Im Zeichen der Straße

Beim Auftakt zum VCA-Symposium: GF Christoph Tschaikner, Andrew Malura, Archäologe Dr. Gerald Grabherr, Obmann-Stv. Verein Via Claudia Augusta – Ernst Hornstein, Vize-Bgm. Klaus Schimana, Eva Lunger, Sprecherin der Tiroler Arbeitsgruppe Kultur-Bildung der Via Claudia Augusta, Vereinsobmann Walter Stefan, Bgm. Paul Iacob und Presidente Associazione „Via Claudia Augusta Italia“ Giorgio D’Agostini. (v.l.). Foto: RS-Schretter

Internationales Via Claudia Augusta Symposium in Ehrenberg

Die Römerstraße Via Claudia Augusta, die Po und Donau miteinander verbindet und dabei die Alpen überquert, erzählt eine zweitausend Jahre alte Geschichte – und wirft auch heute noch so manches Rätsel auf. Bereits gewonnene Erkenntnisse und noch zu erörternde Fragen, Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges waren Inhalt des internationales Symposiums, das am 19. und 20. Oktober in Ehrenberg stattfand.

Fachleute und Interessierte gaben sich in der Bretterkapelle auf der Ehrenberger Klause ein Stelldich-ein. Den Auftakt zum Symposium bildeten am Freitag der Empfang der Teilnehmer und vier Impulsvorträge, die die Via Claudia Augusta aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachteten.
Stefan Walter, Obmann des Vereins Via Claudia Augusta, zitierte bei seiner Begrüßung Dr. Elisabeth Walde, Archäologin an der Universität Innsbruck, die über die Via Claudia Augusta sagte, die Straße habe die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Region nachhaltig gefördert und den kulturellen Austausch entlang der Route verstärkt. Eine Straße von solcher Bedeutung verdient es, sich intensiv mit ihr zu beschäftigen.

Die Via Claudia muss weiterleben.

Der Füssener Bgm. Paul Iacob schloss sich dieser Meinung an. „Die Geschichte der Via Claudia muss immer wieder neu entdeckt werden. Die Straße verbindet Italien, Tirol sowie Bayern und wirft auch nach 2000 Jahren immer wieder Fragen auf. Immer wieder ergeben sich interessante Momente, die noch ungeklärt sind. Die Via Claudia Augusta muss am Leben gehalten werden, damit ihre Geschichte weiterverfolgt werden kann.“ Gerade der heurige warme und und trockene Sommer habe gezeigt, dass das Buch „Via Claudia Augusta“ noch nicht zu Ende geschrieben ist. „Aufgrund der großen Trockenheit ließen sich vom Flugzeug aus Zeichen auf den Feldern ausmachen, die neue Aspekte zur Via Claudia eröffneten“, ließ Paul Iacob das Publikum wissen.
Vize-Bgm. Klaus Schimana, Vertreter der Marktgemeinde Reutte, nannte die Via Claudia eine Straße, „die unsere Region prägt und uns immer wieder Kopfzerbrechen bereitet.“ Dass es dennoch viele Erkenntnisse zur Römerstraße im Außerfern gibt, sei vor allen Dingen Ernst Hornstein zu verdanken, den er als die „fleischgewordene Via Claudia“ bezeichnete. Ernst Hornstein ist Obmann-Stellvertreter des Vereins Via Claudia Augusta.

Impulse.

