Hüter der Frischluft

Liebe Freunde der Disziplin!

Unlängst fühlte ich mich wie ein Krimineller. Ich wartete am Bahnhof in Innsbruck auf den Zug. Da dieser zehn Minuten Verspätung hatte, zündete ich mir eine Zigarette an. Um niemanden zu belästigen, entfernte ich mich geschätzte 50 Meter von den anderen Passagieren. Plötzlich eilte mir ein Mann in Eisenbahner-Kleidung nach. Schroff fragte er mich, ob ich nicht wisse, dass an Bahnsteigen neuerdings Rauchverbot herrsche. Ich machte noch zwei Züge, löschte meinen Glimmstängel aus und warf ihn in Ermangelung eines Aschenbechers in den Gleiskörper. Da zischte der Uniformierte giftig: „Ich möchte nicht wissen, wie es bei dir Zuhause aussieht!“ Wortlos nahm ich zur Kenntnis, dass mein Nicht-Du-Freund sich für meine Privatsphäre interessierte. Kurz darauf saß ich im Zug. Derselbe Mann kontrollierte meine Fahrkarte. Mit einem Scanner. Ich möge gefälligst das Ticket aus der Klarsichthülle nehmen, da sonst sein Gerät nicht funktioniere. Was ich wieder wortlos tat. Zwei Sitze weiter schnauzte er einen Pendler an, er solle ihm ins Gesicht schauen, wenn er ihn kontrolliere. Der Betroffene reagierte gereizt, fragte den Schaffner, wie er heißt und ob er eine Dienstnummer habe. „Ich bin hier der Chef im Zug. Das muss doch genügen!“, knurrte der offensichtlich genervte Zugbegleiter. Mir tat er irgendwie leid. Und ich dachte an einen Sinnspruch unseres geliebten Alt-Bischofs Reinhold Stecher, der da sagte: „Je mehr ein Mensch die Gedanken um seine eigene Autorität kreisen lässt, desto weniger hat er!“ Klarstellen möchte ich: Dieses ist ein Einzelfall. Die allermeisten ÖBB-Bediensteten sind höflich und pflegen einen freundschaftlichen Umgang mit uns Fahrgästen. Ihnen gebührt mein höchster Respekt!

Meinhard Eiter