Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Chronik | 17. November 2020 | Manuel Matt

Wenn Hunden Gefahr am Wegesrand droht

Wenn Hunden Gefahr am Wegesrand droht
Klärt über Giftköder auf und gibt Ratschläge, die Leben retten können: Hundetrainerin Karoline Senn mit ihren Labradors Nikki (l.) und Nolan (r.) Foto: Senn
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Ausgelegte Giftköder und wie mit ihnen umzugehen ist – die RUNDSCHAU im Gespräch mit Hundetrainerin Karoline Senn

Gemeinhin als bester Freund des Menschen betrachtet, werden Hunde beileibe nicht von jedem geliebt. Manches Mal aber geht die Abneigung bis hin zum Hass – und manifestiert sich leider auch im Oberland immer wieder im Auslegen von heimtückischen Giftködern auf beliebten Spazierwegen. Woran sich die tödliche Gefahr erkennen lässt und welches Verhalten von Hundehaltern im Ernstfall gefragt ist, hat sich die RUNDSCHAU von der diplomierten Hundetrainerin Karoline Senn aus Tarrenz erklären lassen.
Von Manuel Matt

Ob Rattengift, Rasierklingen oder verätzende Chemikalien – wenn ein Zweibeiner vorbeispazierenden Hunden fallenstellend nach dem Leben trachtet, sind die Möglichkeiten mittlerweile so endlos wie die unter Beweis gestellte Boshaftigkeit. Eines haben die ausgelegten Gefahrenquellen zumeist aber gemeinsam, weiß die diplomierte Hundetrainerin und Verhaltensberaterin Karoline Senn: „Dort, wo sie sind, gehören sie naturgemäß nicht hin. Häufige Beispiele sind etwa Rattengift im Wald, aber auch Faschiertes am Wegesrand.“ Letzteres zeigt wiederum ein weiteres Merkmal von dem, das Hundehalter gemeinhin als Giftköder fürchten – nämlich das Verstecken in vermeintlich Schmackhaftem für Hundenasen. „Giftköder werden in den meisten Fällen wirklich so gemacht und platziert, dass der Hund kaum widerstehen kann – und dagegen anzutrainieren ist sehr, sehr schwer. Weil Fressen schlicht und ergreifend ein Grundbedürfnis darstellt, das das Überleben sichert“, erklärt Senn. Zwar gebe es verschiedene Möglichkeiten, um dem Hund per Training nahezulegen, Verlockendes auf dem Spaziergang links liegen zu lassen, doch würden die meisten Methoden auf teils aversiver Basis funktionieren. Bedeutet: Das Herstellen von Verknüpfungen mittels unangenehmen Erfahrungen. Das aber kann in der Hundeerziehung einerseits nicht selten ordentlich nach hinten losgehen – und andererseits ist das Zufügen von Schmerzen, das Verbreiten von Furcht und Schrecken im Training nicht jedermanns Sache. Zumindest nicht für die tierschutzqualifizierte Hundetrainerin aus Tarrenz, die in ihrer Arbeit im Gegensatz zu vielen TV-Pendants auf absolute Gewaltfreiheit setzt und gleichgesinnten Hundehaltern mehrere Alternativen aufzeigt, um zumindest die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass ein Giftköder aufgenommen wird: Etwa das Training über ein Abbruchsignal oder dem Hund beibringen, Fressbares vorher anzuzeigen.

Spuck’s aus, Partner. Das funktioniert, weil Hunde ziemlich schlaue Tiere sind. Ebenso sind sie aber auch schnell – und schnappen sich vielleicht den ein oder anderen verhängnisvollen Leckerbissen, ohne dass der Mensch es verhindern kann. Ist der Happen noch nicht unten, lohnt es sich, dem vierbeinigen Freund bereits zuvor die Freude am Tauschen und Hergeben nähergebracht oder gleich ein „Spuck’s aus“-Kommando geübt zu haben. „Dabei kann man im Training ruhig das Ausgespuckte untersuchen und dem Hund nach Möglichkeit sogar ein Stück davon zurückzugeben“, lehrt Senn: „Das beugt Frust und dem Gefühl vor, dass der Besitzer immer alles wegnimmt.“ Gewiss kein Fehler sei es zudem, dem kaltschnäuzigen Lehrling beim Training ab und zu ins Maul zu greifen. „Damit der Hund diese Handlung kennt und in Notsituationen nicht überhastet runterschluckt“, erklärt die Trainerin.

Keine Zeit verlieren, sofort zum Tierarzt. Im schlimmsten Fall aber merkt der Hundehalter nicht einmal, dass ein Giftköder gefressen wurde. Klassische Symptome einer Vergiftung können Unruhe, Erbrechen, starker Speichelfluss, unregelmäßiger Puls, blasse Schleimhäute, geweitete Pupillen, Krampfen und Zittern darstellen. „Das kann je nach Gift aber ganz unterschiedlich und überhaupt schwer zuzuordnen sein“, warnt Senn, die vor Selbstdiagnosen als Laie warnt und dazu rät, die Nummer der Vergiftungszentrale eingespeichert zu haben. „Dort wird auch Hunden geholfen. Grundsätzlich gilt aber: Bei einem Verdacht keine Zeit verlieren und sofort zum Tierarzt – und falls noch etwas vom Giftköder herumliegt, einsammeln und mitnehmen!“

Die beste Prävention. In Sachen Giftköder spricht die Hundetrainerin übrigens auch aus persönlicher Erfahrung. Sie warnt, dass Gefahr auch an unvermuteten Stellen lauern kann. „Unserem Hund habe ich schon einmal einen Rattengiftköder aus dem Maul geholt – in einem öffentlichen Lokal“, erinnert sich Senn und schüttelt traurig den Kopf, angesprochen darauf, warum sie glaubt, dass jemand lebenden, fühlenden Wesen auf diese Art und Weise Schaden zufügen will: „Warum das jemand macht, kann ich nicht nachvollziehen – weder als Hundehalterin noch als Mutter. Es könnte ja auch ein Kind Opfer werden.“ Allerdings würden hinterhältige Fallensteller nicht als solche geboren, sondern dazu angestiftet werden, glaubt sie. Auch durch rücksichtslose Hundehalter, denn der Hass entwächst zumeist Angst und Ärger: „Häufchen eintüten und im Mülleimer entsorgen. Den Hund anleinen, auch im Wald, und besonders wenn Kinder, Radfahrer, Spaziergänger und Jäger in der Nähe sind – werden solche einfachen Regeln eingehalten, ist das letzten Endes zweifellos die beste Giftköder-Prävention!“
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