Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Chronik | 27. September 2022 | Ewald Krismer

Dank Heinrich Findelkinds Erleuchtung

Dank Heinrich Findelkinds Erleuchtung<br />
Nach dem offiziellen Teil ein gemütliches Beisammensein im Keller des Stiftes:
Besser gesagt im Weinkeller, denn hier bunkert auch Weinguru Adi Werner einige
Flaschen seines besten Rebensaftes. Und es wäre ein Unding gewesen, hätte er nicht für seine Christopherusbrüder und -schwestern einige davon geköpft. Auch der bekannte forensisch-psychiatrische Gerichtsgutachter Reinhard Haller (l.) freute sich sichtlich, den edlen Tropfen kosten zu dürfen. RS-Foto: Krismer
Feedback geben
REDAKTION
Imst  Ewald Krismer
Artikel teilen
Artikel teilen >

Bruderschaft St. Christoph vergab 20-millionsten Euro

Am Montag vergangener Woche tagte in Stift Stams das Führungsgremium der am Arlberg beheimateten St. Christoph Bruderschaft. Dabei ging es unter anderem auch um Spenden von jeweils 50.000 Euro für je ein Frauenhausprojekt in Tirol und Vorarlberg. Die Zuwendungen wurden symbolisch in Form zweier großer Schecks den beiden Initiatorinnen dieser sozialen Einrichtungen übergeben. Mit diesen 100.000 Euro erreichte die Bruderschaft die Marke von 20 Millionen Euro an bisher ausgeschütteten Spendengeldern.
Von Ewald Krismer

Aber zurück zum Anfang: Was wäre gewesen, wenn …? Eine Frage, die sich viele immer wieder stellen. Auch diese Geschichte soll mit dieser Frage ihren Anfang finden. Was wäre gewesen, wenn der kleine Bub Heinrich nicht von seiner Mutter ausgesetzt, er nicht vom Meier von Kempten (Meier = Verwalter eines Grundbesitzes) mit Namen Utz gefunden und aufgenommen worden wäre? Was wäre gewesen, wenn der Meier von Kempten Heinrich später nicht fortgeschickt hätte, und dieser nicht auf die Burg Arlen im Stanzertal gekommen wäre, wo er sich als Schweinehirt verdingte? Was wäre gewesen, wenn Heinrich nicht die Idee gehabt hätte, am Arlbergpass in Not geratenen Menschen zu helfen? Ja, was wäre gewesen, wenn Heinrich Findelkinds Leben nicht so verlaufen wäre? Die Antwort müsste lauten: Die Bruderschaft St. Christoph hätte es wahrscheinlich nie gegeben und vielen Menschen hätte nie geholfen werden können.

DIE GRÜNDUNG. Gegründet wurde die Bruderschaft St. Christoph Anno 1386 von eben diesem Heinrich Findelkind aus Kempten. Am Anfang aber stand die Errichtung einer kleinen Hütte auf der Passhöhe St. Christoph am Arlberg um Reisenden, die über den Pass mussten, besonders im Winter Schutz und Zuflucht zu bieten - denn immer wieder musste Heinrich Findelkind miterleben, wie Menschen bei Schneestürmen zu Tode kamen. So konnten schon im ersten Winter sieben Menschen vor dem sicheren Tod bewahrt werden. Um jedoch dieses Hospiz betreiben zu können, waren finanzielle Mittel notwendig. Findelkind selbst brachte seine ersparten 15 Gulden ein. Ansonsten war es um Geldmittel schlecht bestellt. Erst mit der 1393 begonnenen Almosensammlung, die anfänglich durch Ablassbriefe von Erzbischöfen und Bischöfen Unterstützung fand, verbesserte sich die Lage. Somit kann das Jahr 1393 als der eigentliche Beginn der Bruderschaft angesehen werden. Da die Sammlung nicht den notwendigen Erfolg brachte, wurde sie 1414 beendet. (Just in dem Jahr, in dem Papst Johannes XXIII. auf dem Weg zum Konzil von Konstanz – bei dem er abgesetzt wurde – auf der Passhöhe mit dem Wagen umgekippt war). Zwar wurde aus der Schutzhütte um 1420 eine kommerziell geführte Taverne, die Verpflichtung zur Hilfeleistung blieb aber weiter bestehen.

