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Imst | Kultur | 2. November 2022 | Friederike Bundschuh

Hannah Philomena Scheiber – im Atelier der Berge

Hannah Philomena Scheiber – im Atelier der Berge<br />
Hannah Philomena Scheiber bereitet ihre Ausstellung „Licht und Schatten“ vor. Sie präsentiert auch eine neue Art, Bilder zu gestalten, nämlich mit Legosteinen. Im Rahmen der Vernissage können die Besucherinnen und Besucher die Kunstform „Lego Painting“ selbst ausprobieren. RS-Foto: Bundschuh
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Hannah Philomena Scheiber Vernissage Ausstellung "Licht und Schatten" Atelier in der Lehn 7 Galerie
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Vorbereitungen zur Vernissage der Ausstellung „Licht und Schatten“

Nächste Woche beginnt die „RetroPerspektive 2011 – 2022“, wie die Künstlerin es schmunzelnd nennt, in der Hörmann Galerie. Die RUNDSCHAU besuchte sie in ihrem Atelier in der Lehn 7 Galerie und durfte „über die Schulter“ schauen.
Von Friederike Bundschuh

Blaue Berge wohin das Auge fällt, Lawinenverbauungen in Blau, dazwischen halbierte Kaffeekannen, die zur Garderobe werden, Textilkunst in Form von bestickten traditionellen Bauernschürzen oder Legosteine – grenzenlose Vielfältigkeit definiert die Arbeit der in Obergurgl aufgewachsenen Künstlerin. Nach der Matura an der Handelsakademie geht sie direkt an die Universität für angewandte Kunst in Wien. „Ich habe im Maturajahr erkannt, dass mein Weg in die künstlerische Richtung geht, einen Plan „B“ hatte ich nicht“, meint Hannah, „aber ich bin sehr froh, dass ich eine kaufmännische Ausbildung habe.“ Nach dem Abschluss in Wien 2016 führen sie weitere Studiengänge an die Accademia di Belle Arti in Florenz und die School of Visual Arts in New York. Bekannt wird Hannah Philomena Scheiber durch zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland sowie Teilnahmen an Kunstmessen.

DIE FARBE BLAU. Warum dominiert die Farbe Blau ihre Arbeiten? Es hätte ja genauso gut Grün, Rot oder Gelb sein können. Hannah lächelt und meint: „Blau hat mich von Anfang an fasziniert. Ich habe mich dann intensiv mit dem geschichtlichen Hintergrund dieser Farbe beschäftigt und kam darauf, dass man diese Farbe zur Würdigung der Mutter Maria verwendete. Jedes Marienbild musste früher eine bestimmte Grammanzahl von diesem Ultramarinblau enthalten, weil dies das teuerste Pigment war. Das fand ich sehr spannend. Einerseits weil das Originalpigment „oltre mare“ heißt, also „über dem Meer“. Und die Berge sind ja tektonisch aufgeschoben. Außerdem habe ich mir überlegt, dass nicht nur der Himmel, sondern auch die Berge zur Mutter Natur gehören. So würdige ich mit meiner Farbe die Mutter Natur.“

DAS BERGMOTIV. „Angefangen habe ich damit, Trachtenstoffe fotorealistisch zu malen. Ich habe sie als Faltenwürfe drapiert und in Richtung abstrakt gemalt. In meinem Jahr in Florenz sagte mein Professor zu diesen Arbeiten ‚Das schaut ja aus wie Berg und Tal‘. Damit hatte er absolut recht. So habe ich dann begonnen, das an sich sehr schwierige Landschaftsthema umzusetzen. Noch dazu war zu der Zeit der Herbert Brandl mit seinen neoexpressionistischen Landschaftsbildern bei der Biennale di Venezia vertreten. Das war meine endgültige Motivation, ich dachte ‚Ok, let´s do it‘. Mir ist sehr wichtig, dass meine Bilder nicht allein fotorealistische Motive darstellen, sondern dass abstrakte Elemente drin sind.“

LAWINENVERBUUNGEN. Nicht nur ihre gemalten Berge leuchten Blau, auch Lawinenverbauungen dominieren ihre Bilder. „Mir geht es darum, die ästhetischen Eingriffe in die Natur, die in der Darstellung immer ausgelassen werden, zu zeigen. Auch der Sicherheitsaspekt auf der psychologischen Ebene spielt eine große Rolle. Denn absolute Sicherheit in der Natur gibt es nicht. Bei Lawinenverbauungen generiert das „Zurückhalten“ neue Probleme. Deshalb ist man teilweise dabei, diese Verbauungen rückzubauen. Es geht in die Richtung Straßen sperren, Schnee portionsweise absprengen und erledigt. Das ist oftmals bei uns Menschen gleich. Wir halten vieles zurück, dabei wäre es besser, Probleme bewusst zu durchleben und sie damit zu erledigen. Auch der Wunsch, die Natur zu kontrollieren, kann nicht aufgehen.“

KUNST IM ÖFFENTLICHEN RAUM. Diese Art der Kunst liegt Hannah Philomena Scheiber besonders am Herzen, wie auch am Würtenbergerhaus in der Imster Kramergasse gut zu sehen ist (die RUNDSCHAU hat berichtet). „Das mache ist sehr gern. Ich gestalte auch für Intersport Fassaden und auch Verkaufsräume. Das ist einer meiner Zugänge zu Kunst im öffentlichen Raum. Denn wie viele Leute gehen in eine Galerie oder in ein Museum? Und wie viele in ein Sportgeschäft? Kunst darf einem auch dort begegnen, wo man es am wenigsten erwartet. Frei nach dem Motto „Art outside of the museum“. Die Reaktionen der Betrachter sind auch sehr spannend, angefangen vom fehlenden Gipfelkreuz am Muttekopf bis hin zur Frage ‚Warum ist die Rosengartenschlucht nicht grün‘. Aber das gehört einfach zur Arbeit im öffentlichen Raum dazu.“ Interessante Hintergründe zu einer faszinierenden Ausstellung, die den Bogen spannt zwischen Zweidimensionalem, Dreidimensionalem und Konzeptkunst. Vernissage am 10. November 2022, 19 Uhr, Städtische Galerie Theodor von Hörmann.

 
Hannah Philomena Scheiber – im Atelier der Berge<br />
Letzte Vorbereitungen im Atelier. Hannah Philomena Scheiber zeigt neben Malerei auch Keramik- und Textilkunst bis hin zu neuen „Lego Paintings“. RS-Foto: Bundschuh
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