„Himmel auf Erden“

Volksschauspiele-Geschäftsführerin Silvia Wechselberger, Obmann Markus Völlenklee und Bürgermeister Christian Härting freuen sich auf den baldigen Start der Volksschauspiele. RS-Foto: Agnes Dorn

Diese Woche starten die „Tiroler Volksschauspiele Telfs“ in die Spielsaison

„Eigenartigerweise ergibt sich immer ein roter Faden und heuer ist der eben ‚Himmel auf Erden’“, erklärt Markus Völlenklee, Obmann der Tiroler Volksschauspiele, die heurige Überschrift, die die drei großen Stücke des Telfer Kulturfestivals zusammenfasst. Daneben darf sich der Theaterfreund heuer wieder auf den Auftritt von Felix Mitterer als „Affe Rotpeter“ und ein vielfältiges Rahmenprogramm freuen.

Mit dem „charmantesten Wolpertinger der Theatergeschichte, einer Mischung aus Komödie und Mysterienspiel – dem bekannten Brandner Kaspar von Franz von Kobell und Kurt Wilhelm, werden die heurigen Tiroler Volksschauspiele im Zirkuszelt am Thöni-Festplatz eröffnet. Markus Völlenklee, der sich auch für die Regie des Stücks verantwortlich zeigt, gibt den Tod, den Boandlkramer, der den Brandner Kaspar (Alfred Kleinheinz) gerne vor das Jüngste Gericht bringen will. Doch der will nicht so recht und so beginnt das zumindest für die Zuschauer lustvolle Spiel um Leben oder Tod. Die Bühne, die sich heuer im Zirkuszelt den Besuchern öffnet, besteht passenderweise aus Erde und Himmel und genügt sich selbst dank schlichter Requisiten. Premiere des Brandner Kaspars ist am 22. Juli um 20 Uhr. Neben diesem Klassiker unter den Volksstücken darf man sich heuer auf eher harte Kost freuen: „Hamlet ist tot. Keine Schwerkraft“ von Ewald Palmetshofer verspricht eine Inszenierung zu werden, die in die existenzialistischen Abgründe mehrerer Gestalten führt. Mit Klaus Rohrmoser, Ute Heidorn oder Johannes Gabl finden sich bekannte Darsteller der Volksschauspiele auf der Bühne des Großen Rathaussaals zusammen, um sich der Frage der Perspektivlosigkeit des eigenen Lebens und des leeren Himmels zu stellen. Das von Susi Weber inszenierte Stück ist vom 28. Juli bis Ende August zu sehen.

LAMPEDUSA.  Auch der Kranewitterstadl wird heuer wieder unter den erprobten Händen von Bühnenbildner Karl-Heinz Steck zum Aufführungsort der Tiroler Volksschauspiele: „Lampedusa“ von Anders Lustgarten hat zwei ineinander verschachtelte Monologe zum Inhalt, die laut Völlenklee „die Flüchtlingsproblematik aus den Spurrillen der gängigen Meinung hievt“. Dem Fischer, der inzwischen anstelle lebender Meeresbewohner nur noch menschliche Körper aus dem Wasser zieht und Verachtung für die Hoffnung der Flüchtlinge empfindet, steht eine chinesische Wirtschaftsstudentin gegenüber, die den dem kapitalistischen Traum verfallenen Schuldnern einer Inkassofirma das letzte Geld aus der Tasche zieht. Beide Figuren zeichnen schonungslos das zerstörte Bild eines Paradieses auf Erden, das niemals Wirklichkeit gewesen ist. Doch hinter der Fassade des Scheins lässt Autor Lustgarten Hoffnung aufkommen: „Der große Spiegel mag zerbrochen sein, aber die Scherben reflektieren Licht – richtiges Licht“, verspricht Völlenklee eine nicht ganz der Hoffnungslosigkeit gewidmete Inszenierung. Ab 25. Juli lässt sich in die Welt von Lampedusa eintauchen, Regie führt Thomas Blubacher, für die musikalische Leitung zeichnet sich Jakob Köhle verantwortlich.

CHRISELDYS-AUSSTELLUNG IM RAHMENPROGRAMM. Letztes Jahr wäre eigentlich auch Franz Kafkas „Ein Bericht an eine Akademie“ auf dem Programm gestanden, die Vorstellungen mussten jedoch allesamt abgesagt werden. Dafür betritt heuer wieder Felix Mitterer als „Affe Rotpeter“ die Bühne, um über seine Menschwerdung Rechenschaft abzulegen. Musikalisch begleitet wird er dabei von Siggi und Juliana Haider, die den großen Tiroler Dramatiker bei seinen Darbietungen alter Schlagerstücke instrumental begleiten. Nur am 1. und 2. September wird man die Möglichkeit haben, sich die Mutation Mitterers zum Affen zur Gemüte zu führen. Auch das Rahmenprogramm hält heuer wieder einige Schmankerln bereit: Der kürzlich verstorbenen Künstlerin Chryseldis Mitterer-Hofer wird bei einer Ausstellung ihrer Werke gedacht, die am 20. Juli um 19 Uhr in der Villa Schindler eröffnet wird. Am 30. August wird ihr Felix Mitterer außerdem eine Lesung widmen. Neben einigen anderen Lesungen (unter anderem mit Christine Ostermayer, Julia Gschnitzer und Annemarie Regensburger) wird es heuer erstmals eine musikalische Begegnung zweier deutschsprachiger Urgesteine geben:  Am 25. und am 26. Juli werden sich Willi Resetarits und Georg Ringsgwandl jeweils ab 20 Uhr mit Bandkollegen ein Stelldichein im Rathaussaal geben.

Von Agnes Dorn

Der Brandner Kaspar tritt mit dem Broandlkramer über einen kurzen Besuch ins Jenseits in Verhandlung. RS-Foto: Agnes Dorn
Lampedusa ist nicht das erträumte Paradies und auch das Ideal des Kapitalismus wirft dunkelste Schatten auf das irdische Dasein. RS-Foto: Agnes Dorn

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