Helge Schneider, Superstar!

Eine Bühnenpersönlichkeit, deren Schein mühelos bis zu den hintersten Rängen im Glenthof reichte – Helge Schneider. RS-Foto: Mattt

TschirgArt Jazzfestival 2018: Abschlusskonzert mit Augenzwinkern

Da konnte selbst der Eurovision Songcontest kaum mithalten: Mit bewährtem Charme und brandneuer Sonnenbrille setzte der einzig wahre Helge Schneider den Schlusspunkt des diesjährigen TschirgArt Jazzfestivals im Imster Glenthof – inklusive aberwitziger Anekdoten, Flatulenzen per Smartphone-App und zwischendurch Jazz auf höchstem Niveau.

Von Manuel Matt

Selbst ein Multiinstrumentalist spielt selten gern allein. Virtuose Unterstützung erhielt Schneider von Rudi Olbrich und Peter Thoms (v.l.). RS-Fotos: Matt

Es gibt wohl kaum einen Unterhaltungskünstler, der absurde Selbstinszenierung derart kunstvoll zelebriert wie Helge Schneider. Beinahe überlebensgroß schreitet er über die Bühne, zieht sich schniefend die Hosen hoch und wickelt ganz nebenbei das Publikum mühelos um den kleinen Finger. Diese beneidenswerte Souveränität endet freilich nicht beim weltmeisterlichen Klamauk, ist Schneider doch ganz nebenbei ein vortrefflicher Jazz-Pianist und Sänger, der statt Standards aus dem „Real Book“ lieber die wundersamen Abenteuer einer Wurstfachverkäuferin zu Gehör bringt. Eigentlich völlig ausreichend, um einen Abend lang köstlich unterhalten zu werden, möchte man als Zuhörer meinen – tatsächlich hat die liebenswerte Ikone als Multiinstrumentalist aber noch mehr als nur ein Ass im Ärmel. Spitzbübisch grinsend lässt Schneider an der Gitarre den Flamenco hochleben, spielt schrecklich-schön „Happy Birthday“ am Cello oder zeigt sein Können am Marimbaphon.

Nur Mut.

Dass Schneider nach mehreren Auftritten in der Bezirkshauptstadt über deren Geschichte und Eigenheiten besser Bescheid weiß, als er offenbar selbst zugeben wollte, zeigte sich beispielsweise in einer schmunzelnden Bemerkung über die Rolling Stones, die Imst im Jahr 1999 mit einem legendären Konzert adelten. Knapp 20 Jahre später sei den Rock-Dinos die Stadt wohl „zu popplig“ geworden, vermutete Schneider, der aber zu beruhigen wusste: „Wartet nur, die kommen schon noch angekrochen!“ Ihr Wort in Gottes Ohr, Herr Schneider!