Rundschau - Oberländer Wochenzeitung
Imst | Kultur | 24. August 2020 | Martin Grüneis

„Fragmente“ – Ein Bild sagt mehr als tausend Titel

„Fragmente“ – Ein Bild sagt mehr als tausend Titel
Raimund Wulz hat erst im Jahr 2015 im Rahmen einer Malerwerkstatt im „Hoke Werkhaus Saager“ bei Robert Morianz und Bruno Wildbach gespürt, dass er in der Malerei angekommen ist – neben dem Zeichnen als Architekt. Seit damals hat er viel gemalt, die Motivation kommt aus seiner inneren Kraft, seiner geistigen Welt heraus. RS-Foto: Bundschuh
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Raimund Wulz’ Ausstellungsdebut in Imster Hörmann-Galerie

Mit der Ausstellung von Raimund Wulz gibt die Städtische Galerie Theodor von Hörmann einen Einblick in das vielschichtige Schaffen und facettenreiche Werk des in Telfs in der „Architekturhalle“ ansässigen Künstlers. Die RUNDSCHAU traf Raimund Wulz und durfte die unterschiedlichen Ausdrucksarten seines Könnens kennenlernen.
Von Friederike Bundschuh

„Die Kunst hat mich seit meiner Kindheit begleitet. Ich bin in der Tischlerwerkstatt meines Vaters aufgewachsen, hab immer schon geschnitzt und gezeichnet. Daher war es offensichtlich, dass ich mich für die Architektur entscheiden werde. So habe ich ein Architekturjahr in Innsbruck absolviert, aber das war mir viel zu technisch“, schmunzelt Raimund Wulz. Es folgt ein Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Prof. Timo Penttilä in Wien, damit verbunden auch das Aktzeichnen, das ihn bis heute begleitet. „Alle paar Wochen kommen hier bei mir ungefähr zehn Leute zusammen, ich organisiere die Modelle und dann zeichnen wir gemeinsam. Das machen wir sehr konsequent seit circa zehn Jahren“, meint Wulz. Und weiter: „Das Zeichnen war eigentlich immer da, auch im Beruf als Architekt. Ich lehne es bewusst ab, mit dem Computer zu zeichnen, ich zeichne immer mit der Hand. Dadurch habe ich meinen Strich, meine Identität.“

SUCHE NACH DER KÜNSTERISCHEN IDENTITÄT. „Ich habe vieles ausprobiert, gemalt, gezeichnet, hab gewusst, es gibt irgendetwas für mich, aber was genau, hat sich erst 2015 herauskristallisiert. Der Durchbruch kam während meiner Teilnahme an einer Malerwerkstatt im ,Hoke Werkhaus Saager‘ bei Robert Morianz und Bruno Wildbach, dort habe ich gespürt, das ist meines, ich bin in der Malerei angekommen neben dem Zeichnen. Seit damals habe ich sehr viel gemalt, neben dem Beruf, aber es kommt einfach heraus, das ist das Faszinierende daran.“ Wulz arbeitet selten mit thematischen Vorgaben, er setzt seine innere Kraft auf den Bildern um, beginnt mit einer Farbe, auf die er gerade Lust hat, das Motiv kommt seinem Inneren, aus seiner geistigen Welt heraus. „Es ist für mich auch eine Befreiung, denn in der Architektur gibt es immer Vorgaben zu beachten, zu viele Faktoren, mit denen gearbeitet werden muss. Das ist toll, aber gleichzeitig fasziniert mich die absolute Freiheit der Malerei. Da ist die weiße Leinwand und ich, sonst nichts. Kreativität ist immer gefordert, aber durch die Loslösung von allen Vorgaben in der Kunst befruchtet sich auch mein architektonisches Arbeiten. Diese beiden Ansätze ergänzen sich gegenseitig in mir.“

REISEN, LANDSCHAFT, MYSTIK, KULTUR. Raimund Wulz lässt sich durch seinen Alltag, Reiseerlebnisse, unterwegs erlebte Kultur, urbane Räume und vielem mehr inspirieren für seine Werke. Ende 2019 entstand der so genannte „Nepalzyklus“. Bereits während des Studiums hat Wulz mit Freunden ein Dorf in Nepal gezeichnet, diese Werke sind zurzeit in Katmandu ausgestellt, manches davon fließt aber auch in sein Ausstellungsdebut „Fragmente“ in Imst mit ein. Auch persönliche Ereignisse werden in seinen Werken aufgearbeitet, die in verschiedenen Techniken ausgeführt sind. Der Künstler experimentiert, arbeitet viel mit Leim und Kleister vermischt mit Pigmenten wie Holzkohle oder Bitumen und findet so seinen Weg. Auch das Auftragen der Farbe passiert mit unterschiedlichen Materialien wie Papier oder Pinsel. „Ich hab das ja nicht gelernt, es hat mir niemand gesagt, das gehört so oder eben anders. Mein Ziel ist die Entdeckung an sich, Malerei und Grafik ergänzen sich, die kraftvollen Striche finden sich überall wieder.“ Stumpfe mineralische Farben sprechen ihn an, Öltechnik möchte probiert werden, nur glänzende Farben wie Acryl „sind nicht so seines“.

OHNE TITEL. Der Betrachter soll selber interpretieren, seine Bilder zeigen zum Teil auch Architektur. So kann ein Werk einen urbanen Grundriss zeigen, es kann aber auch ein Tor sein. Dazu Wulz: „Wenn ich das Bild als ,Tor‘ benenne, dann ist es für alle ein Tor. Ohne Titel sieht der Betrachter aber vielleicht etwas, das ich selber gar nicht drin gesehen habe. Denn die Werke kommen aus dem Unbewussten, sollen daher die Freiheit haben, die Betrachter nicht zu beeinflussen. Nur bei ganz klaren Sachen gibt es Namen, zum Beispiel in Nepal eine Hängebrücke oder einen Muli-Treiber.“ Raimund Wulz sieht seine Kunst als Ausgleich zum Architekturschaffen, sieht sein Tun als „Wagnis“. „Man steht vor einer weißen Leinwand und weiß nicht, was jetzt zu machen ist und trotzdem entsteht etwas. Das hat immer mit Wagnis zu tun.“
„Fragmente“ – Ein Bild sagt mehr als tausend Titel
Aktzeichnen begleitet ihn seit seiner Zeit an der Akademie der bildenden Künste in Wien bis heute. So kommen alle paar Wochen maximal zehn Personen in der „Architekturhalle“ in Telfs zusammen, Raimund organisiert die Modelle und dann wird gezeichnet. RS-Foto: Bundschuh
„Fragmente“ – Ein Bild sagt mehr als tausend Titel
Raimund Wulz hat die Hörmann-Galerie maßstabgetreu nachgebaut und seine Werke nach Maßstab ausgedruckt, um die idealen Plätze für seine Werke für die Ausstellung „Fragmente“ vorzubereiten. Perfekte Vorbereitung für eine spannende Präsentation! RS-Foto: Bundschuh
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