„Ich habe gedacht: I stirb“ jetzt!“

Die RUNDSCHAU sprach mit Daniel Federspiel in der Werkstatt Imst über sein Augenleiden und seine WM-Pläne.

Daniel Federspiel über sein Augenleiden und seinen WM-Fahrplan

Sowohl sportlich als auch gesundheitlich machte Daniel Federspiel zuletzt einige Schlagzeilen. Die Geschichte rund um sein rätselhaftes Augenleiden begleitete den Imster Weltmeister auch bei der Europameisterschaft in Schweden – wo Federspiel auf dramatische Weise die Silbermedaille holte. Zuletzt absolvierte der Mountainbike-Held neben einem regelrechten Ärzte- und Klinikmarathon auch verschiedene Sponsor-Treffen, unter anderem bei seinem Laufrad-Ausstatter Panchowheels. Dort wurden seinem Bike superschnelle Ceramicspeed-Lager verpasst. Die RUNDSCHAU traf „Feder“ in der Werkstatt Imst zu einem ausführlichen Interview.

RUNDSCHAU: Daniel, was viele Menschen und deine Fans brennend interessiert, ist dein Gesundheitszustand. Wie schaut es da aus?
Daniel Federspiel: Das geht jetzt schon seit dem 4. März

RS: Das genaue Datum weißt du da?
Federspiel: Ja. Ich bin in der Früh aufgewacht und hab fast nichts mehr gesehen. Seither bin ich eigentlich nur mehr beim Doktor. Ich war jetzt zweimal beim Augenarzt, in der Augenklinik, Kopf-MRT machen, dann die Nervenströme messen, beim Hausarzt, dann in der Klinik in Natters – und keiner findet etwas. Also organisch ist alles einwandfrei. Momentan bin ich bei einem Osteopathen und zusätzlich bei einem Energetiker, jetzt gehen wir diese Schiene mal an. Mental bin ich auch dran, zum Beispiel haben wir es schon zweimal mit Hypnose probiert.

RS: Was sagen die Ärzte? Gibt es irgendwo eine Essenz, einen Hinweis, der Aufschluss über dieses Problem geben könnte?
Federspiel: Nein, gar nichts, absolut nichts.

RS: Wie geht es dir mit solchen Diagnosen, das muss doch beunruhigen, oder?
Federspiel: Irgendwie nicht, weil organisch mal alles okay ist, das kann man jetzt wirklich ausschließen. Aber irgendwas muss ja da sein, weil sonst gibt es das nicht.

RS: Was sind genau die Symptome beim rechten Auge?
Federspiel: Ich sehe zum Beispiel permanent eine Farbstufe heller

RS: Jetzt zum Beispiel auch?
Federspiel: Genau, nur das stört momentan nicht, das blende ich mittlerweile aus. Aber wenn ich dann Stress bekomme oder meine Anspannung vor dem Rennen aufbaue, dann kommt das auch – und da bin ich körperlich noch gar nicht belastet. Während dem Rennen ist es ganz brutal, da sehe ich dann fast gar nichts mehr. Wenn ich das auf beide Augen hätte, könnte ich dem Weg nicht mehr nachkommen. Den tät“ ich nicht mehr finden.

RS: Wie kann man das Gefühl vergleichen?
Federspiel: Das ist so, wie wenn du länger in die Sonne schaust und du dann geblendet bist.

RS: Wie lange dauert dieser Zustand an?
Federspiel: Das kommt drauf an, je nachdem, wie lange die körperliche Belastung dauert. Zwischen den Heats (Läufe, bei der EM, Anm.) habe ich mich eigentlich relativ gut erholt, dann ist das wieder weg. Aber nach der „Quali“ habe ich mal stehen bleiben und vom Rad absteigen müssen, weil ich meine Betreuer nicht mehr gesehen habe. Das war wild. Gedauert hat dieser Zustand rund 20 Minuten.
RS: Vergeht das schlagartig wieder?
Federspiel: Nein, ganz langsam.

