Herzblut und Leidenschaft

Wie breit die Palette der (Hobby)Kunst im Außerfern ist, konnte man am Wochenende in der Arbeiterkammer Außerfern bewundern. Bezirksgeschäftsführerin Dr. Birgit Fasser-Heiß (3. v.r.) freute sich am Freitag bei der Vernissage mit den zahlreichen Teilnehmern. Für die stimmungsvolle musikalische Umrahmung der Vernissage sorgte übrigens das Duo Weinklang (Celina Perl und Elias Walch). RS-Fotos: Gerrmann

Der 21. Kunstmarkt in der Arbeiterkammer war ein Spiegel der Außerferner Kreativität

Das Außerfern inspiriert. Das Außerfern macht kreativ. Das Außerfern weckt schöpferische Kraft. All das spürte man am Wochenende beim 21. Kunstmarkt in der Arbeiterkammer in Reutte

Von Jürgen Gerrmann

Bezirkskammerleiterin Dr. Birgit Fasser-Heiß zeigte sich bei der Vernissage am Freitagabend „hoch erfreut“, dass so viele Menschen zur Eröffnung gekommen seien und die Gelegenheit genutzt hätten, miteinander ins Gespräch zu kommen. Es sei einfach toll, dass die in allen Tiroler Bezirken stattfindende Veranstaltung künstlerisch begabten Menschen die Möglichkeit biete, ihre Werke auch der Öffentlichkeit zu präsentieren: „Es ist faszinierend, wie viel Mühe, Herzblut und Leidenschaft dahinter stecken.“ Sie hoffe, dass die Besucher auch an den Geschichten hinter den Bildern teilhaben könnten, sagte sie und dankte noch ihrem Team für die engagierte Vorbereitung der Ausstellung.
Kammerrätin Sabine Linzgieseder freute sich wie ihr Kollege Sieghard Wachter über die große und positive Resonanz auf die Veranstaltung: „Das Funkeln in den Augen der Künstler erzählt, wie viel Liebe hinter ihrer Arbeit steckt.“ Im Foyer und in drei Räumen der Arbeiterkammer bekam man dann einen breiten Überblick über das (hobby)künstlerische Schaffen im Außerfern: Rainer Kuen aus Höfen verwandelte zum Beispiel original alte Schallplatten in Wanduhren – indem er Acrylfarben ineinander fließen ließ und danach Zeiger auf der Vorderseite und Uhrwerke auf der Rückseite montierte. Ernst Forcher aus Ehenbichl wiederum präsentierte zum einen Collagen, in denen Züge eine große Rolle spielen und zum anderen Acrylmalereien, die Titel wie „Hund“, „Rennstrecke“ oder „Gesichter“ trugen.

Kunst als Schlüssel.

Regina Maier aus Reutte malt modern und abstrakt in Acryl, Ölpastell, mit Kohle und Bleistift und ist überzeugt: „Kunst kann ein Schlüssel sein zu den zärtlichsten, intimsten Anteilen des Lebens.“ Karoline Ranacher hat sich dem „Fluidpainting“ verschrieben, bei dem die Farben ineinanderfließen und sowohl Gegenständliches als auch Abstraktes dabei herauskommen. Sie sagt: „Malen ist für mich ein täglicher Neubeginn.“
Obwohl Silvia Morandell aus Lechaschau abstrakt malt, gibt sie doch auch viel von sich preis: „In all meinen Bildern spiegeln sich meine Lebenslinien wider. Sie verschieben sich so, wie meine Stimmung gerade ist.“ Wobei sie besonders die Erdtöne liebe: „Die haben was Beruhigendes.“ Holzbildhauer Daniel Praxmarer aus Häselgehr zeigte sowohl Sakrales als auch Profanes. Zu Ersterem zählte neben Kreuzen oder einer Skulptur des Heiligen Sebastian auch ein Werk, das sich mit den Fließer Pfarrer Alois Maaß auseinandersetzt, der im Tiroler Freiheitskampf – anders als Andreas Hofer – auf eine friedliche Lösung gesetzt hatte, zum Letzterem zwei lackierte Betonköpfe, die aus einem hölzernen Stamm hervorlugen. Seine Frau Chrisma kombiniert Acrylfarben mit Alufolie, Spachtelmasse oder Holz. Die Kunst ist für sie „Ausgleich für meine Arbeit als Pflegeassistentin.“ Dabei mischt sie die Dinge so mitein-ander, wie es ihr gerade in den Sinn kommt: „Ich bin sehr spontan, arbeite viel nach Gefühl.“

Radierungen und Tiffany.

