Ihre Vorzugsstimmen haben nicht gereicht

Noch sitzt die Enttäuschung tief, aber Liesi Pfurtscheller ist bereit, einen neuen Weg einzuschlagen. RS-Foto: Schretter

Liesi Pfurtscheller wird den Regionalwahlkreis Oberland nicht mehr im Nationalrat vertreten

Es hat nicht ganz eine Woche gedauert, bis die Stimmen, Wahlkartenergebnisse und Vorzugsstimmen nach der Nationalratswahl vom 15. Oktober ausgezählt waren. Die Volkspartei kann mit ihrem Wahlergebnis sehr zufrieden sein. Für das Außerfern  gibt es dabei allerdings einen bitteren Beigeschmack.

Liesi Pfurtscheller, die bei der Nationalratswahl 2013 das Mandat im Wahlkreis Tiroler Oberland erreichen konnte, hat es diesmal nicht geschafft. In einem durchaus emotionalen Gespräch mit der RUNDSCHAU ließ sie die Ereignisse Revue passieren.
„Ich bin natürlich sehr enttäuscht. Man lernt zwar in der Politik, mit Enttäuschungen umzugehen – man weiß ja bei einer Wahl nie, ob man genug Stimmen erhält. Dennoch sind Wahlniederlagen schmerzhaft. Im Moment erhalte ich sehr viele Anrufe, höre viele tröstende und dankende Worte. Das tut mir gut, reißt aber die Wunden jedesmal wieder auf. Ich brauche einfach noch Zeit, um über meine Enttäuschung hinwegzukommen. Als positiver Mensch, der den Blick nach vorne richtet – werde ich aber wieder auf die Beine kommen und einen neuen Weg beschreiten“, so Liesi Pfurtscheller.
Dass mit vier Außerferner Kandidaten zu viele auf der Liste waren, glaubt sie nicht. Schon bei der Wahl 2013 war es so, dass es für jeden der drei Oberländer Bezirke vier Listenplätze gab. „Dieses Jahr waren im Außerfern zwei sehr rührige Herren unterwegs, von Imst ganz zu schweigen. Es hängt auch viel mit der Persönlichkeit zusammen. Aber, selbst wenn für das Außerfern nur ich auf der Liste gestanden wäre, hätte das am Ergebnis nichts geändert“, ist sie sich sicher. Reutte ist der kleinste Bezirk im Regionalwahlkreis. 44 050 Wahlberechtigten im Bezirk Imst und 33 670 Wahlberechtigten im Bezirk Landeck stehen 22 739 Wahlberechtigte im Bezirk Reutte gegenüber. Nur mit Reuttener Stimmen lässt sich eine Vorzugsstimmenwahl nicht gewinnen. „Mich im Wahlkampf vor allem auf den Bezirk Landeck zu konzentrieren, war ein mathematischer Ansatz. Ich wusste, dass ich in Imst keine Chance gegen Dominik Schrott haben würde, daher habe ich den Fokus auf Reutte und den Bezirk Landeck gelegt. Dominik Schrott hatte ein sehr gutes Team um sich. Für Wahlwerbung in diesem Umfang hatte ich die Ressourcen nicht“, erklärt Liesi Pfurtscheller ihre Wahlkampfstrategie. Dass sich drei Außerferner Bürgermeister explizit für Dominik Schrott ausgesprochen haben, hat sie sehr getroffen, zumal ihr keiner der drei einen logischen Grund für dieses Verhalten nennen konnte. „Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich vermute aber, dass dem zugrunde liegt, dass ich eine Frau bin und sie wieder einen Mann haben wollten“, mutmaßt Liesi Pfurtscheller.

Thema Fernpass. Das Thema rund um die Verkehrsproblematik am Fernpass war eine Herzensangelegenheit für Liesi Pfurtscheller. Sie ist eine Kämpferin für den Bau des Fernpass-Scheiteltunnels und des Tschirganttunnels. „Hier tut es mir besonders leid, dass ich jetzt nicht mehr die Gelegenheit habe, in Wien weiter Druck aufzubauen. Es ist ein so wichtiges Thema, das das gesamte Oberland betrifft. Wir waren auf einem guten Weg,  jetzt muss ich das Heft aus der Hand geben – das ist sehr schade. Mit Dominik Schrott teile ich nicht die gleiche Ansicht. Er sieht den Lösungsansatz in einem kreuzungsfreien Ausbau der Verkehrsverbindung über den Fernpass in den Zentralraum. Gott sei Dank haben wir jetzt aber die Aussage des Landeshauptmannes, dass der Scheiteltunnel kommt“, so ihre Stellungnahme dazu. LH Günther Platter hat zuletzt betont, dass gebaut wird – voraussichtlich wird es noch drei Jahre dauern, bis mit den Baumaßnahmen begonnen werden kann.

Hinterbänkler. Neu in den Nationalrat zu kommen, ist nicht einfach. „Man sitzt zuerst in den hinteren Bänken, kann sich Themen und Sprechzeiten kaum selbst aussuchen und muss sich Schritt für Schritt nach vorn arbeiten. Ich wäre bei einer zweiten Periode schon in einer besseren Position gewesen“, bedauert Pfurtscheller.
Frauenchefin der Tiroler VP möchte sie weiterhin bleiben, ansonsten hat sie noch keine Pläne für einen Verbleib in der Politik. „Ich war 36 Jahre berufstätig. Jetz werde ich mir eine Auszeit nehmen, lote meine Chance aus und suche mir dann einen Job. Wenn eine Tür zufällt, geht eine andere auf“, blickt  sie doch optimistisch in die Zukunft.
„Bei allen, die mir ihre Vorzugsstimme gegeben haben, möchte ich mich für ihre Wertschätzung und Unterstützung bedanken. Mit sehr vielen Menschen habe ich vier Jahre lang eine wunderbare und bereichernde Zusammenarbeit erlebt. Auch dafür möchte ich meinen Dank aussprechen“, schließt Liesi Pfurtscheller ihre Stellungnahme ab. Als besondere Herausforderung sieht sie die geografische Randlage des Bezirkes Reutte. Es braucht starke Stimmen, die vehement auf diese Situation aufmerksam machen. Das  unterstreicht auch Klaus Schimana,  VP-Bezirksgeschäftsführer in Reutte.  „Es ist schade, dass unser Bezirk jetzt auf Landes- und Bundesebene einfach schlechter vertreten ist“, so seine Ansicht.