Herausforderung für Außerferner Politikerin

Sonja Ledl-Rossmann liegt der Pflegebereich besonders am Herzen. Die Bundesrätin im Interview. Foto: Ziegler

Sonja Ledl-Rossmann gelobte in ihrer Funktion als Bundesratspräsidentin Österreichs neuen Bundespräsidenten an

Für die aus dem Außerfern stammende Politikerin Sonja Ledl-Rossmann begann das Jahr 2017 mit anspruchsvollen Herausforderungen. Seit 1. Jänner bekleidet Sonja Ledl-Rossmann das Amt der Präsidentin des Bundesrates. In dieser Funktion wurde Ledl-Rossmann die Ehre zuteil, am 26. Jänner 2017 den neuen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen anzugeloben. Die Rundschau in Reutte führte ein anregendes Gespräch mit der Politikerin und erfuhr einiges über die Ziele, die sie sich für ihre Amtsperiode gesetzt hat.

RUNDSCHAU: Frau Ledl-Rossmann, herzliche Gratulation zu Ihrem professionellen Auftritt und Ihrer gelungenen, ambitionierten Rede bei der Angelobung des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Wie erlebten Sie diesen besonderen Moment?
Sonja Ledl-Rossmann: Es war in der Tat eine besonderer Moment und auch ein Zufall, dass  während  einer Amtszeit als Präsidentin des Bundesrates auch unser Bundespräsident angelobt wird. Der 26. Jänner 2017 ist auch ein historisches Datum, denn noch nie zuvor hat eine Tiroler-
in einen Tiroler als Bundespräsident angelobt. Ich habe Alexander Van der Bellen vor Weihnachten getroffen und wir verstanden uns von Anfang an. Uns verbindet auch eine inhaltliche Einigkeit.

RS: Angelobungsformel und protokollarischer Teil sind vorgegeben. Konnten Sie bei Ihrer Antrittsrede in eigenen Worten vorbringen, was Sie bewegt?
Ledl-Rossmann: Die Angelobungsformel ist genau in der Verfassung festgehalten, die Angelobung muss verfassungsgemäß ablaufen. Das reicht von der Abholung des Bundespräsidenten bis zur eigentlichen Angelobung. Spielraum gibt es nur bei der Rede. Für meine Zeit als Präsidentin des Bundesrates steht mir ein Pressesprecher zur Seite, mit dem ich zusammenarbeite. Natürlich brachte ich hier meine eigenen Worte ein. Mir ist es besonders wichtig, authentisch zu sein. Wegen meines Tiroler Dialekts gab es keinerlei Auflagen. Das war noch nie ein Problem, weder beim Landtag noch beim Bundestag. Fast jeder Abgeordnete lässt durch eine gewisse dialektische Färbung seiner Reden erkennen, wo seine Heimat ist. Wie gesagt, mein Leitsatz lautet: „Es muss authentisch sein.”
RS: Im Vorfeld der Wahl wurde Alexander Van der Bellen oft dafür kritisiert, zu wenig volksnah zu sein. Er sei zu intellektuell und spräche vor allem Menschen mit universitärem Hintergrund an. Wie haben Sie den Menschen Alexander Van der Bellen kennengelernt?
Ledl-Rossmann: Er ist, ebenso wie ich, ein sehr authentischer Mensch. Egal, ob er vor dem Parlament spricht oder sich mit Leuten auf der Straße unterhält, er sagt, was er denkt und bleibt seinem Weg treu. Er verstellt sich nicht, das gefällt mir sehr gut. Van der Bellens Reden sind fast immer sehr spontan und manchmal auch etwas unkonventionell. Auch seine Liebe zu Tirol, wo er doch viele Jahre seines Lebens verbracht hat, ist nicht gespielt, das ist alles echt. Diese Verbundenheit gibt es wirklich und das merkt man, wenn man sich privat mit ihm unterhält.

RS: Sie sind jetzt für sechs Monate Präsidentin des Bundesrates. Während Ihrer Amtszeit möchten Sie den Pflegebereich in den Fokus stellen. Können Sie kurz umreissen, was Sie sich als wesentliche Ziele gesteckt haben?
Ledl-Rossmann: Wir haben in Österreich ein sehr gutes Pflegesystem. Ich habe mir als wesentliche Ziele gesetzt, diese qualitätvolle Pflege für alle schaffbar, sichtbar und leistbar zu machen. Schaffbar heißt, Angehörigen die bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen. Pflege ist leider oft noch ein Tabuthema, pflegende Angehörige scheuen sich oft davor, Hilfe anzunehmen. Tagespflege, Kurzzeitpflege und mobile Pflege sollen noch mehr ins Zentrum gestellt werden. Pflegende, die diese Hilfestellungen schon einmal in Anspruch genommen haben, erkennen, wie gut ihnen eine Pflegeauszeit tut. Diese Schwellenangst muss überwunden werden. Sichtbar bedeutet, auch die Arbeitgeber zu sensibilisieren. Pflege und Beruf sind oft genauso schwer zu vereinbaren wie Familie und Beruf. Genau hier möchte ich ansetzen und erreichen, dass Arbeitgeber Pflegenden entgegenkommen. Bis 2021 sichert der Pflegefonds die Finanzierung des Pflegesystems. Ich möchte Nachhaltigkeit erreichen und vorbauen, dass auch nach 2021 diese finanzielle Sicherheit und leistbare Pflege erhalten bleiben. Ich plane eine Enquete, die sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigen soll.

RS: Trägt die Freiwilligenarbeit auch zur Erhaltung des hohen Pflegestandards bei?
Ledl-Rossmann: In unseren Gemeinden gibt es sehr viele Vereine, die soziale Aufgaben übernehmen. Freiwilligenarbeit spielt eine große Rolle. Freiwillige können begleiten, unterstützen und helfen. Es muss aber klar gesagt werden, dass Pflegeaufgaben nur von ausgebildetem Fachpersonal übernommen werden können.

RS: Auch Familien, die ein behindertes Kind zu Hause betreuen, leisten Großes und haben wenig Handlungsspielraum. Werden Sie sich hier auch stark machen, um Modelle zu entwickeln, die speziell auf solche Fälle abgestimmt sind?
Ledl-Rossmann: Als Obmannstellvertreterin bei der Lebenshilfe Reutte liegen mir Behindertenbetreuung und Unterstützung für betroffene Familien natürlich sehr am Herzen. Ich habe mit Dr. Franz-Joseph Huainigg ein Treffen vereinbart. Dr. Huainigg ist Abgeordneter zum Nationalrat und seit 2002 Behindertensprecher der ÖVP. Er sieht als Betroffener (Dr. Huainigg ist seit einer Impfung im Kleinkindalter an beiden Beinen gelähmt) die Problematik aus einer anderen Perspektive und  gemeinsam werden wir unseren Arbeitsweg in dieser Richtung festlegen. Mein Fokus wird aber –auch bedingt durch meinen beruflichen Werdegang– auf dem Pflegebereich liegen.

RS: Uns Außerfernern liegt die Verkehrsproblematik, vor allem entlang der Fernpassroute, besonders am Herzen. Bleibt Ihnen genügend Raum, sich auch hier weiter einzubringen?
Ledl-Rossmann: Selbstverständlich. Die tägliche politische Arbeit und die Bezirksarbeit gehen auch während meiner Präsidentschaft ungebrochen weiter. Ich arbeite eng mit der Nationalrätin Elisabeth Pfurtscheller zusammen. Sie ist der Kontakt zum Bundesministerium und als Außerfernerin auch direkt Betroffene. Gemeinsam machen wir uns weiter in dieser Thematik stark.