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Imst | Chronik | 29. März 2021 | Friederike Hirsch

Gibt es den Osterhasen oder gibt es ihn nicht?

Gibt es den Osterhasen oder gibt es ihn nicht?
Manchmal passiert es, dass man den Osterhasen Herbert am Ortseingang von Sautens trifft.RS-Foto: Hirsch
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In Sautens gibt es seit Jahren bestätigte Sichtungen des Osterhasen Herbert

Seit einigen Jahren taucht der Osterhase immer wieder in Sautens auf. Mancher staunt nicht schlecht, wenn er in den Ort einbiegt und plötzlich für den Osterhasen bremsen muss. Mit einem Korb voller süßer Überraschungen zaubert er ein Lächeln in die Gesichter der Kleinen und Großen: Der Osterhase Herbert im Gespräch mit der RUNDSCHAU.
Von Friederike Hirsch

Der Gipfel der Verschwörungstheorien ist der, dass es den Osterhasen in Wirklichkeit gar nicht gibt. Wie kann man denn so etwas behaupten? Natürlich gibt es den Osterhasen. Immer wieder wird er in Sautens gesehen und sogar fotografiert. Nur weil ihn noch nicht alle gesehen haben, heißt das nicht, dass es ihn nicht gibt. Vielleicht liegt es einfach an der Geschicklichkeit und Schnelligkeit des Langohres und der Unaufmerksamkeit der Menschen, dass so mancher die Existenz des Osterhasen abstreitet. Rund um die Osterzeit, wenn die ersten Sonnenstrahlen die Sautner Wälder und Wiesen erwärmen, kann es passieren, dass man den Osterhasen Herbert trifft. Die RUNDSCHAU hat mit ihm gesprochen und Unglaubliches erfahren.

OSTERHASE HERBERT. Der Sautner Herbert Brugger schlüpft alljährlich in sein Hasenkostüm, nimmt seinen Korb mit Süßigkeiten und überrascht Klein und Groß. Begonnen hat alles vor zehn Jahren. Herbert Brugger ist ein Maschgarar aus Leidenschaft und war damals auf der Suche nach einem Kostüm. Im Geschäft sah er das Osterhasenkostüm und nahm es mit. „Ich dachte damals, dass ich sicher einmal Enkel bekommen würde, schließlich habe ich drei gesunde Kinder“, schmunzelt Herbert. Die Enkelkinder ließen auf sich warten und das Kostüm blieb in einer Schachtel auf dem Dachboden. Als Herberts Mutter Rosa an Demenz erkrankte und kaum noch das Haus verlassen wollte, ist ihm das Kostüm wieder eingefallen. „Wir dachten es ist eine gute Idee, wenn wir ihr sagen, dass der Osterhase kommt und sie deshalb in den Garten gehen müsste, um alles vorzubereiten“, erinnert sich Herbert. Nach einigen Überredungskünsten ließ sich Rosa tatsächlich in den Garten begleiten und der Osterhase Herbert kam langsam auf sie zu. Rosa war so überrascht, dass sie einfach nur „Grüß Gott, Herr Osterhase“ sagen konnte. Von da an ging sie öfter in den Garten und schien dabei ein Stückchen glücklicher zu sein. Mittlerweile ist er jedes Jahr für seine drei Enkelsöhne und andere Kinder als Osterhase unterwegs. 

BRAUCHTUM. Der Brauch, dass verschiedene Tierarten – und nicht nur der Osterhase – für das Färben und Verstecken der Eier zuständig sind, reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. In Tirol legte lange Zeit die Osterhenne die Eier, in Bayern kam der Fuchs oder der Osterhahn, in der Schweiz versteckte der Kuckuck die Eier. Ab dem 19. Jahrhundert setzte sich der Osterhase als unumstrittenes österliches Symboltier durch. Dass der Feldhase zum Spezialisten fürs Eierfärben und -verstecken wurde, geht sicherlich auch auf seine Fruchtbarkeit und sein Paarungsverhalten in der vorösterlichen Zeit zurück. Auch ihr Verhalten in freier Flur hat sie zum Favoriten fürs Eierverstecken gemacht. Feldhasen verharren still in einer Mulde, bis sie bei Gefahr in letzter Minute davonhoppeln. Die Stelle, auf der die Hasen gelegen haben, wurde als Platz der Eierablage interpretiert. In Byzanz war der Hase in der Tiersymbolik ein Symbol für Christus. Auch in der Mythologie existiert der Hase als Zeichen der Fruchtbarkeit. Aus weltlicher Sicht galt der Gründonnerstag als Abgabe- und Zinstermin für Schuldner an die Gläubiger. Überliefert ist, dass die Schuldner mit Eiern und Hasen zahlten, und dass der Schuldner bei Begleichung der Schulden ein freier Mann ist, der mit einem Hasen verglichen wurde, der nicht vom Hund gehetzt wird.

OSTERHASE & NIKOLAUS. Herbert ist es gewohnt, in Rollen zu schlüpfen. 25 Jahre lang war er als Knecht Ruprecht der treue Begleiter des Heiligen Nikolaus. Seit 2013 verkörpert er selbst den Heiligen. „Ich finde es sehr berührend, wie sich die Kinder freuen, wenn ich als Nikolaus ins Haus komme. Ihre strahlenden Gesichter berühren mich einfach. Genauso geht es mir zur Osterzeit. Die Freude und Überraschung, wenn ich plötzlich als Osterhase im Garten auftauche, ist wunderschön“, sagt Herbert. Er besucht als Osterhase aber auch ältere Menschen, überrascht seine Arbeitskollegen und Freunde. „Manchmal komm ich mir vor wie die ,Masked Singer‘ im Fernsehen“, lacht Herbert. „Bis jetzt hat mich noch keiner erkannt“, sagt er. Die Pandemie hat den Osterhasen Herbert etwas eingebremst. „Sollte es irgendwann wieder möglich sein, dann würde ich gern die Menschen im Altersheim als Osterhase überraschen“, meint er. Denn tief in unserem Inneren sind wir Kinder, die gern daran glauben, dass es den Osterhasen doch irgendwo wirklich gibt. 
Gibt es den Osterhasen oder gibt es ihn nicht?
Rosa Brugger und Osterhase Herbert Foto: Brugger
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