DIE WIEDERGRÜNDUNG. Die Bruderschaft selbst war aber nach und nach in Vergessenheit geraten bis Adolf Werner und seine Frau Gerda vom Arlberg Hospiz Hotel in St. Christoph ihr 1961 eine Renaissance bescherten. „Ging der Mitgliederzuwachs anfänglich zögerlich voran, wuchs die Bruderschaft bis 1977 auf 1000 an“, zeigt sich Bruderschaftsmeister Adolf Werner stolz. Erst die tragischen Unglücksfälle beim Bau des Arlberg-Straßentunnels bewirkten einen steten Anstieg der Mitgliederzahl, die bis heute auf 23.000 angewachsen ist. 18 Bauarbeiter kamen zwischen 1974 und 1978 beim Tunnelbau ums Leben. Deren Kinder, die zu Halbwaisen geworden sind, unterstützte die Bruderschaft ab 1977 mit Spenden, bis diese eine Ausbildung abgeschlossen hatten. 1977 war demnach der Beginn der unzähligen finanziellen Hilfeleistungen die nun - mit den letzten beiden am Montag vergangener Woche vergebenen Spenden - ein Volumen von unglaublichen 20 Millionen Euro erreicht haben. Damit dies alles schnell und unbürokratisch geschieht, sorgen alle Brüder und Schwestern rund um Bruderschaftsmeister Adolf Werner und Schatzmeisterin Gerda Werner, die stets freiwillig und ehrenamtlich tätig sind.

UNTERSTÜTZUNG FÜR ZWEI FRAUENHÄUSER. Von den bereits erwähnten Zuwendungen von jeweils 50.000 Euro profitieren das „Frauenhaus Tirol - Oberland“ und das „Caritas Haus Mutter & Kind“ in Feldkirch. „Ein herzliches Dankeschön, dass die Bruderschaft St. Christoph das Frauenhaus – explizit das neu entstehende Frauenhaus im Tiroler Oberland – mit einer Spende bedacht hat“, so Gabi Plattner, Geschäftsführerin von „Frauenhaus Tirol“. Auch Doris Müller, Leiterin von „Caritas Haus Mutter & Kind Feldkirch“ zeigte sich gegenüber der Bruderschaft St. Christoph von Herzen dankbar für die großzügige Spende, die nun die längst überfällige Neugestaltung des Spielplatzes ermöglicht. Beide nahmen die Schecks aus den Händen des Feldkircher Bischofs Benno Elbs, dem Präsidenten der Bruderschaft sowie Bruderschaftsmeister Adolf Werner und Schatzmeisterin Gerda Werner entgegen. Mit ihnen freuten sich die Tiroler Nationalratsabgeordnete Elisabeth Pfurtscheller sowie die Vorarlberger Landtagsabgeordnete Gabriele Graf, die notwendige Frauenhausprojekte von politischer Seite unterstützen.
Dank Heinrich Findelkinds Erleuchtung<br />
Das ehrwürdige Stift Stams bot einen würdigen Rahmen für die Spendenübergabe durch die Chistopherus-Bruderschaft: Schatzmeisterin Gerda Werner, die Tiroler Nationalratsabgeordnete Elisabeth Pfurtscheller, Gabi Plattner, Geschäftsführerin von „Frauenhaus Tirol“, Doris Müller, Leiter des „Caritas Haus Mutter & Kind Feldkirch“, Benno Elbs, Feldkirchs Bischof und Präsident der Bruderschaft sowie Gabriele Graf, Abgeordnete zum Vorarlberger Landtag und Bruderschaftsmeister Adi Werner (v. l.). RS-Foto: Krismer
Feedback geben
Die OBERLÄNDER RUNDSCHAU

Die führende Wochenzeitung im Oberland und Außerfern!
Über 92.000 Haushalte erhalten wöchentlich die aktuellsten News!
Gegründet wurde das Familienunternehmen im Jahr 1978.
 jobs.rundschau.at

jobs.rundschau.at

DIE Jobplattform im Tiroler Oberland und Außerfern Helle Köpfe aufgepasst!
Tag cloud
Zams Werner Friedle „Von der Hochalm zum Lehrerpult“ Imst So war es früher Ausgabe Reutte Sautens Chronik Gemeinde Nesselwängle Telfs Gramais Kraftwerk Kaunertal Nassereith Fließ Wolfgang Winkler Peter Linser Fußball Ried Tiwag Arzl Landeck Cäcilienfeier Venet Bahn Ausstellung
Nach oben