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Imst | Chronik | 15. Dezember 2020 | Manuel Matt

Weil der Nikolo keinen Unterschied macht…

Weil der Nikolo keinen Unterschied macht…
Beschenken die Kinder im Imster Flüchtlingsheim nicht nur am Nikolaustag: Richard Aichwalder und sein Sohn BrunoRS-Foto: Grüneis
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…und das Christkind ebenso wenig: Auch nicht im Imster Flüchtlingsheim, dank privatem Engagement

Auf die allerschönste Art spiegelt sich die Weihnachtszeit in den Augen der Kinder wider – und dieser Zauber wird vielleicht dort am meisten gebraucht, wo vieles fehlt. Im Imster Flüchtlingsheim, beispielsweise. Dass sich die hier lebenden Kinder wie die Schneekönige auf den Dezember freuen, dafür sorgt Richard Aichwalder mit Familie und Freunden: Seit sieben Jahren, ohne groß Aufsehen zu erregen, mit großem Einsatz. Heuer hat die RUNDSCHAU den Imster mit Nikolo-Lizenz und Christkind-Kontakt aber begleiten dürfen – genauso wie seinen Sohnemann Bruno, der als Engel tatkräftig mithilft.
Von Manuel Matt

Wer weiß schon, was in einer Kinderseele vorgeht nach solch einem Jahr – und was denn nun heller ist, die Straßenlaterne oder die Stimme eines kleinen Mädchens, das ganz entzückt in ihrem goldenen Anorak den Nikolaus begrüßt. Behördlichen Vorgaben entsprechend bleibt er heuer vor der Türschwelle stehen. Gekommen ist er aber trotzdem. Auch zu den Kindern im Imster Flüchtlingsheim, die Lieder für ihn singen. Er könnte wohl auch gar nicht anders, der Nikolaus: Denn wenn sie sich freuen, sind alle Kinder gleich. 

LIEBER LOBEN ALS TADELN. Deshalb soll jedes Kind seinen Freunden am nächsten Morgen erzählen können, dass der Nikolo auch bei ihnen zuhause gewesen ist, findet Richard Aichwalder. Ihm hat der Nikolaus sein Gewand und den Bischofsstab anvertraut – und bewusst hat sich der Imster dazu entschieden, damit Flüchtlingskinder zu besuchen: „Weil gerade sie unter einer Situation leiden, für die sie nichts können.“ Mit Wohlbedacht bereitet Aichwalder so auch die Zeilen vor, die er an die Kinder richtet, und lenkt die Aufmerksamkeit stets auf das Positive. „Ich möchte Stärken hervorheben, ermutigen. Jedes Kind soll spüren: ,Der Nikolaus ist stolz auf mich‘“, sagt der 36-Jährige, der die Flüchtlingsfamilien auch dann noch besucht, wenn sie das Heim verlassen haben und in eigenen Wohnungen leben. Da wie dort gibt’s natürlich auch ein Sackerl für jedes Kind: „Mit Nüssen und Mandarinen, aber vor allem viel Schokolade. Die war mir als Kind auch schon am liebsten“, lacht Aichwalder. 

EIN ENGEL NAMENS BRUNO. Die zu verschenkenden Sackerln werden vom Nikolo übrigens privat finanziert. Dem kleinen Mädchen im goldenen Anorak ist das freilich einerlei: Quietschvergnügt freut sie sich über die traditionellen Naschereien. Noch mehr in Erinnerung bleiben dürfte aber wohl der Engel, der ihr das Geschenk überreicht und sie freundlich anlächelt. Zum ersten Mal – und das auch noch ausgezeichnet – begleitet in dieser ehrenwerten Rolle der zehnjährige Bruno Aichwalder seinen Vater. Sehr gerne, wie er der RUNDSCHAU verrät: „Weil’s die Kinder so freut!“ Was sein Papa da mache, sei jedenfalls „richtig cool“ und ein paar Jahre werde er ihn gewiss auch noch in Zukunft begleiten: „So lange, bis ich halt dann nicht mehr mag“, sagt Bruno, der sich selbst durchaus für das Nikolo-Amt erwärmen könne, das jedoch wiederum mit breitem Grinsen an eine einzelne Bedingung knüpft: „Der Engel muss dann aber der Papa sein!“ Ja, klingt fast fair, möchte man meinen.

