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Imst | Chronik | 3. November 2020 | Mel Burger

Entsorgt, verlassen – und gefunden

Entsorgt, verlassen – und gefunden
Für gewöhnlich kommen Tiere ja allesamt in den Himmel. Wenn das Alter fortschreitet oder ein Tier sein Zuhause verliert, ist das Heim von Manuela Prantl in Wenns zuvor aber die bestmögliche Adresse. Die RUNDSCHAU schaute zum Plaudern samt Streicheln vorbei – und hat erfahren, dass auch dort die momentane Situation zu spüren ist. RS-Foto: Burger
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Erstes Tiroler Tieraltersheim in Zeiten der Pandemie

Während die meisten Wirtschaftszweige während der Corona-Krise finanzielle Unterstützung erhalten, geraten Vereine und soziale Einrichtungen nicht allzu selten in Vergessenheit. Die Tierschützerin Manuela Prantl aus Wenns kämpft wie viele – um das Überleben ihrer Hilfsprojekte und ihres Tieraltersheims, das sie mit viel Herzblut betreibt.
Von Mel Burger

Verfüttern Hauskatzenbesitzer für gewöhnlich eine halbe Dose Nassfutter täglich, so lächelt Manuela Prantl als Betreiberin der „Tiroler Tierhoamat“ bei dieser Frage: „Allein für die derzeit 28 Katzen im Haus benötige ich eine komplette Lage an Dosenfutter und zusätzlich noch genug Trockenfutter.“ Seit über 20 Jahren kümmert sich Prantl, die auch noch als Geschäftsführerin des Sozial- und Gesundheitssprengels Pitztal tätig ist, um alte, verwaiste und gefundene Katzen, die meist aus Gesundheitsgründen oder altersbedingt keinen anderen Platz mehr finden werden. Alles begann mit einer einzelnen alten, kranken Katze, die sie bei sich aufnahm – einfach nur, um zu helfen. Rasch, wie es in einem Dorf üblich ist, verbreitete sich die Nachricht und immer mehr Menschen aus der Umgebung brachten der Katzenliebhaberin alte oder kranke Tiere. 

ORGANISATION. Erste Priorität bei einem Neuzugang ist immer, das Tier zuerst kennenzulernen und sich dann um die Gebrechen zu kümmern. Oft bekommt Prantl ältere Tiere, dessen Besitzer verstorben sind oder in das Altersheim ziehen mussten. Auch verletzte Tiere und Streuner finden immer ein warmes Plätzchen bei der Wennerin, deren Privathaus und Garten zu einer Oase für verstoßene Tiere geworden ist. Betritt man das helle Haus von Prantl, wird diese zwar von einer Rasselbande an kleinen Hunden verfolgt, jedoch vermittelt das Eintreten nicht im Geringsten den Flair eines gewöhnlichen Tierheims. Erst vor wenigen Tagen erhielt sie anlässlich einer gewöhnlichen Kontrolle durch die Bezirkshauptmannschaft die Nachricht, dass ihr Tierheim in tadellosem Zustand ist – sowohl Örtlichkeit als auch Dokumentation betreffend – und ein ausgezeichneter Zustand der in Obhut genommenen Tiere festgestellt werden konnte. Elf Malteser, Chihuahuas und kleine Mischlinge wuseln zu ihren Füßen, während Prantl Besucher empfängt und im Haus herumführt. Tiergerüche oder Hundehaarverschmutzung – Fehlanzeige.

