neuen Heimat seiner Natur. Der Biber ist ein reiner Vegetarier, er frisst keinen Fisch. Der streng geschützte Nager legt im Herbst für den Winter direkt vor dem Eingang seines Baues Nahrungsreserven (Äste und Weiden) an. Er zehrt in dieser Jahreszeit vom angelagerten Körperfett und ernährt sich vor allem von der Rinde und den Knospen von Bäumen. Da Biber vor allem an der Rinde der jungen Äste in der Baumkrone interessiert sind und nicht klettern können, fällen sie einfach den ganzen Baum.

 

ENTDECKUNG GEMACHT. Ende November machte die Gattin von Josef Schalber eine derartige Entdeckung im Obstbangert. „Da stimmt etwas nicht, es liegen drei Obstbäume am Boden“, berichtete sie ihrem Ehemann. Josef Schalber sah sofort nach und stellte mit fachkundigem Auge fest, dass hier ein Biber am Werk ist. „Die Obstbäume sind nach echter Biber-Manier mit der typischen, einer Sanduhr ähnelnden Fällkerbe gefällt worden“, erklärt Schalber. Und der Biber biss zwei weitere Obstbäume an. „Es wurde so viel Rinde geschält, dass die Bäume nicht mehr auf natürliche Weise regenerieren können. Diese werde ich im nächsten Jahr fällen müssen“, glaubt der Obstbauer. Er meint dann mit einem Lächeln auf den Lippen, die Auswahl der Bäume lasse darauf schließen, dass der Biber eine Vorliebe für Apfelbäume habe. Schalber: „Er hat nur Apfelbäume gefällt und angebissen. Die andere Bäume hat er nicht angerührt“. Den Aufenthalt des Bibers haben aber auch gröbere Holzschnitzel, die das Tier beim Fällen und Anfressen von anderem Gehölz herausnagte, sichtbar gemacht. Bissspuren hinterließ der Biber zudem durch das Benagen von Weiden und Sträuchern.

 

FAST KEINE ENTSCHÄDIGUNG. Josef Schalber wird für seine Schäden kaum entschädigt. Schalber: „Als Vorsichtsmaßnahme habe ich die restlichen dreizehn Obstbäume meiner Anlage eingezäunt. Der dafür benötigte Draht wird vom Land Tirol bezahlt. Das ist alles, was entschädigt wird“. Josef Schalber nimmt die Sache gelassen: „Es ist so, wie es ist. Der Biber ist da. Ich hoffe nur, dass sich schadensmäßig nichts mehr tut“. Monika Eder ist sich nicht sicher, dass sich der Jungbiber fix ansiedeln wird. „Hier sind die Flussufer hart verbaut und es ist in diesem Bereich auch wenig Nahrung vorhanden. Es würde mich nicht wunden, wenn er im Frühjahr wieder abwandern wird“, sagt die Biberexpertin des Landes.

 

WIRD GERN GESEHEN. Der Fischerverein Bachforelle Pians sieht es gern, dass sich das ausschließlich pflanzenfressende Nagetier Pians als neue Heimat auserkoren hat. „Solche Individuen in einem Ökosystem sind eine Bereicherung und kein Schaden“, betont Obmann Andreas Egger und fügt hinzu: „Durch die Naturkatastrophen und vor allem durch diverse Stauraumspülungen in der Laichzeit unserer Leitfischart, der Bachforelle, werden die ökologischen Bedingungen nicht nur des Gewässers im Fischereigebiet von Pians, sondern auch der Gewässer in fast allen Fischereigebieten unseres Bezirkes massiv gestört“.

 

Von Herbert Tiefenbacher

Der Jungbiber legte direkt vor dem Eingang seines Baues Nahrungsreserven (Äste und Weiden) an. Foto: Josef Schalber

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