GESCHENKE. Wie seine ältere Schwester Leoni (15) ist Bruno in der ganzen Angelegenheit schon länger mit von der Partie. Immerhin hat der Familienvater schon vor sieben Jahren gemeinsam mit dem befreundeten Roland Graswander beschlossen, Weihnachten zu den Flüchtlingskindern zu bringen – was nicht nur über Nikolausbesuche gelingen soll, sondern unter anderem auch dank Sterneköchen, die zum Keksbacken vorbeischauen. Das eigentliche Herzstück der Bemühungen ist aber das Weihnachtsfest selbst: Denn jedes Kind darf sich etwas wünschen. Das wird dann flugs besorgt, um festlich verpackt und zur rechten Zeit auf dem Gabentisch zu landen. Seine Frau Alexa unterstütze ihn dabei nach Leibeskräften, erzählt Aichwalder. Trotzdem seien es mehrere Tage an Arbeit, bis alles beisammen ist. Das sei es aber allemal wert: „Besonders dann, wenn die Augen leuchten!“

WAS SICH MIT GELD KAUFEN LÄSST. Einfach irgendetwas dürfe es aber nicht sein, betont Aichwalder: „Sondern etwas, das den Kindern wirklich Freude bereitet, wo ein Wow-Effekt da ist – und Qualität. Häufig sind die Geschenke nämlich die einzigen Spielsachen, werden intensiv gebraucht und können auch nicht einfach so ersetzt werden, weil das Geld fehlt.“ Deshalb investiert die Familie viel Zeit in die Recherchen, stellt sogar einen Katalog zusammen, aus dem die Kinder auswählen können. Dies sei notwendig, weil sich Kinder viel zu bescheiden zeigen würden. „Gerade am Anfang, in den ersten Jahren“, erinnert sich der Familienvater. „Nicht selten hat’s da geheißen: ,Ich hab’ alles‘ – und dabei hatten sie nichts, waren nur froh, dass sie satt sind, dass es warm ist, dass kein Krieg herrscht“, sagt Aichwalder und schüttelt den Kopf: „Traurig und noch immer häufig ist, wenn ein Wunsch lediglich ein Grundbedürfnis abdecken soll. Wenn sich eine Fünfjährige eine eigene Zahnbürste, eine Zehnjährige sich einen Föhn wünscht, blutet mir das Herz.“ Umso wichtiger sei dann ein Geschenk, das Kinderherzen einfach höher schlagen lässt. „Den gewünschten Alltagsgegenstand gibt’s obendrauf“, sagt Aichwalder. Jedes Jahr gibt er so pro Kind etwa 50 bis 70 Euro aus, wobei die jährliche Gesamtsumme je nach Anzahl zwischen 1.200 und 2.000 Euro liegt. „Das passt ausgezeichnet. Der ursprüngliche Gedanke war ja, den doppelten Zahltag rund um Weihnachten so zu verwenden“, sagt der Vertriebsleiter eines heimischen Weingroßhändlers, der übrigens als einziger Sozialdemokrat auch im Imster Gemeinderat sitzt. Sein Engagement zugunsten der Flüchtlingskinder hätte derweil eigentlich stets „im Stillen“ passieren sollen, dürfte mittlerweile aber nicht nur der RUNDSCHAU bekannt sein. Zumindest bekomme er heute im Verwandten- und Freundeskreis – besonders von Roland Graswander und seiner Frau Karoline – immer wieder Geld für seine Weihnachtsaktion zugesteckt. „Den Löwenanteil lasse ich mir aber nicht nehmen“, meint Aichwalder schmunzelnd: „Ich freu’ mich ja schon das ganze Jahr drauf, das Weihnachtsgeld für die Kinder auszugeben. Ihre Freude zu sehen, das ist unbezahlbar.“ Ja, dann kann er wohl tatsächlich nicht anders, der Nikolaus: Denn wenn sie sich freuen, sind alle Kinder gleich. 
Weil der Nikolo keinen Unterschied macht…
Es braucht Mut, so vor dem großen Nikolaus zu stehen – besonders dann, wenn man selbst noch so klein ist. Glücklicherweise steckt im roten Gewand eine gute Haut: Nämlich der Imster Richard Aichwalder, der Flüchtlingskinder besucht und ihnen zusätzlich noch einen Weihnachtswunsch gewährt. RS-Foto: Grüneis
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