Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Glanzlichter | 11. Juni 2019 | Sabine Schretter

Heimtückisch abgehört

Heimtückisch abgehört
FEEDBACK
REDAKTION
Imst Reutte Telfs Landeck Sabine Schretter
Artikel teilen
Artikel teilen >
Liebe Freunde politischer Skandale!

Als das Ibiza-Video auftauchte, weilte ich auf Kur in der Steiermark. Mitten zwischen Blut- und Harnabnahmen, Gymnastik und Massagen ereilte mich bei der abendlichen Entspannung vor dem Fernseher das Filmchen, das Österreich binnen Stunden gravierend verändern sollte. Neben der Ausstrahlung des verheerenden Clips war die Milieustudie meiner Mitpatienten für mich das eigentlich Interessante. Bei Kaffee- und Zigarettenpausen streute ich dezent das Thema – und erfuhr prompt das jeweilige Wahlverhalten der Angesprochenen. Gar nicht so wenige von den Kurgästen entpuppten sich dabei als Blaue. Auf Fragen wie „Habt ihr das gesehen?“ oder „Was sagst du dazu?“ fielen Antworten wie „Warst du noch nie betrunken?“, „Hast du noch nie einen Blödsinn geredet?“ oder „Da sieht man wieder: Typisch für unsere Politiker. Egal welche Farbe. Sie haben alle Dreck am Stecken!“ Das Resultat dieser Äußerungen vernahm ich ein paar Tage später über das Ergebnis der EU-Wahlen. Nur ein mageres Minus von 2,5 Prozent hat den Freiheitlichen der Skandal gekostet. Und der Hauptdarsteller, Heinz-Christian Strache, erhielt so viele Vorzugsstimmen, dass er nach seinem Rücktritt als Parteiobmann und Vizekanzler jetzt sogar ins Europaparlament einziehen könnte. Das heißt: Noch immer fast ein Fünftel aller zur Urne Gehenden sind der Überzeugung, dass Strache und Gudenus einem heimtückischen Lauschangriff aufgesessen sind. Für ihre Fans sind nicht die Tatsachen, dass die FPÖ-Spitzenfunktionäre eine russische Oligarchin zur illegalen Parteienfinanzierung, zum Kauf der Kronenzeitung und zur Abschaffung des ORF bewegen wollten, das Verwerfliche. Nein: Für hart gesottene Blaue sind ihre Führungspersonen Opfer und nicht Täter! Das klingt wie ein fundamentalistisches Religionsbekenntnis, gegen das es für Andersgläubige keine Argumente gibt. Ein Analyst brachte das Gesagte auf den Punkt: „Raus kommt nur, was drinnen ist!“

Meinhard Eiter
Die Oberländer Rundschau

Die führende Wochenzeitung im Oberland und Ausserfern!
Künftig erhalten über 90.000 Haushalte wöchentlich die aktuellsten News!
Die Oberländer Rundschau wurde 1978 gegründet.
 jobs.rundschau.at

jobs.rundschau.at

jetzt NEU: Jobs im Tiroler Oberland und Ausserfern Helle Köpfe aufgepasst!
Nach oben
Wir verwenden Cookies, Tracking- und (Re-) Targeting-Technologien. Damit wollen wir unsere Webseite nutzerfreundlicher gestalten und fortlaufend verbessern. Wenn Sie unsere Webseite weiter nutzen, stimmen Sie dadurch der Verwendung von Cookies zu – ausgenommen sind Cookies für Google-Marketing-Produkte.
Einverstanden
Weiter ohne Google-Marketing-Produkte.
Weitere Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.