„Heimspiel“ für Baggersee-Freunde

Volles Haus in der Mehrzweckhalle von Weißenbach – fast alle Anwesenden teilten die Auffassung der „Initiative Biodiversität“: „Der Forchacher Baggersee muss erhalten bleiben!“         RS-Foto: Gerrmann

Bei der Infoveranstaltung in Weißenbach gab`s viel Rückenwind für Bürgerinitiative

Einen enormen Ansturm erlebte am Donnerstagabend die Mehrzweckhalle von Weißenbach: Fast 200 Menschen strömten zur Informationsveranstaltung der „Initiative Biodiversität“ in Sachen Forchacher Baggersee. Kontroverse Diskussionen gab es dabei freilich keine: Von den Befürwortern des Life-Projekts zur Renaturierung des Lechs war niemand anwesend – beziehungsweise meldete sich niemand zu Wort.

Von Jürgen Gerrmann

Für die Initiative präsentierte Wolfgang Schweißgut nochmals ausführlich die Argumente der erst vor Kurzem gegründeten Gruppe: Aus seiner Sicht ist es „ein entscheidender Fehler im Life-Projekt, dass man nur eine Lösung in den Antrag geschrieben hat.“ Zudem warf er dem beauftragten Gutachterbüro einmal mehr vor, schlampig und „unter Zeitdruck“ (so eine Formulierung in der Expertise) gearbeitet zu haben. Man habe nur einen Tag verwenden können, um nach seltenen Tieren zu schauen. Und so tauchten zum Beispiel nur elf gefährdete Arten als Bewohner dieses Biotops auf – in Wahrheit habe man aber bis dato 26 gefunden.
Eine Frauenschuh-Kolonie im „Eingriffsgebiet“ scheine ebenfalls nicht auf, der See werde mal als „weitgehend vegetationsfrei“ bezeichnet, mal auf einer Karte mit „Vegetation naturnaher Gewässer“ markiert.

Auf wackeligen Beinen?

Die Biodiversität (also die Vielfalt der Lebensarten) sei immer nur von der Auswirkung auf den Lech, nicht aber von den Folgen für den Baggersee aus beleuchtet worden. Kurzum: „Die Entscheidung für dieses Projekt steht auf wackeligen Beinen.“ Er frage sich, ob die Bezirkshauptmannschaft Reutte in Kenntnis all dessen, was die Initiative nunmehr in letzter Minute zusammengetragen habe, die Freigabe für dieses Projekt erteilt hätte.
Walter Leitgeb untermauerte all dies mit Fotos und zeigte dabei auch, wie sich der See in den vergangenen beiden Jahrzehnten entwickelt habe. Zudem zitierte er die Definition eines Naturparks: Dabei handle es sich um ein Gebiet, das „im Zusammenwirken von Mensch und Natur entstanden ist.“ Auch namhafte Unterstützer präsentierte Schweißgut: Von Skisprung-Legende Toni Innauer, seines Zeichens WWF-Flussbotschafter, gab es ebenso Zitate wie von Fritz Gurgiser vom Transitforum.
Persönlich anwesend war der „Bluatschink“: Toni Knittel lobte die Arbeit der Flussbauer im Lechtal, die die Größe besessen hätten, alte Fehler der 80er Jahre zu hinterfragen und zu korrigieren (was österreichweit auf höchste Anerkennung stoße). Aber aus seiner Sicht störe es die Renaturierung des Lech nicht, wenn man diesen Baggersee belasse. Deshalb unterstütze er das Anliegen der Initiative: „Nomal genau hiluaga!“
Und der Steeger Pfarrer, Karlheinz Baumgartner, Konrad Lorenz-Staatspreisträger, sprach von einem „Gen-pool mit reicher Natur, die immer noch reicher wird.“ Ein „ungeahntes Wunder“ drohe zu verschwinden. Und das dürfe nicht sein: „Der Mensch liebt die Vielfalt des Lebens. Und unser Vater liebt sie auch. Schließlich hat er sie ja geschaffen.“
„Dieser Unsinn kostet Geld“, merkte Walter Pittracher aus Ehenbichl in der Diskussion an. Die entsprechende Summe wurde später auf 103 000 Euro beziffert. Robert Lang aus Forchach, seit langen Jahren im Tourismusverband aktiv, berichtete, dass „die Urlauber, die dieses Kleinod entdecken, begeistert von dem klaren Wasser dort sind.“ Das Life-Projekt sei „von Leuten entschieden worden, die gar nicht hier wohnen.“
Auch die Politik meldete sich zu Wort: FPÖ-Bezirksobmann Fabian Walch kündigte an, dass seine Partei die Sache in der Oktober-Landtagssitzung zur Sprache bringen werde – entweder als Anfrage oder als Antrag. Die grüne Bezirkssprecherin Regina Karlen zollte erstmal dem enormen Einsatz der Initiative großen Respekt. Der See sei wirklich schön, sie persönlich aber keine Fachfrau. Ihre Parteifreundin, Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe, habe sich bei ihrer Position auf das Urteil von Fachleuten verlassen. Aber auf jeden Fall schade es nicht, sich den See nochmal genau anzuschauen. Im August werde es dazu ein Treffen der Verantwortungsträger geben: „Ich hoffe, dass sich da vieles klärt, damit wir das Bes-te für die Region erreichen.“

Petition läuft.

Wolfgang Schweißgut hofft derweil auf einen „echten Dialog“ – und auf möglichst viele Unterschriften für die von der Initiative gestarteten Petition. Schon am selben Abend gab es Schlangen vor den entsprechenden Listen. Seine Unterstützung dafür kann man bis 20. August auch im Internet zum Ausdruck bringen – unter www.initiative-biodiversität.at.

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