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Imst | Chronik | 21. April 2020 | Gebi G. Schnöll

Kapelle steht auf ehemaligen Kirchenschiff

Kapelle steht auf ehemaligen Kirchenschiff
Die Lourdeskapelle, die als Aufbahrungshalle dient. Die Linierung zeigt, wo die erste Pfarrkirche errichtet war. Foto: Johannes Laichner
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Bei Grabungsarbeiten im „Unteren Friedhof“ in Roppen kamen nun Gemäuer der ersten Pfarrkirche zum Vorschein

Pfarrer Johannes Laichner sorgt schon wieder für positive Schlagzeilen. Nachdem in den vergangenen Tagen Bilder seiner „Stillen Messen“ rund um den Globus verbreitet wurden, sind es nun Ausgrabungen am sogenannten „Unteren Friedhof“ in Roppen, die für Aufsehen sorgen. Der Geistliche ist nämlich auch ein promovierter Archäologe und hat bei den Grabungen Fundamente und bestens erhaltene Teile von Seitenwänden samt Farbfragmenten der ersten Roppener Pfarrkirche entdeckt, mit deren Bau 1460 begonnen wurde. Die Weihe des Hochaltars erfolgte im Jahr 1476 durch den damaligen Weihbischof Caspar von Salzburg.
Von Gebi G. Schnöll

Die Entdeckung wurde im Zuge der Trockenlegung der „Lourdeskapelle“ gemacht, die just an jener Stelle errichtet ist, wo vor Jahrhunderten die erste Roppener Pfarrkirche  stand. „Als der Bagger bei den Grabungsarbeiten auf die Fundamente der ehemaligen Kirche gestoßen ist, wurden die Grabungen vorerst sofort eingestellt, um die historischen Spuren dieses uralten Gotteshauses zu bewahren“, schildert Pfarrer Johannes Laichner, der selbst promovierter Archäologe ist und die Grabungsarbeiten beaufsichtigt. Gemeinsam mit dem Gemeindearbeiter Werner Raggl und Mitarbeitern der Firma „Erdbau Prantl“ förderte Laichner große Teile der ehemaligen Südmauer der Kirche zutage. „Neben vielen kleinen bemalten Bruchstücken der barocken Innenstuckatur konnte auch der ursprüngliche Bodenbelag und ein Wandpilaster samt originalem Wandverputz freigelegt werden. Anhand der farbigen Bruchstücke der Kapitelle ist nun eine Rekonstruktion der ursprünglichen Farbgebung der Kirche möglich. Besonders bemerkenswert ist die Entdeckung eines Steinreliefs, das bisher verborgen unter einer Eingangsstufe der „Lourdeskapelle“ lag. Es zeigt eine Jahreszahl und Reste eines in Stein gehauenen Porträts. Die freigeschaufelten Grundmauern und Funde ermöglichen zum einen endlich eine genaue Lagebestimmung des Gotteshauses und zum anderen einen faszinierenden Einblick in die Kirchengeschichte Roppens“, freut sich Laichner über die bei den Ausgrabungen zum Vorschein gekommenen Mauerreste.  

BERÜHRENDER MOMENT. Die archäologischen Beifunde und gut erhaltenen Mauerreste entführen den Betrachter zurück in längst vergangene Tage. Als man in Roppen vor mehr als 550 Jahren an der ersten Pfarrkirche baute, herrschte Sigismund der Münzreiche als Regent über Tirol. Er sollte nach dem Tod seine letzte Ruhe in der Fürstengruft von Stift Stams finden. Als man 1745 die Roppener Pfarrkirche im Inneren barockisierte, herrschte Kaiserin Maria Theresia über das Haus Habsburg und damit auch über Tirol. Just in diesem Jahr erreichte sie die Wahl und Krönung ihres Gatten Franz I. Stephan zum römisch-deutschen Kaiser. Er sollte nur 20 Jahre später während der Hochzeit seines Sohnes Leopold II. in Innsbruck an einem Schlaganfall oder Herzinfarkt sterben. Die „traurige“ Seite der Triumphpforte in Innsbruck erinnert heute noch an dieses Ereignis. „Mit ein wenig geschichtlichen Hintergrundwissen werden die alten Steine der Jahrhunderte ,verschollenen‘ Pfarrkirche ,lebendig‘ und erzählen von längst vergangenen Tagen“, so Pfarrer Johannes Laichner und er fügt noch einen trostvollen Bezug zur herrschenden Corona-Krise hinzu: „Wir haben im Zuge der Grabungsarbeiten auch den linken Seitenaltar der ehemaligen Kirche freigelegt. Laut einer Weiheurkunde kurz nach 1500, also in der Zeit des Kaiser Maximilians I., ist dieser Altar auch der heiligen Apollonia geweiht, die, man staune, Patronin der Ärzte war. Die gemauerte Steinmensa des Altars ist komplett erhalten, als ob noch gestern ein Priester dort für die Kranken eine heilige Messe gefeiert hätte. Wir Priester verzichten momentan wegen einer Krankheit, mit den Gläubigen Gottesdienste zu feiern und jetzt haben wir diesen schön erhaltenen Altar entdeckt, der obendrein einer Heiligen geweiht ist, die für Heilung von Krankheiten und besonders für Ärzte zuständig ist. Ich finde das sehr berührend!“ 

ABBRUCH. 1856, nach dem Neubau der heutigen Pfarrkirche, wurde die gotische Dorfkirche dem Erdboden gleichgemacht. Der Abbruch wurde zum Teil auch in das Kircheninnere geworfen. Um 1898 erfolgte dann der endgültige Abbruch der Steinfundamente der alten gotischen Kirche. Das Abbruchgestein, das vor Ort deponiert wurde und damit das Niveau des unteren Friedhofs hob, bereitet bis heute bei Graböffnungen Schwierigkeiten. An der Stelle des alten Gotteshauses wurde die doppelgeschossige Lour-deskapelle mit neugotischer Stufengiebelfassade errichtet. Das Untergeschoss hält gleich einer Krypta das Andenken an Verstorbene wach, die obere Kapelle ist der Gottesmutter von Lourdes
geweiht.
Kapelle steht auf ehemaligen Kirchenschiff
Pfarrer Johannes Laichner ist promovierter Archäologe und legt bei den Grabungsarbeiten selbst Hand an. RS-Foto: Schnöll
Kapelle steht auf ehemaligen Kirchenschiff
Das Steinrelief, vermutlich ein Weihwasserbrunnen, mit dem eingemeißelten Portrait dürfte um 1600 geschaffen worden sein. Aufgelegt einige Reste von der Stuckatur. RS-Foto: Schnöll
Kapelle steht auf ehemaligen Kirchenschiff
Jedes Fundstück wird vom Pfarrer gesäubert und aufbewahrt. RS-Foto: Schnöll
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