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Imst | Kultur | 10. November 2020 | Friederike Bundschuh

Ehepaar unterstützt Tiroler Auswanderer in Peru

Ehepaar unterstützt Tiroler Auswanderer in Peru
Eine Straße als Dank und Würdigung: Mit der Pasaje Habicher-Schwarz erinnert die Tiroler Auswandererkolonie Pozuzo im peruanischen Urwald an Elisabeth Habicher-Schwarz und Bruno Habicher, die mit dem von ihnen ins Leben gerufenen Freundeskreis die Erinnerung in der alten Heimat wachhalten. RS-Foto: Bundschuh
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Seit 1983: Verein „Freundeskreis für Pozuzo“ – die Gründer Elisabeth Habicher-Schwarz und Bruno Habicher im RS-Gespräch

1857 brachen rund 180 Tiroler Auswanderer in Richtung Peru auf, um die Kolonie Pozuzo aufzubauen, rund die Hälfte stammte aus dem Tiroler Oberland, viele aus Haiming und Silz. Im Jahr 1983 wurde im Einvernehmen mit dem Land Tirol und den Gemeinden Silz und Haiming der „Freundeskreis für Pozuzo“ von Elisabeth und Bruno Habicher gegründet. Die RUNDSCHAU traf das speziell in Pozuzo engagierte Ehepaar zum Gespräch.
Von Friederike Bundschuh

„Die große weite Welt hat uns nie losgelassen, schon in der Schule im Fach Heimatkunde haben wir über Peru und so eine Tiroler Kolonie namens Pozuzo gehört, das hat mich damals schon fasziniert“, lacht Elisabeth Habicher-Schwarz in ihrer gemütlichen Zirbenstube, in der aussagekräftige Erinnerungsstücke an der Wand hängen. Bruno Habicher ergänzt: „Wir haben Anfang der 1980er Jahre eine mehrwöchige Südamerika-Reise nach Bolivien und Peru geplant und wollten auch jenen Ort im Urwald Perus aufsuchen, in dem sich im vor-vorigen Jahrhundert eine Gruppe Tiroler, Rheinländer und Bayern niedergelassen hatte.“ 1981 war es dann so weit, es erfüllte sich Elisabeths Jugendtraum.

POZUZO LIVE. „Wir sind am Pfingstsamstag müde und verschwitzt mit unseren schweren Rucksäcken angekommen, gingen gleich in die Kirche, um die Vorabendmesse zum Pfingstfest mitzufeiern. Mein Blick blieb an der Inschrift über dem Presbyterium hängen ‚Herz Jesu, Dir ewige Treue‘. Das hat mich überwältigt – mitten im Urwald vertraute Worte, noch dazu in Deutsch“, meint Elisabeth, „das Herz-Jesu-Fest war immer wichtig in meinem Leben, ich ging ja auch mit auf die Berge zu den Bergmessen und Feuern jedes Jahr.“ Nach der Messe sprach die Beiden eine über 80 Jahre alte Bäuerin im Tiroler Dialekt an: „Seid’s es o deitsch?“ Gelebter Tiroler Dialekt mitten im Peruanischen Urwald – an Faszination nicht zu überbieten für Elisabeth und Bruno. Die beiden Reisenden blieben rund 14 Tage in Pozuzo, erkundeten den Urwald der Umgebung entlang der Flüsse Rio Huancabamba und Rio Sta Cruz, die in den Rio Pozuzo münden, namensgebend für die circa Mitte des 19. Jahrhunderts gegründete Siedlung. Die Österreicher wurden stets begleitet von Nachkommen der Pioniere, allen voran Augustin Egg oder Willi Vogt und deren Familien. Das Gottvertrauen der Tiroler in Peru, die Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft ließ die Besucher nicht mehr los und führte zum Entschluss, dort wo es notwendig ist, zu helfen.

DER „FREUNDESKREIS FÜR POZUZO“. So wurde 1983 in Abstimmung mit dem Land Tirol und in Kooperation mit dem Silzer Bürgermeister Eduard Förg der Verein „Freundeskreis für Pozuzo“ gegründet, vorerst mit Sitz in Innsbruck, da die Vereinsgründer Bruno Habicher als Obmann und Elisabeth Habicher-Schwarz als Schriftführerin noch berufstätig waren und sich deshalb die Organisation der Vereinstätigkeit von Innsbruck aus einfacher gestaltete. Es folgten zahlreiche Projekte und Engagements, 1984 wurde die erste Gruppenreise von Tirolern nach Pozuzo organisiert, die unvergesslichen Eindrücke vor Ort motivierten die Besucher der Tiroler Kolonie in Kooperation mit dem Freundeskreis zu weiteren Unternehmungen und Unterstützungsprojekten. Die Schilderung aller umgesetzten Vorhaben ist in diesem Rahmen leider nicht möglich, daher in der Folge auszugsweise zwei, die Elisabeth und Bruno besonders am Herzen liegen.

