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Imst | Kultur | 8. März 2021 | Friederike Bundschuh

Leben ist eine schöne Alternative

Leben ist eine schöne Alternative
Die Hörmann-Galerie präsentiert anlässlich des 90. Geburtstags von Dietlinde Bonnlander ihre Werke, die dazu einladen, einen Blick zurück auf die bewegte Lebensgeschichte der in Hinterpommern geborenen Künstlerin zu werfen. Im Bild: Raiffeisen-Sponsorvertreter Christian Seiser, Dietlinde Bonnlander, Bürgermeister Stefan Weirather und Gemeinderätin Barbara Hauser (v.l.)RS-Foto: Bundschuh
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Dietlinde Bonnlander-Ausstellung in Imst

Anlässlich des 90. Geburtstags der Malerin und Schriftstellerin Dietlinde Bonnlander zeigt die Galerie Theodor von Hörmann Werke, die dazu einladen, einen Blick zurück auf die bewegte Lebensgeschichte der in Hinterpommern geborenen Künstlerin zu werfen. Kuratorin Regina Tschurtschenthaler hat eine beeindruckende Schau gestaltet, die zum Verweilen einlädt.
Von Friederike Bundschuh

Dietlinde Bonnlander wird am 15. Januar 1931 in Hinterpommern geboren und darf eine unbeschwerte „wunderbare“, wie sie der RUNDSCHAU selbst erzählt, Kindheit und frühe Jugend in Fritzow, heutiges Polen, verleben. Die Familie bewirtschaftet ein großes bäuerliches Gut, die traumhaft schöne Landschaft in der Nähe der Ostsee prägt die Künstlerin. Das in familiärer Geborgenheit Erwachsenwerden findet mit der Flucht vor der näher rückenden Kriegsfront im Zweiten Weltkrieg ein jähes Ende. Alles zurücklassen zu müssen, ganz besonders die Tiere, die Umstände auf der Flucht, das intensive Engagement ihres Vaters für den gesamten Flüchtlingstreck und der Neustart der Familie in Sartrup nahe der dänischen Grenze bleiben bis heute bedrückende Erinnerungen, speziell der frühe Tod der jüngeren Schwester muss verkraftet werden. All dies wird in ihren Werken auch literarisch verarbeitet.

FRÜHES INTERESSE AN KUNST. Seit der Kindheit zieht es Dietlinde Bonnlander in Richtung Kunst, 1948 kann sie an der Lübecker Kunstakademie ein Jahr lang studieren, muss diesen „Ausflug“ in der Folge allerdings aus finanziellen Gründen abbrechen. Sie gründet 1965 eine Familie und verwirklicht im Jahr 1977, nach dem frühen Tod ihres Mannes 1968, ihren Kindheitstraum, nach Tirol zu ziehen. Zunächst in Sautens, ab 1995 in Imst rückt die Malerei immer mehr ins Zentrum ihres Lebens. Schließlich ermutigt sie der Imster Künstler Elmar Kopp dazu, ihre farbenfrohen Werke auch größerem Publikum zu präsentieren. Aber nicht nur mit ihren Werken, auch durch ihr soziales Engagement im Bereich der Kinder-Flüchtlingshilfe macht die Künstlerin von sich reden und „blüht in Imst, einer Kulturstadt, so richtig auf“, wie Dietlinde schmunzelnd erzählt. Bürgermeister Stefan Weirather zur RUNDSCHAU: „Es gibt eine lange Verbindung zwischen Dietlinde Bonnlander und der Stadtgemeinde Imst. Sie ist sozial sehr engagiert und nicht zuletzt seit der Kunststraße Imst einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Wir sind stolz, dass wir anlässlich ihres runden Geburtstages diese Ausstellung präsentieren können.“

FARBENFROH UND MIT TIEFGANG. Bonnlander malt Gegenständliches, das sie aktuell beschäftigt. Eine besondere Bedeutung haben „Alleen“ als wiederkehrendes Motiv. „Ich bin einfach ein Flüchtling aus Pommern, das ist fest in mir drin. Ich verarbeite das, was mir hier fehlt. Diese weiten Wege, die Alleen, das kann man auch nicht ändern. Außerdem gibt es genug Künstler, die Berge malen. Wenn ich mir ein Bild ausdenke, ist es so, als ob von mir direkt ein Weg wegführen würde.“ Die Werke der vielseitigen Künstlerin strahlen in bunten Farben, „blau ist einfach meine Farbe“, meint die Trägerin des pommerschen Kulturpreises 2002 und der Verdienstmedaille des Landes Tirol 2012, „es sind die Farben, die mich fesseln“. Literarisch arbeitet die Künstlerin vor allem ihre Vergangenheit auf. Unter anderem schildert sie in ihrem Buch „Ich schreibe dir“ die dramatischen Erlebnisse ihrer Flucht in Briefform. Der im letzten Raum der Ausstellung nachgezeichnete Fluchtweg wird von ihr lyrisch begleitet: „Gib dem Herzen Ruh, befrei‘ die Seele von ihrer Last. Schenk‘ ihr einen Wimpernschlag Schweigen.“ Regina Tschurtschenthaler bringt es auf den Punkt: „Betrachtet man Dietlinde Bonnlanders Bilder mit dem Wissen über ihre Vergangenheit, erkennt man, dass ,Leben‘ eine schöne Alternative ist.“ Die RUNDSCHAU gratuliert herzlich zum 90. Geburtstag!
Leben ist eine schöne Alternative
Die Werke von Dietlinde Bonnlander strahlen in bunten Farben. „Blau ist einfach meine Farbe“, meint die Künstlerin, „es sind die Farben, die mich fesseln.“ Im Bild: „Rotblaue Allee“, Acryl auf Leinwand, 100 x 100 cm. RS-Foto: Bundschuh
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