WOHLFÜHLEN. Die Hunde sind entspannt untereinander, aber auch die Gäste werden begrüßt und man kommt einfach nicht herum, den freundlichen Vierbeinern die gewünschten Streicheleinheiten zu gewähren. Das ganze Haus vermittelt einen hellen, sauberen und freundlichen Eindruck: Auch ein Zeichen für die Disziplin, die bei so vielen Tieren in einem Haus unabdinglich ist. Bei einem kleinen Rundgang lässt sich von der Hausterrasse aus ein Blick auf das riesige, derzeit im Umbau befindliche Katzengehege auf der Hausseite werfen – wie auch auf einen Garten, der Hunden Auslauf und ihren neuesten Fundtieren, zwei ausgesetzte Legehennen, eine neue Heimat bietet. Im unteren Teil des Hauses befindet sich neben dem großen Katzenzimmer auch noch das bestens sortierte Futter- und Streulager. Die derzeit 28 Katzen wohnen auf mehreren Zimmern, die mit einander verbunden sind und viele artgerechte Kletter- sowie Rückzugsmöglichkeiten bieten. Viele der Katzen kommen ungeniert auf die Besucher zu und fordern wie ihre Hundekollegen ihre Streicheleinheiten, wobei einzelne Neuzugänge erst ihren Platz finden müssen und noch nicht angefasst werden möchten. Manuela Prantl kennt jeden einzelnen Namen, jedes Alter (das sich meist über 15 Jahren befindet) und die Geschichte hinter allen ihren Schützlingen.

ENDSTATION MIT HERZ. Für die meisten Tiere ist die „Tierhoamat“ die letzte Station, da sie zu intensive Pflege benötigen oder einfach schon zu alt sind. Dennoch versucht Prantl, alle Tiere so gut wie möglich zu vermitteln. Wie andere Heime spürt aber auch Prantl die Auswirkungen der Pandemie. Wie schon vermutet, blieb der Ansturm auf Tiere, die während der Langeweile des ersten Lockdowns oftmals als Lückenbüßer herzuhalten haben, aus. Im Gegenteil – das Vermitteln der Tiere wird schwerer und schwerer, die finanziellen Hilfen und Futterspenden werden weniger und weniger. Zudem ist damit zu rechnen, das auch der zweite Lockdown seine Wunden hinterlassen wird. Wie viel ein Tier aber zurückgeben kann, erkennt jeder fühlende Mensch bei Manuela Prantl und beim Besuch der Hunde, der Katzen und auch der kleinen Herde an Eseln und Pferden, die allesamt immer den Kontakt zu den Besuchern suchen. Der Umbau des artgerechten Freigeheges stand zuletzt auch unter den negativen Auswirkungen von Corona-Pandemie, wobei dank des Mitarbeiters Bruno Perktold die Decke des Geheges schneelasttechnisch gestärkt, die Klettermöglichkeiten verändert und sicherer gemacht wurden. Ohne je müde zu werden, setzt sich Prantl übrigens auch für die Rehkitzrettung per Drohen ein und visiert bereits ein weiteres Projekt zur Tierhilfe an, das in Tarrenz schon in den Startlöchern steht. Wie viele andere Tierheime ist aber auch ihr Refugium auf Hilfe und Verständnis der Bevölkerung angewiesen und das auch in Zeiten eines weiteren Lockdowns: Prantl freut sich über jede kleine Hilfe, jede Patenschaft, jede Vermittlung einer ihrer Schützlinge. Unterstützen kann die kleine Farm von fünf Eseln, zwei ausgedienten Kutschpferden, elf kleinen Hunden, zwei Hennen und den derzeit 28 Katzen jeder – und aktuelle Informationen gibt’s auf www.katzenstation-oberland.com oder auf der Facebook-Seite „Manuelas Tierhoamat“.
Entsorgt, verlassen – und gefunden
Viel Freude macht Manuela Prantl das neu renovierte, riesige sowie artgerechte Außengehege für ihre Samtpfoten, das
hoffentlich dieses Jahr durch neue Drahtseilverstrebungen der Schneelast standhalten wird. RS-Foto: Burger
Entsorgt, verlassen – und gefunden
Aus zwei geretteten Eselchen wurden heuer schnell fünf, wobei auch diese, manchmal tatsächlich recht mürrischen Vierbeiner ihr Leben bei Manuela Prantl (l., im Bild mit Tieraromatologin und -energetikerin Daniela Zangerle) genießen und nicht von der Seite ihrer Retterin weichen. RS-Foto: Burger
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