Ich lebe die Nostalgie bis zum Schluss

Der Oberhofener Franz Ebner kann auf 99 aufregende Lebensjahre zurückblicken. In der wohlig warm beheizten Küche seines Hauses empfing er die RUNDSCHAU und erzählte ausführlich über sein bewegtes Leben. Fotos: Wolfgang Rives

Franz Ebner ist der älteste Bürger der Gemeinde Oberhofen – Er feiert im kommenden Juli seinen 100er

Ab heute startet die RUNDSCHAU Telfs eine neue Reportagereihe, in der wir unseren geschätzten Lesern die ältesten Dorfbewohner der Region vorstellen. Wir freuen uns auf viele spannende und interessante Geschichten und bekommen vielleicht auch den einen oder anderen Tipp, wie man ein hohes Alter erreichen kann. Den Anfang unserer Serie machen wir in der Gemeinde Oberhofen. Hier lebt der 99-jährige Franz Ebner, den einst die Liebe seines Lebens von Kärnten nach Tirol verschlug. Der rüstige Herr lebt mittlerweile alleine und zurückgezogen oberhalb des Dorfes. Für ihn ein Genuss, denn seine Liebe gilt der Natur. 

„Ich lebe hier in meinem kleinen Häuschen inmitten der Natur und pflege die Gelassenheit“, beginnt Franz Ebner unser Gespräch und verweist auf die einsame Lage des Einschichthofes. „Im Großen und Ganzen versorge ich mich selber. Der erste Weg nach dem Aufstehen führt mich in meine Küche. An den kalten Wintertagen ist es besonders wichtig, gleich den Ofen anzuheizen, damit es schön warm ist“, so Ebner weiter. Einzig das Kochen überlässt er mittlerweile anderen. „Bis vor einem Jahr habe ich noch selber gekocht. Aber die Arbeit geht nicht mehr ganz so leicht von der Hand und deshalb habe ich das Angebot angenommen, mir meine Mahlzeiten zukommen zu lassen. Ich bekomme täglich mein Essen auf Rädern geliefert. Schmecken tut es mir hervorragend, zudem ist es abwechslungsreich“, betont der Pensionist. Seit seine Gattin Oswalda vor nunmehr über zwanzig Jahren verstorben ist, verbringt der gelernte Zimmermann seine Zeit großteils auf sich alleine gestellt. Aus der Ehe gingen keine Kinder hervor, sein Neffe Peter hat aber immer ein Auge auf Onkel Franz.

VOM MÖLLTAL IN DEN KRIEG. Der gebürtige Kärntner verbrachte die erste Lebensphase in seinem geliebten Mölltal. Franz Ebner kam im Juli 1917 als jüngstes von zehn Kindern In Napplach (Großgemeinde Reisegg) auf die Welt. In seinen späteren Jugendjahren verbrachte er die Schulzeit in der landwirtschaftlichen Fachschule Litzlhof, nahe Spittal an der Drau. Auf Grund der Vorkriegswirren und des darauf folgenden Kriegseintrittes im Jahre 1938 wurden alle jungen Männer quer durch das Land gemustert, so traf es auch Franz Ebner, der folglich aus dem Schulbetrieb gerissen wurde und der deutschen Wehrmacht beitreten musste.

„Ich war Mitglied in der 4. Batterie des Gebirgsregiments 111. Nach meiner Musterung wurde unsere Division nach Polen verlegt, wo wir südöstlich von Lemberg stationiert waren. In weiterer Folge begann eine jahrelange Reise in die skandinavischen Staaten“, berichtet der knapp 100-Jährige rückblickend auf die schwere Zeit des Weltkrieges. „Unsere Einheit war im dänischen Aalborg und später in Norwegen im Kampfeinsatz. Wir sollten die russischen Truppen zurückdrängen, die unaufhaltsam vorrückten. Über Narvik ging es schließlich an die Murmanskfront.

Als das Kriegsende nahte, marschierte die 2. Gebirgsdivision zurück, wo unser Weg in Trier endete“, erzählt Franz Ebner weiter. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft kam er über seine Heimat Kärnten nach Innsbruck, wo er auch seine zukünftige Gattin kennen lernte.

NEUES LEBEN IN OBERHOFEN. „Ich ging im Jahre 1947 nach Innsbruck. Hier erlernte ich den Beruf des Zimmermanns. Die Ausübung meiner Tätigkeit war mir immer wichtig. Bis zuletzt hatte die Arbeit Vorrang, Freizeit gab es für mich keine“, berichtet der rüstige Pensionist. „Meine Frau erbte ein Grundstück oberhalb der Gemeinde Oberhofen. Hier bauten wir in Eigenregie unser Häuschen. Mit der Hilfe von Freunden und Arbeitskollegen konnten wir das Gelände erschließen und schlussendlich auch bebauen“, erzählt Ebner weiter.

Das Wohnhaus steht heute noch unverändert, einzig seine Tiere hat Franz Ebner nicht mehr. „Früher hatten wir zwei Kühe und gelegentlich auch einmal ein Kälbchen. So konnten wir uns recht gut mit dem Nötigsten versorgen“, blickt der Oberhofener zurück. Auf die Frage wie er seine Zukunft sieht bzw. seinen im Juli bevorstehenden 100er feiern wird, antwortet Ebner: „Da nehme ich mir nichts vor. Ich habs ja eh schon gesagt. Ich lebe den Tag und pflege die Gelassenheit. Man weiß ja nie so genau, was auf einen zukommt.“

Von Wolfgang Rives

Oberhofens Dorfältester ist immer noch rüstig. In Bälde wird der gebürtige Kärntner 100 Jahre alt. Repro: Wolfgang Rives
Dieses Bild aus dem Album von Franz Ebner stammt aus dem Jahre 1982, als noch Kühe und Kälber den Einschichthof bevölkerten. Repro: Wolfgang Rives

Über Oberländer Rundschau

Die Oberländer Rundschau ist die regionale Wochenzeitung für die Bezirke Imst, Landeck, Reutte und Telfs im Tiroler Oberland.