RS: Und dann ist es wieder weg?
Federspiel: Ja. Aber umso länger die Rennen gegangen sind, umso weniger habe ich mich erholt. Dann ist es zum Schluss im Finale… also, ich war so am Limit! Riskiert hätte ich nichts mehr. Die letzten drei Wochen davor, das hat mich so fertiggemacht – auch, weil keiner etwas gefunden hat. Dann habe ich auch nicht mehr so viel und intensiv trainiert

RS: Weil du auch unsicher warst…
Federspiel: Genau, damit es beim Training nicht gleich wieder da ist. Ich habe deswegen die letzten Wochen vor der EM nichts trainiert, bin nur Rad gefahren und bin nie an das Limit gegangen, das es in einem Rennen gibt. Dann ist das Rennen gekommen und da bin ich über meine Verhältnisse gefahren. Körperlich war ich dazu gar nicht in der Lage. Aber das kann ich, denn wenn es um etwas geht, kann ich noch eines drauflegen, dann kann ich etwas abrufen, das ich eigentlich gar nicht habe. Einerseits ist das gut, andererseits ist das brutal schlecht, weil so schlecht nach einem Rennen ist es mir noch nie gegangen. Ich habe mich nach dem Rennen, während der Preisverteilung – da hab ich runter gehen müssen -, und die gesamte Nacht übergeben müssen. Ich habe gedacht: „Ich stirb“ jetzt“. Außerdem haben mir die Nieren so weh getan, weil ich so viel Wasser verloren habe. Ich habe nicht mehr liegen, nicht mehr stehen, nicht mehr hocken können, bin die ganze Nacht gewandert – wenn ich das jedes Wochenende hätte, würde ich“s lassen. Ich habe eigentlich viel zu viel aus meinem Körper herausgeholt, als ich dazu in der Lage war.

RS: Natürlich musst du auch mit Druck umgehen können…
Federspiel: Das ist ja das nächste! Ich probier“ zwar, mir nicht so einen Druck aufzuerlegen, aber im Unterbewusstsein ist der immer da.

RS: Was sagt da deine Mutter dazu?
Federspiel: Die Mama ist jetzt mal von dem her beruhigt, dass organisch nichts ist.
RS: Wie machst du jetzt weiter, Daniel?
Federspiel: Jetzt bin ich zwei Wochen bis Ende Mai im Krankenstand, das habe ich mit der Gemeinde abgeklärt, und für dieses Entgegenkommen möchte ich mich herzlich bedanken. Dazwischen und nachher gibt es immer wieder ärztliche Termine. Jetzt schau ich aber mal, dass ich wieder mal ein bisschen runter komme – und Anfang Juni werde ich nach Livigno (ITA) fahren und dort drei Wochen nochmal ein Höhentrainig machen, damit ich mich da in Ruhe auf die WM (29. Juni) vorbereiten kann.

RS: Es geht also auch um eine Art Doppel- oder Mehrfachbelastung?
Federspiel: Genau, um das geht es! Und wenn ich dort den ganzen Tag nichts anderes tun muss als trainieren, dann geht das – glaube ich. Dann kann ich mich auf das konzentrieren. Das brauche ich und ich weiß auch, dass das so passt. Mein sportliches Niveau ist ja jetzt auch nicht schlecht, ich habe im Winter und bis jetzt gut trainiert. Nach Livigno bin ich dann wieder ein paar Tage daheim – und dann geht“s zur WM in Nove Mesto (CZE).

RS: Wie schätzt du die Chancen ein, bei der Weltmeisterschaft?
Federspiel: In Nove Mesto habe ich noch nie gewonnen, weil ich immer ein bisschen Pech hatte – aber dort ist meine absolute Lieblingsstrecke. Letztes Jahr war ich mir sicherer, dass ich heuer gewinne, als letztes Jahr in Andorra (WM-Titel). Meine Bedenken waren diesbezüglich, weil Andorra einfach so hoch lag. Aber ich weiß, in Nove Mesto, mit 150 Meter asphaltierter Zielgerade, da wo ich meine PS auf den Boden bringe (lacht)

Von Albert Unterpirker

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