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Imst | Chronik | 24. Mai 2022 | Manuel Matt

Stets neutral, aber niemals teilnahmslos

Stets neutral, aber niemals teilnahmslos
Insgesamt 32 Neu-Mitglieder (hier gemeinsam mit Bezirksstellenleiter und Fähnrich, beide in dunkler Uniform) darf das Rote Kreuz zu seinen Reihen zählen. Viele von ihnen wurden bei der Generalversammlung angelobt – ein Schwur, der nur noch in Tirol üblich ist, erklärt der Tiroler RK-Präsident Günther Ennemoser. RS-Foto: Matt
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Das Rote Kreuz im Bezirk Imst: Hilfe in Pandemie und in der Ukrainekrise, Vorbereitung auf Neubau der Bezirksstelle

Keinen Ruhm, keine Ehre, keine Seiten. Nur die Verwundeten, die Sterbenden, die Toten sah Henry Dunant 1859 nach der Schlacht von Solferino. Doch statt Schuld zu suchen, linderte der Schweizer das Leid, so gut er konnte: Aus Ehrfurcht vor dem Leben, gemeinsam mit vielen anderen, mit dem Roten Kreuz am Arm, am Rücken und im Herzen. Damals wie heute, in Solferino wie auf der ganzen Welt – und auch im Bezirk Imst, wo sich Hauptamtliche und Freiwillige, Referatsleiter und Funktionäre vergangenen Freitag in Mils bei Imst zur jährlichen Generalversammlung getroffen haben: Mitsamt vielen Vertretern von Partner-Organisationen und weiteren Ehrengästen.
Von Manuel Matt

Was in einen Rucksack packen, wenn es lange, vielleicht überhaupt, kein Zurück mehr gibt? Darüber ließ Bezirksrettungskommandant Christoph Hairer die Rotkreuz-Generalversammlung vergangenen Freitag im großen Saal der Trofana-Raststätte nachdenken – und die Entscheidung begreiflicher machen, wie sie die vielen Vertriebenen aus der Ukraine treffen mussten. Angesichts dieser Schicksale ist’s nur menschlich, betroffen zu sein, vielleicht sogar zornig. Dennoch sei’s wichtig, auf Sprache zu achten – und auf die Neutralität, so Hairer, die das Rote Kreuz hochhalten will und muss, um überall auf der Welt helfen zu können.

VIEL ZU TUN. Das Rote Kreuz ist wohl eine der wenigen guten Dinge, die ein Krieg jemals hervorgebracht hat, und das humanitäre Engagement zwischen den Fronten eine ureigene Aufgabe. Doch auch wenn hierzulande Frieden herrscht, gilt sich’s dennoch auf Katastrophen und Großereignisse vorzubereiten. Dafür stehe nun auch ein zwölfköpfiges Notarzt-Team im Bereich der Sondereinsatzgruppen (SEG) bereit, dankt Hairer, der ebenso auf einen „Blackout“-Sicherheitstag im Herbst zurück- sowie auf eine baldige Fortbildung für Führungskräfte und die Bezirksübung im Oktober vorausschaut. Auf Trab halten den Rotkreuz-Bezirk mit seinen momentan 624 Freiwilligen, 46 Hauptberuflichen und 36 Zivildienern freilich auch die alltäglichen Herausforderungen: Seien’s von Anfang bis Ende des vergangenen Jahres etwa rund 30000 betreute Patientinnen und Patienten, über 1000 Notarzt-Einsätze, 34 Einsätze im Bereich der Krisenintervention oder auch 50 Ambulanzdienste im Ausmaß von rund 1120 Stunden. Insgesamt wurden sagenhafte 233616 Arbeitsstunden geleistet – davon etwas weniger als die Hälfte auf freiwilliger Basis, was fast drei Millionen Euro entspricht.
Stets neutral, aber niemals teilnahmslos
Zeigt das Thoraxkompressionssystem LUCAS, das lebenserhaltende Maßnahmen speziell während der Fahrt sicherer machen soll: Der wiedergewählte Bezirksstellenleiter-Stellvertreter Manuel Flür. RS-Foto: Matt
WISSEN, WAS ZU TUN IST. Wer helfen will, muss es allerdings auch können. Deshalb legt das Rote Kreuz seit jeher viel Wert auf Ausbildung: Chefarzt Johannes Müller verweist dabei auf 43 Schulungen in eigenen Reihen und 13 erfolgreiche Abschlüsse beim jüngsten Rettungssanitäter-Kurs, während 62 Kurse – etwa klassische Erste-Hilfe-, aber auch Kindernotfallkurse – von der allgemeinen Bevölkerung angenommen wurden. Hohe Bedeutung genießt auch die Jugendarbeit: Bezirksjugendreferentin seit letztem Dezember, zählt Vera Hoffmann in der Jugendgruppentätigkeit aktuell 44 Kinder und Jugendliche, die von ihr und 22 weiteren Personen betreut werden. Was besonders freut: Trotz Pandemie-Widrigkeiten von Herbst über die Wintersaison haben sich alle im Verein halten lassen.

NEUHEITEN. So vielfältig wie die RK-Aufgaben sind, ließe sich noch viel erzählen. Nicht unerwähnt bleiben sollten jedenfalls zwei Aspekte, die der alte und neue Bezirksstellenleiter David Schmid hervorhebt: Einerseits auf das „unkompliziert und schnell“ angeschaffte Thoraxkompressionssystem, das Reanimation besonders während der Fahrt ermöglicht, ohne dass jemand unangeschnallt bleibt – und andererseits auf den Neubau der Bezirksstelle. Das werde eine der größten Investitionen der letzten 50 Vereinsjahre sein und bis der diesbezügliche Startschuss fallen kann, sei noch viel zu tun, unterstreicht Schmid: „Wir arbeiten täglich daran!“ Wie’s halt sein muss, wenn’s um das Rote Kreuz geht – und somit um ein großes Stück Allgemeinwohl.
Stets neutral, aber niemals teilnahmslos
Eben befördert und beglückwünscht vom wiedergewählten Bezirksstellenleiter David Schmid (l.), von Bezirksrettungskommandant Christoph Hairer (r.) sowie von den beiden Polit-Ehrengästen Ernst Schöpf (M.) und Jakob Wolf (2.v.r.): Kolonnenkommandant Roland Neurauter, die Abteilungskommandanten Vera Hoffmann, Florian Scheiber und Andreas Ortner sowie Bereitschaftskommandant Simon Moosbrugger (v.l.) RS-Foto: Matt

Dienstjahresabzeichen in Gold für 20-jährige Tätigkeit
Dienstjahresabzeichen in Gold für 30-jährige Tätigkeit
Dienstjahresabzeichen in Gold für 40-jährige Tätigkeit
sowie
Verdienstmedaillen des Landes Tirol für besondere Verdienste und 40-jährige Tätigkeit im Sanitätswesen (Silber)
Ernennung zum Rotkreuz-Bereitschaftskommandant
Ernennung zum Rotkreuz-Abteilungskommandant
Ernennung zum Rotkreuz-Kolonnenkommandant
Stets neutral, aber niemals teilnahmslos
Wiedergewählt: Bezirksstellenleiter David Schmid (l.) und Bezirksstellenleiter-Stellvertreter Manuel Flür RS-Foto: Matt
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