Die Arbeiten von Sylvia Muth aus Lermoos „gehen immer von der Figur aus – auch das Abstrakte entwickelt sich daraus.“ Beim Kunstmarkt zeigte sie Kaltnadelradierungen und Aquatinta-Werke, aber auch Radierungen, die als Vernis Mou bezeichnet werden. Ins Deutsche übersetzt: Weichgrundätzung. Matthias Junker aus Häselgehr hatte Bleistift- und Kohlezeichnungen von Menschen, Früchten, Häusern oder Federkielen mitgebracht, aber auch von Details wie Augen. Die Leidenschaft von Rosemarie Glätzle aus Reutte sind wiederum Tiffany-Glasbilder von Blumen, Windmühlen, Engeln, oft auch mit deutlichen Anklängen an den Jugendstil: „Ich liebe diese Arbeit von Herzen. Sie macht mir wahnsinnig Spaß.“ Hannelore Gnadlinger vom Projekt Schulkinder Nepal zeigte nichts Eigenes. Für diesen Stand hatten Künstler wie Hannes Biber, Wolfgang Rieder oder Lore Havemann Bilder gestiftet, die für die gute Sache verkauft wurden.

Emotionen in Acryl.

Brigitte Lang aus Reutte setzt Emotionen in Acryl um – sei es nun die Einsamkeit, die Zukunftshoffnung oder das Ja zum Gefühl an sich. Aber auch der Traumfänger oder die Schamanin mit den sieben Chakren und den vier Elementen Feuer, Erde, Luft und Wasser beziehen ihre Kraft aus dem Innersten der Künstlerin.
Alois Redolfi aus Reutte präsentierte Fotos von Landschaften. Sie waren eher groß. Doch seine Frau Regina setzt auf das kleinere Format und übermalt die Fotos mit eigenen Inspirationen. Der Beitrag von Hans-Günter Rettenbacher waren wiederum Einlegearbeiten mit ungefärbten Edelfurnieren – eins davon mit dem Porträt Che Guevaras.

Abstraktes und Edelweiss.
„Rundschau-Pflanzenexpertin“ Christine Schneider vor ihren Bildern.

Die Reuttenerin Christine Schneider ließ die große Bandbreite ihres künstlerischen Schaffens spüren – es reichte von Porträts über Abstraktes in Mischtechnik bis hin zu einer bemerkenswerten Edelweiß-Serie jenseits des Gewohnten. Anna Strickner aus Lermoos bot ebenfalls Vielfalt: Acrylbilder, ein Mosaik, Holzscheiben, Brandmalerei und ein Sandbild. Roswitha Seiser aus Häselgehr hat in der Pension in der Kunst ein schönes Hobby gefunden: „Als Bankangestellte hatte ich dazu keine Zeit.“ Nun bringt sie Tiere, Clowns oder Obst-Stillleben farbenfroh zu Papier.
Vor 16 Jahren ist Maria Zürcher ebenfalls in der Pension zu ihrer Tochter nach Breitenwang gezogen. Das Wandern ist ihre große Leidenschaft, dabei macht sie Fotos, nach denen sie dann daheim malt: Zu den Bildern, die sie nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit zeigte, gehört ihr Elternhaus in Schönengrund im Schweizer Kanton Appenzell ebenso wie Steinböcke oder Lechtaler Szenerien. Chris Namesnik aus Nesselwängle will den Betrachter in seine Kunst miteinbeziehen – durch seine Acryl-Holz-Puzzles, die sich buchstäblich be-greifen und verändern lassen. Zudem: „Gefühl spielt für mich eine große Rolle.“ Deswegen verwandle er auch Hoffnung, Geborgenheit und Melancholie in Bilder.
Daniel Kofler aus Reutte hat sich der Landschaftsfotografie verschrieben. Seine wunderschönen Großformate führen höchst stimmungsvoll zum Plansee im Morgenlicht, zum Sieglsee im Schwarzwassertal oder zu einer alten Brücke am Schwanensee. Sehr berührend war der vom Ehrwalder Franz Hosp betreute Stand: Seine Frau Magdalena („Sie hat gemalt, ich bastle“) zählte zu den Kunstmarkt-Teilnehmern der ersten Stunde, war aber im Mai verstorben. Nun zeigt er nochmals einige ihrer Natur-Gemälde: „Sie war aus Barcelona, aber bei uns in den Bergen hat es ihr so gut gefallen, dass sie (die Berge) ihr Lieblingsmotiv waren.“
Kunstmarkt-Premiere feierte Gerhard Hammerle aus Bach: Bei „pro mente“ in Reutte hat er Schnitzen gelernt und brachte Engel, Adler, Eichhörnle und Specht mit. „Ich liebe Menschen und ihre Gesichter“, sagt Liliana Saran aus Reutte und porträtierte Nachbarn, Tochter, Nichte und Schwiegersohn, aber auch Sophia Loren und Meghan Markle mit Bleistift: „Sehr wichtig sind für mich die Augen. Durch sie bekommen meine Bilder eine Seele.“ Margarethe Walk aus Vils experimentiert beim Malen gerne – „auch mit der Spachtel“. Und damit gestaltet sie Motive wie Pflanzen, Landschaften oder die vier Elemente. Michelle Forcher aus Höfen schließlich hat vor Kurzem das Malen auf kaputten Buchseiten, die sie auf dem Flohmarkt findet, für sich entdeckt. Mit Tieren oder Figuren aus Filmen wie „Chasing Coral“ haucht sie ihnen neues Leben ein.

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Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.