I wear narrisch…!

Liebe Freunde der Nostalgie!

Was tun Sportreporter, wenn ihre heimischen Athleten versagen? Sie glorifizieren die Vergangenheit. Und huldigen den Helden von einst. Zum Start der Fußballweltmeisterschaft in Russland präsentierten unsere ORF-Chauvinisten im Fernsehen nicht die teilnehmenden Mannschaften aus aller Welt. Nein. Sie penetrierten das Thema Cordoba. Zum x-ten Mal. Das 3:2 Österreichs gegen Deutschland aus dem Jahr 1978. Ein Ereignis, das zwei Männer schlagartig zu Legenden machte. Zum einen Johann K., den singenden Goleador Krankl, der als Torschützenkönig bei Barcelona und als Hit-Paraden-Stürmer in Wien zu Ruhm und Ehre kam. Und zum zweiten bescherte uns dieser historische Sieg das unsägliche „i wear narrisch….!“ von der Sportreporterlegende Edi Finger senior.Als Trost für die Nichtqualifikation für die Fußball-WM in der einstigen Sowjetunion lädt Bundespräsident Van der Bellen die Helden von Cordoba zum Empfang. 40 Jahre ist ja ein Jubiläum. Und wen soll man denn sonst so empfangen? Außerdem war ja kurz zuvor Putin da. Einmal, um uns zu trösten. Und auch um der Welt mitzuteilen, dass es andere Diktatoren nicht nach Russland schafften. Statt Nord- spielt Südkorea, statt USA Mexiko. Und Erdogan schleuste seine Kicker in das Team der BRD ein. Wir Österreicher haben die Quali verbockt. Doch unser Ex-Trainer Marcel Koller hat es geschafft. Die Jobversorgungsabteilung des ORF machte den Schweizer zum TV-Experten. Wenn er die Serben oder Kroaten sieht, erklärt er, wie wir es gemacht hätten, wenn wir statt denen dabei gewesen wären. Kapiert, um was es geht? Ich nicht wirklich. Bei so etwas wear i narrisch…!
Doch die Chancen für die Zukunft stehen gut. In vier Jahren findet die WM in Katar statt. Da es dort im Sommer zu heiß für Fußball ist, werden die Ölscheich-Werbe-Spiele rund um Weihnachten ausgetragen. Experte ist dann hoffentlich Marcel Hirscher. Denn der kennt sich aus beim Wintersport.

Meinhard Eiter

 

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