Im ersten Impulsreferat sprach Archäologe Dr. Gerald Grabherr von der Universität Innsbruck über die Handels- und Kulturkontakte aus Sicht der Archäologie. Die 350 römische Meilen lange Via Claudia Augusta verband Menschen und Kulturen. Funde zeugen von regem Handel und Austausch von Waren, Wissen und Fähigkeiten. Grabherr griff exemplarisch Biberwier heraus, wo am nördlichen Fuß des Fernpasses eine römische Siedlung lag. Zahlreiche Funde – Warenetiketten, Bleiplomben und Siegelkapseln lassen auf regen Warenaustausch schließen. Gehandelt und transportiert wurden Wein, Terra Sigillata – durch typische rote Farbe gekennzeichnetes Tafelgeschirr – und andere Keramik, ebenso wie Glas und Halbedelsteine. Diese Funde vermitteln, wie ausgedehnt und verzweigt das römische Handelsnetz war. So kam der Wein vor allem aus Rhodos, Südfrankreich, Spanien, Istrien und Italien. Campana-Ware, mit schwarzem Firnis überzogene Keramik, wurde in Süd- und Mittelgallien erzeugt und über die Via Claudia transportiert. Halbedelsteine kamen aus Mittelasien, die Glasbarren, aus denen in Italien Gläser hergestellt wurden, aus dem Orient.
Solch eine lebendige Geschichte muss weitererforscht und -erzählt werden, schloss Gerald Grabherr seinen Vortrag ab und leitete zu Stefan Fredlmeier über; er ist Tourismusdirektor in Füssen und betrachtet die Via Claudia unter diesem Aspekt.Touristiker übersetzen und vermitteln. Sie bedienen sich dabei der Produkte, die Sehnsüchte erzeugen. Eine Ursehnsucht des Menschen war es schon immer, die Alpen zu überqueren, so Stefan Fredlmeier, und: „Genau das macht die Via Claudia Augusta seit 2000 Jahren. Die Via Claudia ist als historische Straße ein attraktives Thema. Auch die Römer faszinieren Jung und Alt. Optimal ist hier bei uns, dass vieles aus der Zeit noch sichtbar ist.“ Für Füssen ist der Tourismus überlebenswichtig, der Attraktor Via Claudia Augusta zählt dazu. Für umliegende schwächere Destinationen gilt das Leuchtturmprodukt Via Claudia Augusta als unbedingter Impulsgeber. Die Via Claudia ist Wanderweg, Radweg sowie Straße und muss als Route für Touristen komfortabel gehalten werden. „Die Länge der Strecke ist eine Herausforderung, da die Route innerhalb einer Woche bewältigbar sein sollte. Ein internationales Produkt wie die Via Claudia Augusta zu managen, ist komplex und fordert Kooperation und interkulturelles Verständnis.“ So ist die Via Claudia Augusta ein Juwel, das in allen Facetten gepflegt werden muss, umreißt Fredlmeier abschließend die Anliegen der Tourismuswirtschaft.
Einen beinahe philosophischen und sehr interessanten Ansatz präsentierte Kulturmanager Andrew Malura. Andrew Malura ist Amerikaner mit europäischen Wurzeln. 2003 erbte er von seinem Vater, dem Maler Oswald Malura, ein Museum in Oberdießen nahe Landsberg. „Eine große Herausforderung und sehr schöne Aufgabe“, nannte Malura den mutigen Schritt, das außergewöhnliche Erbe anzutreten. „Mein Vater hatte als junger Mann eine Vision. Er wünschte sich, dass ihn die Wolken dorthin tragen, wo er Maler werden kann.“ So landete Oswald Malura in Oberdießen und richtete dort sein Atelier und später sein Museum ein. Dieses Museum sollte ein Ort sein, an dem Kunst die Brücke zwischen Religionen, Menschen und Kulturen bildet. „Hier schließt sich der Kreis. Kunst verbindet, überwindet Barrieren und Grenzen – so, wie es die Via Claudia Augusta seit Jahrtausenden auch tut“, so Andrew Malura. Das Museum, an der verbindenden Via Claudia Augusta, zeigt auf über 400 m2 Oswald Maluras Lebenswerk.
Die Straße als Achse der Kunst – Oswald und Andrew Malura pflegen sie ebenso, wie es die Wanderausstellung Incontri d’Arte 2015 tat, die entlang der Via Claudia Augusta zu bewundern war.
Christoph Tschaikner, Geschäftsführer der Via Claudia Augusta, schloss die Reihe der Impulsvorträge ab und stellte dabei die Bedeutung der Straße für die Wirtschaft in den Fokus. „Wenn vor 2000 Jahren ein Statthalter von seinem Einsatzgebiet in Nordafrika zu seinem Heimatort Epfach reiste – dort gab es seit etwa 14 v. Chr. am Lech eine römische Straßenstation, die die Aufgabe hatte, die Kreuzung der Via Claudia mit der alten Salzstraße, die von Salzburg kommend hier den Fluss überquerte und weiter nach Kempten führte – so tat er das auf der Via Claudia Augusta. Heute ist die historische Straße eine beliebte Radroute, die zweitbeliebteste der Deutschen im Ausland. Vom ADFC (Allgemeinder Deutscher Fahrradclub) wurde die Radroute wegen ihrer hohen Qualität mit vier Sternen ausgezeichnet. Ferner ist die Via Claudia ein Weitwanderweg und zudem auto- und campertauglich“, leitete Christoph Tschaikner seinen Vortrag ein. Die Zugriffe auf der Homepage zeigen, dass die Via Claudia weltweit interessant ist. Die Straße erzählt eine lange Geschichte, das ist ihr Alleinstellungsmerkmal. Diese einzigartige Geschichte wird aufgearbeitet und auf historischen Karten, einem Internetportal, einem virtuellen Museum uvm. dargestellt. „Die Via Claudia dealt mit Unternehmen und Produkten, die dann ihrerseits von der Straße profitieren können.“ Die Via Claudia Augusta färbt auf Unternehmen ab. Unternehmen, die die Berechtigung haben, dürfen die Marke „Via Claudia“ führen. Der Via Claudia Augusta Aufmerksamkeit schenken, tut der Wirtschaft gut.

Ausblick.

Bevor die Teilnehmer des Eröffnungsabends stilecht zu einem römischen Abendessen in das Restaurant „Salzstadel“ auf der Ehrenberger Klause gingen, wurde auf den zweiten Symposiumstag hingewiesen, der mit interessanten Vorträgen und einem Lokalaugenschein an der Trasse der Römerstraße und der Salzstraße zwischen Ehrenberg und dem Reuttener Talkessel aufwarten wird.