Leerstand als Herausforderung
Gemeinden suchen neue Wege
25. November 2025 | von
Christoph Hablitzel
Bei einem Rundgang durch die Imster Innenstadt sieht Architekt und Leerstandsberater Werner Burtscher viel Potenzial. Foto: Stadtgemeinde Imst/Othmar Kolp
In zahlreichen österreichischen Gemeinden wird der Umgang mit leerstehenden Gebäuden zunehmend zum Problem. Während Ortskerne ausdünnen und wertvolle, bestehende Bauten ungenutzt bleiben, entstehen am Ortsrand weiterhin neue Häuser. Dadurch verschärfen sich sowohl die Zersiedelung als auch der Verlust von Boden durch zusätzliche Versiegelung.
LEERSTAND BETRIFFT GANZE GEMEINDEN - NICHT NUR EINZELNE GEBÄUDE. Das Thema Leerstand hat längst eine gesellschaftliche Dimension erreicht. In Tirol wird Bauland immer rarer. Viele der in den 1970er- und 1980er-Jahren erschlossenen Grundstücke liegen weit außerhalb der Zentren. Hinzu kommt, dass zahlreiche Gebäude – einst von Eltern oder Großeltern erbaut – von den nachfolgenden Generationen nicht mehr bewohnt werden. In touristischen Gebieten verschärfen zudem Zweitwohnsitze die Lage, da sie nur unregelmäßig genutzt werden. Oft entsteht der Eindruck, neue Gebäude seien der einfachere Weg. Doch während Neubauten wachsen, verfallen Familienhäuser oder stehen über Jahre leer. Für Eigentümer:innen bedeutet das häufig eine große Unsicherheit. Viele fragen sich: Was soll ich mit dem Haus tun? Sanieren oder doch abreißen? Ist das Grundstück vielleicht wertvoller als das Gebäude?
UNTERSTÜTZUNG DURCH KOSTENLOSE BERATUNG. Bund, Länder und Gemeinden möchten diesem Trend entgegenwirken, indem bestehende Bausubstanz wieder aktiviert wird – ein Ansatz, der Ressourcen schont und ohne zusätzliche Erschließung von Infrastruktur auskommt. Seit Herbst 2024 können Gemeinden im Bezirk Imst dafür professionelle Unterstützung über das Regionalmanagement Imst anfordern. Einige Bezirke arbeiten bereits länger mit Leerstandsberater:innen; Landeck nahm dabei schon 2016 eine Vorreiterrolle ein. Im Bezirk Imst betreut seit Oktober 2024 Architekt Werner Burtscher dieses Aufgabenfeld. Seine unabhängige Beratung wird über Mittel der EU und des Landes finanziert. Das schafft Transparenz und Vertrauen.
IMPULSE GEBEN, STATT FERTIGE LÖSUNGEN ZU LIEFERN. „Ich berate die Eigentümer:innen kostenlos zu leerstehenden Gebäuden – unabhängig davon, ob es sich um ein Wohnhaus, einen Stall oder ein anderes Objekt handelt. Es geht nicht um fertige Lösungen, sondern um individuelle Gespräche, die neue Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen“, erklärt Burtscher. Er informiert über Förderprogramme und stellt Kontakte her, übernimmt jedoch weder Planungsaufgaben noch behördliche Anträge. Seine Rolle beschreibt er als eine Art Begleitung im Prozess. „Oft brauchen die Menschen einfach jemanden, der zuhört“, sagt Burtscher. „Leerstand ist ein Prozess, der Geduld erfordert. Viele umgehen ihn lieber mit einem Bagger und einem Neubau.“
REGIONALE ERFAHRUNG. Burtscher, ursprünglich aus Vorarlberg, brachte schon während seiner HTL-Zeit eine starke Prägung in Sachen Baukultur mit – eine Tradition, die sich jedoch klar von jener in Tirol unterscheidet. Seit 2004 lebt er in Tirol, seit über einem Jahrzehnt in Stams, wo er ein eigenes Büro beim Stift betreibt. Auch im Bezirk Imst ist seine Arbeit nicht unbekannt: Die sorgfältige Sanierung des „Schrofenhofs“ beim Steinbockzentrum in St. Leonhard trägt seine Handschrift.
GROSSES POTENZIAL IN IMSTER INNENSTADT. Die Stadt Imst möchte aktiv mit dem Leerstandsmanager zusammenarbeiten. Pia Walser, Stadträtin und Vorsitzende des Ausschusses für Innovation und Stadtentwicklung, sieht darin einen wichtigen Baustein für die Zukunft der Innenstadt. Bei einem Rundgang identifizierte Burtscher besonders hohes Potenzial in der Oberstadt sowie in der Kramer-, Schuster- und Floriangasse. Auch in Siedlungsbereichen wie Gunglgrün, Weinberg, Sonnberg und Brennbichl befinden sich viele Häuser aus der Nachkriegszeit. „Gerade in der Oberstadt gibt es viele große Häuser, da dort früher das Gewerbe angesiedelt war“, so Burtscher. Beispiele wie das Fasnachtshaus oder das Projekt Bair-Venier zeigen, dass Revitalisierung greifbar möglich ist.
