Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Galerie | 15. September 2020 | Jürgen Gerrmann

Im Reich der Stille am klaren Bergsee

Über 2100 Meter hoch liegt der Brechsee. Kaum zu glauben, aber wahr: Zu Füßen von Niederjoch, Stupfarriköpfle und Schwarzwand bringen es andere Seen noch auf 500 Höhenmeter mehr. RS-Foto: Gerrmann
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Eine Wanderung zum Brechsee hoch über dem Pitztal

Kristallklar, eiskalt – und schlichtweg wunderschön. Das sind die Bergseen hoch überm Pitztal. Das Tüpfelchen auf dem i dabei: Schon der Weg hinauf zu ihnen ist ein Erlebnis. Wie bei dieser Tour zum Brechsee.
Von Jürgen Gerrmann

Vom Start in Rehwald geht es erst mal eher gemütlich los: Der Forstweg bringt einen über drei Kilometer hinweg im Zickzack ohne große Anstrengung hinauf zur Mauchele-Alm, die schon das erste Idyll von vielen ist, die auf dieser Wanderung warten. Überaus romantisch liegt sie da in den Wald eingebettet, neugierig schauen die Kühe auf jene, die da an ihnen vorbei steigen – und diese Romantik prägt den ganzen zweiten Abschnitt des Weges nach oben.

ZUM NACHSINNEN UND SCHMUNZELN. Das rührt vom  wunderschönen Wald, durch den man da schreitet. Zumal der Weg zuweilen fast eine spirituelle Dimension hat – obwohl (oder weil?) es da auf den ersten Blick „nichts Besonderes“ zu sehen gibt. Aber gerade das spricht ja oft das Innerste im Menschen an. Beispiel: Ein einzelner Baum, den man sich genauer betrachtet, dessen Rinde man befühlt und der zum Nachdenken, wie alt er wohl ist, einlädt, kann einen inneren Dialog in Gang bringen oder aber einen schlicht und einfach zur Ruhe kommen lassen, zum Fluchtpunkt vor der Hektik des Alltags und zur Kraftquelle werden. Die knorrigen Wurzeln, die sich da immer wieder über den schmalen Pfad schlängeln, animieren dazu, über seine eigenen Wurzeln zu nachzusinnen. Und das verschmitzte Gesicht, das ein fröhlicher Zeitgenosse als riesiges Wanderzeichen auf einen mächtigen Felsen an Wegesrand gemalt hat, lässt die meisten vermutlich mehr als nur schmunzeln.

DIE KRAFT DER ZIRBEN. Immer wieder aber schlagen einen die kraftvoll zum Himmel ragenden Zirben, die sich die Region an und oft sogar jenseits der „offiziellen“ Baumgrenze erobert haben und für die Alpen ja ebenfalls eine regelrecht mystische Bedeutung besitzen. Was vermutlich auch von ihrer enormen Widerstandskraft herrührt. Temperaturen von bis zu 43 Grad minus soll sie problemlos aushalten können. Auch der Erosion oder Lawinen trotzt sie erstaunlich gut. Dass die Zirbelkiefer, die (vornehmlich in der Schweiz) auch Arve genannt wird, sich so gut verbreitet, liegt auch an der Vergesslichkeit eines Vogels: Der Tannenhäher ernährt sich hauptsächlich von Zirbelsamen – und legt davon auch Wintervorräte (vornehmlich im weichen oder lockeren Erdreich) an. Etwa ein Fünftel davon vergisst er Jahr um Jahr einfach – und verhilft dadurch vielen jungen Bäumchen hinein ins Leben. In den vergangenen Jahren sind Kissen mit Zirbenspänen zu einem Renner in der Wellness-Szene geworden. Die ätherischen Öle, die darin enthalten sind, sollen einem zu einem besseren Schlaf verhelfen. Zudem wurde behauptet, dass man sogar eine niedrigere Herzfrequenz bekomme, eine längere Erholungsphase genießen könne und auch weniger wetterfühlig sei, wenn man in einem Bett aus Zirbenholz schlafe. Allerdings nahmen an dieser Studie des Joanneum Research Instituts für nichtinvasive Diagnostik gerade mal 15 Leute teil, so das diese Aussagen zumindest nicht unumstritten sind. Aber das muss ja wohl eh letztlich jeder für sich selbst herausfinden.

VERLOCKENDER SEE. So viel Schönes gibt es da zu sehen, dass einem kaum auffällt, dass es zuweilen durchaus steil zugeht – und es spielt ja auch keine Rolle. In der Zone der Alpenrosen wird die Steigung dann sanfter – und dann steht man ohne große Vorankündigung vor einem wahren Juwel: Dem Brechsee. Da kann man gar nicht anders, als sich hinzusetzen, zu genießen und zumindest die Füße ein klein wenig hineinzuhängen. Auch wenn man sich vorstellen kann, wie kalt ein Gewässer auf mehr als 2100 Metern höhe zu sein vermag – es ist einfach zu verlockend. Kaum glauben will man indes, dass es noch 400 bis 600 Meter weiter oben unterhalb von Stupfarriköpfle und Falkaunsjoch noch einige andere Seen gibt. Dort findet man indes wohl mehr Steinböcke als Menschen. Stille pur umfängt einen aber schon hier am Brechsee, man ist weit entfernt vom Lärmteppich der Zivilisation, in der es keine ruhigen Momente mehr zu geben scheint. Dies gilt selbst für ortsnahe Seen, die mittlerweile von wahren Horden mit Ghetto-Blastern erobert werden, die dann natürlich kräftig aufgedreht werden müssen. Von solcherlei Dingen ist man in den Pitztaler Bergen gottseidank noch verschont. Hier kann man noch mit der Natur in ein stilles Zwiegespräch treten und sie sich im eigenen Inneren widerspiegeln lassen.

GLÜCKLICHE HÜHNER. Diesen Gedanken vermag man dann auch noch während der nächsten Stunde nachzuhängen, wenn es (zunächst über Wiesen, die einem herrliche Ausblicke ermöglichen, dann erneut durch einen idyllischen Wald) hinüber zur Söllbergalm geht, in der es ebenfalls noch urig zugeht. Und Mensch und Tier als eine große Familie zusammenleben. Die berühmten „glücklichen Hühner“ zum Beispiel werden die meisten allenfalls aus der Werbung kennen – hier kann man sie live und in Farbe erleben, wenn sie mit munterem Gegacker eifrig um die Hütte wuseln. Auch hier kann man sich nur schwer trennen. Aber der Hütten-Abschiedsschmerz wird durch eine herrliche Passage auf dem Pitztaler Almenweg gemildert. Da ist einem egal, dass dass das Gelände hier ausgeschnitten ist wie ein norwegischer Fjord, so dass man eine „Bucht“ auslaufen muss und es hinüber zur Mauchele Alm viel weiter ist, als es auf der Karte zunächst den Anschein hatte. Aber das stört kein bisschen, wenn der Weg so schön ist wie hier. Und so beschwingt bereitet einem dann der Forstweg, den man bereits beim Aufstieg genommen hat, auch beim Weg hinunter keinerlei Probleme. Zu erfüllt ist das Herz von all dem, was es an Wunderbarem in sich aufnehmen durfte.
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