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Imst | Kultur | 26. April 2021 | Friederike Bundschuh

„Ich male, was ich lese“

„Ich male, was ich lese“
Maurizio Bonato stellt ab 7. Mai seine Werke in der Hörmann-Galerie in Imst aus. Er zeigt ausspannende Gegensätze und angedeutete Zusammenhänge, die den Betrachterinnen und Betrachtern zumuten, Fantasie zu entwickeln. RS-Foto: Bundschuh
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Maurizio Bonato-Ausstellung in Imst

Die kommende Ausstellungseröffnung in der Hörmann-Galerie wirft ihre Schatten voraus. Maurizio Bonato präsentiert ab 7. Mai mit seinen Werken spannende Gegensätze und angedeutete Zusammenhänge, die den Betrachterinnen und Betrachtern zumuten, Fantasie zu entwickeln. Die RUNDSCHAU hat den Künstler in seinem Atelier in Innsbruck getroffen.
Von Friederike Bundschuh

Maurizio Bonato, geboren 1953 in Ala (Trentino), wächst in Bozen auf und kommt 1973 nach Innsbruck. Dort promoviert er 1981 in Kunstgeschichte. So weit, so kurz – eine kunstakademische Ausbildung absolviert Maurizo nicht, seine Werke spiegeln vielmehr sein Talent, das er autodidaktisch vervollkommnet, in unterschiedlichen Techniken wieder. Prägend für seinen künstlerischen Werdegang war unter anderem die Einladung zur Künstlerklausur „Meditation 85“ im Rahmen des Steirischen Herbstes auf Schloss Poppendorf bei Gnas. Besonders beeinflussten Bonato der Maler Prof. Hans Staudacher durch dessen spontane und expressive künstlerische Art sowie Prof. Herwig Zens, bis 2006 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, der ihn auf die Verwendung von Farben mit Dispersionsbinder brachte – eine Art sich auszudrücken, die Bonato bis heute eindrucksvoll praktiziert und weiterentwickelt.

SPANNENDE TECHNIKEN. Maurizio Bonato setzt in seinen Werken Eindrücke um, seien es Gelesene, Gesehene oder Gefühlte. Dazu verwendet er neben Graphit, Wasserfarben, weichen Ölkreide-Stiften auch Farbpigmente mit Dispersionsbinder, die Motive bringt er auf durchscheinende Folie auf. Besonders wichtig ist ihm die Trennung von Strich und Farbe im Malduktus, darüber hinaus muss die Bildkomposition aus mehreren Teilen sein und die Summe der Teile soll die Aussage des Bildes suggerieren. „Es ist ein bisschen wie in der Musik: Die Pausen zwischen den Noten machen die Musik, ohne Intervalle hätten wir keine Melodie. In etwa so halte ich es mit meinen Bildern. Es gibt verschiedene Teile, die inkongruent sind, zum Beispiel im Einladungsbild für die Ausstellung in Imst: In der Mitte ist diese Person, die einen Baum umarmt und sich dadurch Kraft holen will, auf der linken Seite ist Marina Abramovic, die als junge Frau am Meer in Kroatien einen Ball schwingt und auf der rechten Seite als Kontrast ein gemaltes Foto von einer Demonstration. Ich sage nicht, was ich damit gemeint habe, aber in der Mitte ist etwas beinahe Magisches, Marina verkörpert die spielerische Leichtigkeit und auf der anderen Seite sehen wir die Realität, die uns auch herausfordert.“

ZUMUTUNG ZUR FANTASIE. Maurizio Bonato: „Meine Bilder sind eine Zumutung. Ich mute den Betrachterinnen und Betrachtern zu, dass sie fantasieren können, ausgehend von kleinen narrativen Andeutungen. Die Bilder haben auch zum Teil keine Titel, denn jede Deutung, Interpretation oder Neuerzählung, jede Empfindung dazu ist richtig. Es gibt Situationen, in denen man fühlt‚ das ist jetzt ein magischer Moment, in denen man etwas spürt, das nicht in Worte gefasst werden kann. Wir leben in einer sehr nüchternen wissenschaftlichen Zeit und ich hätte gerne, dass ein Gleichgewicht zwischen dieser rationalisierten Welt und dem, was wir nicht kennen oder bestimmen können, besteht.“

EINFLUSS VON RAINER MARIA RILKE. „Brau mir den Zauber, in dem die Grenzen sich lösen“ ist der Titel der Ausstellung in der Imster Hörmann-Galerie. Dazu Bonato: „Das ist der Titel und die Anfangszeile eines Gedichtes von Rainer Maria Rilke, den ich assoziativ dazu genommen habe. Rilke hat mich schon immer begleitet, zum Teil habe ich auch Gedichte in meine Bilder einfließen lassen, er gibt mir auch Hinweise auf versteckte magische Inhalte, die ich später umsetze. Ich lese auch Cormac McCarthy, der unter anderem eine wunderbare Geschichte über einen jungen Bauern schreibt, der eine Wölfin jagen will, damit sie nicht seine Schafe reißt. Er trifft einen alten Mann, der ihm sagt, dass das ein unmögliches Unterfangen ist. Er sagt: ‚Wir benennen jeden Berg oder jeden Fluss, und dann haben wir das Gefühl wir kennen das in Wirklichkeit, weil wir es so benannt haben. Aber in der Wirklichkeit ist die Wirklichkeit nicht greifbar.‘ Für mich ist das so wie eine Schneeflocke, die auf die Hand kommt. Wir spüren sie, aber in dem Moment, in dem wir sie festzuhalten versuchen, ist sie fort.“ Und weiter: „Wie wir die Welt sehen, so wird sie. Ich wünsche mir eine Welt, in der auch unerwartete Dinge passieren, Nette, Überraschende, Angenehme. Einfach die Grenzen auflösen und einen Blick in das ,Dahinter‘ werfen.“ Die Ausstellung von Maurizio Bonato ist von Freitag, dem 7. Mai bis 3. Juli zu sehen. Kontakt: Kulturbüro Imst, +43 664 606 98 207, kultur@imst.gv.at, www.
kultur-imst.at
„Ich male, was ich lese“
Die Bildkomposition der Werke von Maurizio Bonato muss aus mehreren Teilen sein und die Summe der Teile soll die Aussage des Bildes suggerieren. Bonato: „Ich mute den Betrachterinnen und Betrachtern zu, dass sie fantasieren können, ausgehend von kleinen narrativen Andeutungen. Die Bilder haben auch zum Teil keine Titel, denn jede Deutung, Interpretation oder Neuerzählung, jede Empfindung dazu ist richtig.“ RS-Foto: Bundschuh
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