KULTURVEREINSHAUS & EHRENBÜRGERSCHAFT. „In Pozuzo gab es einen größeren Raum in der Schule für kulturelle Zusammenkünfte, es war aber schon länger beabsichtigt, eine Art Vereinshaus zu bauen. Mangels Unterstützung durch den ‚Freundeskreis‘ startete ich gemeinsam mit meinem Mann verschiedene Spendenaktionen dafür. Der Spatenstich erfolgte 1999, im Jahr 2004 konnte das Kulturvereinshaus eingeweiht werden“, erzählt Elisabeth, die Freude darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben. Als Dank und Anerkennung für den sozial-kulturellen Einsatz von Elisabeth und Bruno wurde den beiden anlässlich der Fertigstellung des Kulturvereinshauses 2004 die Ehrenbürgerschaft von Pozuzo verliehen. Weitere Ehrungen folgten, unter anderem die Verleihung der Verdienstmedaille des Landes Tirol für die Förderung der Kontakte mit Pozuzo am 15. August 2014.

DIE AUFARBEITUNG DER GESCHICHTE. Auch die Geschichte der Auswanderer und Ortsbegründer in Peru sollte sowohl in der „alten Heimat“ als auch in Pozuzo selbst nicht verblassen. Daher entschloss sich das Ehepaar Habicher-Schwarz, sein umfangreiches Wissen, das in insgesamt mehr als zwei Jahren Aufenthalt in der Tiroler Kolonie erarbeitet wurde, zu verarbeiten und zu publizieren. „Wir waren mehrmals monatelang in Pozuzo“, lacht Elisabeth. Und weiter: „1995 ging mein Wunschtraum in Erfüllung: Fast fünf Monate war es mir vergönnt, mit den Tirolern und anderen Deutschstämmigen in Pozuzo zu leben – es war die schönste Zeit meines Lebens.“ Es entstanden drei Bücher in Deutsch, eines in Spanisch. Spanisch deshalb, weil nach dem Zweiten Weltkrieg lange Zeit die deutsche Sprache verboten war und auch das vormals Erlebte der Pioniere jüngeren Generationen zugänglich gemacht werden sollte. Alle Werke sind vergriffen, ein Zeichen, dass nach wie vor großes Interesse an der Geschichte der mutigen Oberländer Auswanderer im 19. Jahrhundert, ihrer Familien und der Kolonie im „Heute“ besteht. 

UND HEUTE? „Wir haben uns 1992 aus der Vereinsführung und seit 2005 langsam aus der laufenden Projektumsetzung zurückgezogen, schließlich sind wir auch nicht mehr die Jüngsten. Unser Engagement seit 1983 war ja mindestens ein Ganztagsjob so ganz neben unserer Berufstätigkeit und natürlich der Familie. Es war eine unglaublich bereichernde Zeit in unserem Leben, wir haben interessante Leute kennengelernt und spannende Erfahrungen gemacht – der Abschied aus Pozuzo und seinen Bewohnerinnen und Bewohnern fiel nicht nur uns Tirolern aus der ,alten Welt‘ sehr schwer“, meint Bruno. Elisabeth ergänzt: „Nach wie vor besteht eine intensive Verbindung zu Familien ,drüben‘, nur ob wir noch einmal nach Peru und damit nach Pozuzo aufbrechen, wird die Zeit zeigen.“ Abschließend ein Zitat des Bürgermeisters von Pozuzo, August 2003: „Wer seine Heimat liebt, bleibt mit ihr immer verbunden.“ Dem ist wohl nichts hinzuzufügen!
Ehepaar unterstützt Tiroler Auswanderer in Peru
Elisabeth Habicher-Schwarz gründete mit ihrem Mann Bruno Habicher im Jahr 1983 den Verein „Freundeskreis für Pozuzo“. Die beiden initiierten zahlreiche Unterstützungsprojekte. Ganz besonders freute Elisabeth, dass aufgrund ihrer Initiative der Spatenstich für das Kulturvereinshaus 1999 erfolgen konnte, das 2004 feierlich eingeweiht wurde. RS-Repro: Bundschuh
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