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Imst | Kultur | 7. September 2021 | Friederike Bundschuh

Meister Erwin feiert seinen 80. Geburtstag

Meister Erwin feiert seinen 80. Geburtstag
Erwin Reheis feiert seinen 80. Geburtstag. Zu diesem Jubiläum stellt die Galerie Theodor von Hörmann neue und auch ältere Werke des international bekannten Künstlers aus. Im Bild: Meister Erwin vor einer Innsbruck-Ansicht in seinem Atelier RS-Foto: Bundschuh
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Ausgabe Imst Erwin Reheis 80. Geburtstag Städtische Galerie Theodor von Hörmann
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Erwin Reheis: Jubiläumsausstellung in der Imster Hörmann-Galerie mit Vernissage am 16. September um 19 Uhr

Anlässlich des runden Geburtstags des weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Imster Künstlers lädt die Städtische Galerie Theodor von Hörmann zu einem Streifzug durch sein Werk. Gezeigt werden neben zarten Rohrfederzeichnungen und -aquarellen ausdrucksstarke Ölbilder, auch bisher noch nie gezeigte Arbeiten werden dabei sein. Gleichzeitig stellt der Künstler sein neuestes Buch mit Grafiken von 1967 bis 2021 vor. Die RUNDSCHAU besuchte Meister Erwin in seinem Innsbrucker Atelier.
Von Friederike Bundschuh

Geboren 1941 in Zams begann Erwin Reheis bereits im zarten Alter von zehn Jahren zu malen. Rückblickend erinnert er sich schmunzelnd: „Als kleines Kind bin ich zu meiner Mutter gelaufen und fragte sie: ‚Was ist ein Maler?‘ Die schlichte Antwort meiner Mutter blieb nicht im Dunkel meiner Kindheitserinnerungen verborgen: ‚Das ist einer, der mit schönen Farben umzugehen weiß.‘ Augenblicklich tauchte ich in eine Welt voll Farben und bunter Streifen ein, umschwebt von prächtigen Wolken in all ihrer Wandelbarkeit.“ Er begann in der Schulzeit mit unterhaltsamen Portraits, knetete aus Ton Köpfe, Tiere und Gefäße. In der Folge etablierte er sich in seiner Zeit als Wehrdiener als Kompaniemaler und bereitete sich damit auf seine Zeit an der Akademie der Bildenden Künste in Wien vor. Erwin Reheis absolvierte die Akademie bei den Professoren Franz Elsner und Herbert Boeckl, eine Periode, die den Maler für sein weiteres Leben prägt. „Ich überzog das graue Wien der 60er Jahre mit den schillernden Farben meiner glücklichen Studentenzeit.“ Es folgt 1975 ein Studienaufenthalt in Stockholm, anschließend unterrichtete er am Gymnasium und der HTL Imst, der HTL Innsbruck und lehrte an der Schnitzschule Elbigenalp. Ganz „nebenbei“ frönte er seiner Leidenschaft für die Kunst, kann auf zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland zurückblicken und wurde zu einer fixen Größe in der Tiroler Kunstszene.

Motivation Malreisen. Meister Erwin zeigt Werke aus unterschiedlichen Schaffensperioden. So finden sich neben in warmen Farben gehaltenen Ölbildern auch Rohrfederzeichnungen, teils mit Sepia und Kasslerbraun. Entstanden sind die Werke während seiner Malreisen nach Spanien und Süditalien. In Matera in der Basilikata skizzierte er mit Rohrfeder (Kalamoi) in schnellem Strich Burgen, Kirchen, Klöster, Kathedralen oder Stadtansichten aus ungewöhnlichen Perspektiven. Der Betrachter taucht ein in die unergründliche Tiefe der Gedanken, die den Künstler während seiner Arbeit inspirieren, und die durchaus auch nachdenklich stimmen können. Einige Reisen führten ihn nach Spanien. Dort entwickelte er eine neue künstlerische Seite. Die dort entstandenen Bilder, die fast „vertraut“ anmuten, sind mit Rohrfeder gezeichnet, aber farblich unterlegt, bevorzugt in Sepia und Kasslerbraun. Dazu Erwin Reheis: „In Spanien hatte ich nur die Rohrfeder und die Farben rot, braun schwarz und weiß. Ich wollte eine Mischung machen auch Rohrfederzeichnung und Aquarell, deshalb auch die Bezeichnung Rohrfeder-
aquarelle.“ Einsam auf seinen Malreisen ist Erwin nie, wird er doch gerne von Franz Posch oder Reinhold Traxl begleitet, launige Reiseberichte inklusive diverser „Hoppalas“ sind die Folge.

Geschnittenes Schilfrohr – Rohrfeder. Ein liebgewonnenes Instrument des unterhaltsamen, um „unerwartete schrullige Wendungen und kauzige Scherze nie verlegenen“ Künstlers, um Prof. Peter Stoeckl der Universität für Angewandte Kunst Wien zu zitieren. Damit führt Meister Erwin einen „irrationalen Kampf“, denn das Ergebnis ist nicht exakt vorhersehbar, wie er selbst ausführt. Und weiter: „Bei dieser Technik wird zunächst kratzend, spritzend und spragelnd die Tusche auf das Blatt gebracht. Hierzu verwende ich das geschnittene Schilfrohr, dessen Tuschespur ungemein lebendig ist und eine regelrecht eigensinnige Dynamik ausstrahlt. Für mich ist der Strich an sich schon der Mittler hin zu einer ‚grafischen Musik‘ – so wie der von beseelter Feindynamik geprägte Strich des Geigenbogens Obertöne erweckt. Im Anschluss an das Zeichnen mit der Rohrfeder wird mit großen Pinseln die Arbeit weitergeführt. Fließende, rinnende Flächen werden gespannt, überschichtet und bespritzt. Dabei wird ein Großteil des Bildes vom Himmel eingenommen, der eine tiefe, lebendige Ruhe entstehen lässt und so den Betrachter in kindliche Illusionen, in Träume, ja in die Unendlichkeit entführen kann.“

Sinn und Kraft. Meister Erwin über seine Arbeit: „Es ist mir ein künstlerisches Anliegen, dem Sog ins Negative entgegenzuwirken und den Menschen die Tapferkeit und Heiterkeit zu stärken, damit sie ihr Leben mit Sinn und Kraft bestreiten können. Das Geheimnis hinter den ,sinnvollen Täuschungen‘ des Daseins bewegt mich, die positiven Aspekte der Realität bestärken mich! Jede menschliche Tätigkeit, so auch die künstlerische Arbeit, hat im Hintergrund denselben Sinn. Es ist die freiwillige Entwicklung der Liebe, die sich in Taten an den Menschen, aber auch an allem uns anvertrauten Leben auswirkt. Ohne Eigendisziplin ist aber die Liebe, die unser Wesen zum Besseren beeinflusst, nicht möglich. Auf diesem Wege der Veränderung der eigenen Seele finden wir in einem überzeitlichen Sinn in unsere Heimat zurück.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!
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