Imposantes Feuerwerk im Brass Band Sound

Einen Brass Band Sound vom Feinsten brachten diese Musiker mit nach Breitenwang. RS-Foto: Chauvin

Neujahrskonzert der Extraklasse mit dem amtierenden österreichischen Brass Band Meister

Mit der Brass Band Fröschl Hall stand der Sieger des 4. Österreichischen Brass Band Wettbewerbs 2017 auf der Bühne des VZ in Breitenwang und verzauberte die vielen Hundert Zuhörer beim Neujahrskonzert mit seinem fantastischen Spiel.  

Seit 2014 wird der Wettbewerb für Brass Bands in Österreich jährlich durchgeführt. Die Siegreichen werden dann zu den European Brass Band Championships, 2018 in Utrecht in den Niederlanden, entsandt und vertreten dort das Heimatland. Im Oktober konnten die Haller in Linz im Brucknerhaus die Juroren überzeugen.
Die Brass Band Fröschl Hall trat erstmals unter dem Dirigat von Corsin Tuor an. Mit den Pflichtstücken „Canterbury Chorale“ von Jan Van der Roost und „Harmony Music“ von Philip Sparke war Literatur der höchsten Schwierigkeitsstufe zu bewältigen. Sie erreichten Platz 1 vor der Austrian Brass Band aus Graz und der Brass Band Oberösterreich und gewannen das begehrte Ticket. Der neue Dirigent, der Schweizer Brass-Band-Spezialist Corsin Tuor, hatte es ausgezeichnet verstanden, die Spielweise der Band entsprechend zu formen und weiterzuentwickeln, was ihr nun diesen schönen Erfolg brachte. Sicherlich ist es interessant zu wissen, welche Instrumente von der Brass Band eingesetzt werden. Das sind ein Es-Soprankornett, zehn B-Kornette, ein Flügelhorn, vier Es-Althörner, zwei Baritone, zwei Euphonien, drei Posaunen, fünf Tuben und ein umfangreiches Schlagwerk, das von fünf Musikern bedient wird.

In Breitenwang. Doch nun zum Konzert selbst. So mancher Besucher wird sich gewundert haben, warum so viele Stühle auf der Bühne nicht besetzt waren, obwohl Bandleader Tuor schon mit seinem Dirigat begonnen hatte. Doch dann hörten sie aus drei verschiedenen Richtungen im Saal die Bläser dreier Register. Mit der Eigenkomposition „Stai si, defenda!“ eröffnete Tuor den Abend. Ebenso aus seiner Feder stammte der fröhlich wirkende CMS-March. Zackig wirkte sein Dirigat, emotionsgeladen seine Ausstrahlung, die auf seine Musiker überzuspringen schien. In mehreren Stücken waren Solopartien zu bewältigen, wie in der Cavatina aus „Norma” von Vincenzo Bellini (1801-1835). Hier brillierte Christian Oberleitner auf dem Sopran Kornett, indem er die Arie „Casta Diva“ übernahm. Schnell und spritzig kam die Tarantella „La Danza » von Gioacchino Rossini (1792-1868) daher, bevor das Pflichtstück „Canterbury Chorale“ des Belgiers Jan Van der Roost (*1956) mit enormer Klanggewalt und Fülle, doch auch mit ganz leisen und zarten Tönen präsentiert wurde und die Anwesenden in regelrechtes Staunen versetzte.
Vom Schweizer Komponisten Oliver Waespi (*1971) spielte die Band „Hypercube“. Siebzehn Minuten äußerst konzentriertes Spielen in den verschiedensten Variationen und Gruppierungen, gedämpft und dann wieder klar, fantastische Rhythmuswechsel und auch die Schlagwerker, mit ihnen die Pflacherin Hannah Wex, waren aufs Äußerste gefordert. Auch bei diesem Werk schien der Saal aus seinen Mauern platzen zu wollen. Bei dem anspruchsvollen „Fire in the Blood” des Engländers Paul Lovatt-Cooper (*1976) hatten zwei Trompeter, das Euphonium und ein Posaunist Soloeinlagen und begeisterten die Zuhörer. Ein weiterer kontemporärer Komponist Peter Graham (*1958) stand auf dem Programm mit „Brillante“, einem Stück für Euphonium Solo, das Christian Waldner wirklich brillant und rasant spielte. Ein wunderschönes, ruhiges Werk des Briten Peter Meechan (*1980) war „Starlight”, und zum offiziellen Ende entführte die Band noch nach Lateinamerika, auf den „Camino Real“ von Alfred Reed (1921-2005).
Bei den Zugaben zeigten die Musiker unter Corsin Tuor noch weitere Seiten ihres Könnens. Zu „At the Mambo Inn” von Mario Bauza, Grace Sampson & Bobby Woodlen hätte so mancher im Saal gerne getanzt, bei „Brooklyn“ von Nat McIntosh (1978) hatte Wolfgang Rabensteiner mit seiner Python Tuba seinen „umwerfenden“ Soloauftritt und mit Chuck Rios „El Cumbanchero“ beendeten die Musiker furios das Konzert. Hornist Werner Hackl, der an diesem Abend die Musikliebhaber mit viel Wissen als Moderator durchs Konzert führte, meinte im Gespräch nach der Veranstaltung: „Wir kommen sehr gerne nach Breitenwang, weil das Publikum besonders gut mitgeht und wir immer sehr freundlich aufgenommen werden.“ Sicherlich hören die Außerferner Musikliebhaber diesen Kommentar sehr gerne. Auf jeden Fall dankten sie den Akteuren mit langem, enthusiastischem Beifall und „Standing Ovations”.

Von Claudia Chauvin

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