INITIATIVE HILFT. Stadträtin Walser unterstreicht die Bedeutung dieser Arbeit: „Jede Initiative, die sich mit dem Thema Leerstand auseinandersetzt und Möglichkeiten zur Belebung unserer Orts- und Stadträume aufzeigt, ist aus meiner Sicht ein wertvoller Beitrag. Die unabhängige Leerstandsberatung von Architekt Werner Burtscher setzt genau dort an, sie hilft Eigentümer:innen, den Blick für neue Nutzungschancen zu öffnen, und trägt damit langfristig zur Revitalisierung unserer Stadt bei.“
Kontakt für Beratung im Bezirk Imst. Regionalmanagement Imst, Telefon +43 5417 200 18 oder Werner Burtscher, Telefon +43 699 16 890 098. E-Mail: architekt@
wernerburtscher.com
LEERSTAND BETRIFFT GANZE GEMEINDEN - NICHT NUR EINZELNE GEBÄUDE. Das Thema Leerstand hat längst eine gesellschaftliche Dimension erreicht. In Tirol wird Bauland immer rarer. Viele der in den 1970er- und 1980er-Jahren erschlossenen Grundstücke liegen weit außerhalb der Zentren. Hinzu kommt, dass zahlreiche Gebäude – einst von Eltern oder Großeltern erbaut – von den nachfolgenden Generationen nicht mehr bewohnt werden. In touristischen Gebieten verschärfen zudem Zweitwohnsitze die Lage, da sie nur unregelmäßig genutzt werden. Oft entsteht der Eindruck, neue Gebäude seien der einfachere Weg. Doch während Neubauten wachsen, verfallen Familienhäuser oder stehen über Jahre leer. Für Eigentümer:innen bedeutet das häufig eine große Unsicherheit. Viele fragen sich: Was soll ich mit dem Haus tun? Sanieren oder doch abreißen? Ist das Grundstück vielleicht wertvoller als das Gebäude?
UNTERSTÜTZUNG DURCH KOSTENLOSE BERATUNG. Bund, Länder und Gemeinden möchten diesem Trend entgegenwirken, indem bestehende Bausubstanz wieder aktiviert wird – ein Ansatz, der Ressourcen schont und ohne zusätzliche Erschließung von Infrastruktur auskommt. Seit Herbst 2024 können Gemeinden im Bezirk Imst dafür professionelle Unterstützung über das Regionalmanagement Imst anfordern. Einige Bezirke arbeiten bereits länger mit Leerstandsberater:innen; Landeck nahm dabei schon 2016 eine Vorreiterrolle ein. Im Bezirk Imst betreut seit Oktober 2024 Architekt Werner Burtscher dieses Aufgabenfeld. Seine unabhängige Beratung wird über Mittel der EU und des Landes finanziert. Das schafft Transparenz und Vertrauen.
IMPULSE GEBEN, STATT FERTIGE LÖSUNGEN ZU LIEFERN. „Ich berate die Eigentümer:innen kostenlos zu leerstehenden Gebäuden – unabhängig davon, ob es sich um ein Wohnhaus, einen Stall oder ein anderes Objekt handelt. Es geht nicht um fertige Lösungen, sondern um individuelle Gespräche, die neue Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen“, erklärt Burtscher. Er informiert über Förderprogramme und stellt Kontakte her, übernimmt jedoch weder Planungsaufgaben noch behördliche Anträge. Seine Rolle beschreibt er als eine Art Begleitung im Prozess. „Oft brauchen die Menschen einfach jemanden, der zuhört“, sagt Burtscher. „Leerstand ist ein Prozess, der Geduld erfordert. Viele umgehen ihn lieber mit einem Bagger und einem Neubau.“
REGIONALE ERFAHRUNG. Burtscher, ursprünglich aus Vorarlberg, brachte schon während seiner HTL-Zeit eine starke Prägung in Sachen Baukultur mit – eine Tradition, die sich jedoch klar von jener in Tirol unterscheidet. Seit 2004 lebt er in Tirol, seit über einem Jahrzehnt in Stams, wo er ein eigenes Büro beim Stift betreibt. Auch im Bezirk Imst ist seine Arbeit nicht unbekannt: Die sorgfältige Sanierung des „Schrofenhofs“ beim Steinbockzentrum in St. Leonhard trägt seine Handschrift.
GROSSES POTENZIAL IN IMSTER INNENSTADT. Die Stadt Imst möchte aktiv mit dem Leerstandsmanager zusammenarbeiten. Pia Walser, Stadträtin und Vorsitzende des Ausschusses für Innovation und Stadtentwicklung, sieht darin einen wichtigen Baustein für die Zukunft der Innenstadt. Bei einem Rundgang identifizierte Burtscher besonders hohes Potenzial in der Oberstadt sowie in der Kramer-, Schuster- und Floriangasse. Auch in Siedlungsbereichen wie Gunglgrün, Weinberg, Sonnberg und Brennbichl befinden sich viele Häuser aus der Nachkriegszeit. „Gerade in der Oberstadt gibt es viele große Häuser, da dort früher das Gewerbe angesiedelt war“, so Burtscher. Beispiele wie das Fasnachtshaus oder das Projekt Bair-Venier zeigen, dass Revitalisierung greifbar möglich ist.
INITIATIVE HILFT. Stadträtin Walser unterstreicht die Bedeutung dieser Arbeit: „Jede Initiative, die sich mit dem Thema Leerstand auseinandersetzt und Möglichkeiten zur Belebung unserer Orts- und Stadträume aufzeigt, ist aus meiner Sicht ein wertvoller Beitrag. Die unabhängige Leerstandsberatung von Architekt Werner Burtscher setzt genau dort an, sie hilft Eigentümer:innen, den Blick für neue Nutzungschancen zu öffnen, und trägt damit langfristig zur Revitalisierung unserer Stadt bei.“
Kontakt für Beratung im Bezirk Imst. Regionalmanagement Imst, Telefon +43 5417 200 18 oder Werner Burtscher, Telefon +43 699 16 890 098. E-Mail: architekt@
wernerburtscher.com