„Highway to hell“ und die himmlische Integration

Andreas H. Buchwald präsentierte „Das Blut der Ratte III“. RS-Foto: Kofelenz

Andreas H. Buchwald liest in der Bücherei Reutte aus „Das Blut der Ratte III“

Andreas H. Buchwald überzeugte sein Publikum mit einem sprachlichen Feuerwerk, es war ein schieres Vergnügen, ihm zuzuhören. Der dritte Band seines elfteiligen Rahmenromans ist erschienen und verspricht, mindestens gleich gut, wenn nicht noch besser als die beiden Vorgänger zu sein.

Von Sonja Kofelenz

Einleitend brachte Barbara Scheck, Lebensgefährtin und kritische Lektorin des Autors, die Besucher der Lesung aus „Das Blut der Ratte III“ auf Stand und gab einen Rückblick auf die Handlung der ersten beiden Bände.
Die Geschichte: Drei Obdachlose logieren in ihrer „Pennerresidenz“ und werden dort von einer übergroßen Ratte bei ihrem Tun beobachtet, was die drei Herren beängstigt. Ihren Tag bestimmt das ständige und abwechselnde Beschaffen von Lebensmitteln auf recht findige Art und Weise. Alsdann sitzen die drei Helden in ihrem gewählten Domizil um den Ofen, schlürfen Bier und lesen sich Geschichten vor. Grund für ihr literarisches Interesse ist der Fund eines Hutes, gefüllt mit 11 Schriftrollen und beschrieben mit braunroter Tinte – Blut? – Rattenblut?
Buchwald verpackt in die Rahmenhandlung rund um die drei Männer eine bunte Mischung an Kurzgeschichten, die unterschiedlicher nicht sein können – oder gibt es doch einen Zusammenhang? Diese Frage löst auch der dritte Band der insgesamt 11 geplanten Bände noch nicht. Der Autor beschreibt skurrile Begebenheiten mit überraschenden Wendungen. Kritische, heitere, gar soziale Themen liegen den Geschichten zugrunde.
Allein schon durch seine ausdrucksstarke Sprache und eine überwältigende Wortwahl bezauberte Buchwald seine Zuhörer. Ein wahrer Wortkünstler, der mit unbeschreiblichen Formulierungen garantiert für Lachsalven sorgt. Aus Band III gab er zwei gegensätzliche Geschichten zum Besten. Er nahm die Zuhörer mit in die Hölle: Ein Teenager rebelliert gegen seine bigotten und der klassischen Musik verfallenen Eltern, um schlussendlich auf dem „Highway to hell“ zu enden. Ein ganz besonderes Vergnügen bereitete er dem begeisterten Publikum mit seiner Beschreibung des Himmels. Ein Pastor trifft bei Petrus am Himmelstor ein. Dort erwartet ihn jedoch nicht das, woran er sein ganzes Leben geglaubt hat. Von nacktem Jesus nebst Geliebter bis zur Abschiebung Unwilliger gab der Autor die „Himmlische Integration“ wider und stellte religiöse Vorstellungen völlig auf den Kopf. Zitat aus dem Buch: „Das werde ich dir nicht vorenthalten“, so Petrus zum Pastor, als es immer wilder wurde. Darauf der Autor zum Publikum: „Aber ich!“ Und mit dieser findigen Aufforderung zum Weiterlesen bzw. ein Buch zu kaufen, schloss Andreas H. Buchwald seinen brillanten Vortrag. Im nachfolgenden Gespräch umriss er noch kurz seine schriftstellerische Arbeit und lud zu einem rattenmäßigen Buffet ein. Signiert wurde auch eifrig – natürlich mit dem Blut der Ratte.

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